Ich hatte sehr verzerrte Vorstellungen von einer Schwangerschaft. Im meinem Kopf existierten offenbar Bilder von anmutigen Schönheiten mit ebenmäßiger Haut, rosafarbenen Wangen und dezentem Bauch, der sich unter einem weißen Hemdchen wölbt. Die schwanger gewordene Raffaelo-Frau, die sich statt der Pralinen lächelnd Obst in den Mund schiebt. Umso verstörender waren für mich die ersten drei Monate meiner Zwillingsschwangerschaft. Die unglaubliche Erschöpfung wurde mir anfangs als Burnout diagnostiziert und die Appetitlosigkeit als Depression.
Paprika löst Übelkeit aus
Einen ersten Verdacht schöpfte ich in der Woche vor Weihnachten, als meine Arbeitskollegin in der Redaktion neben mir Paprikasticks auspackte und mir von dem Geruch speiübel wurde – bislang war ich der totale Obst- und Gemüse-Junkie. Aber ich schob die Geschmacksverirrung ebenso wie meine Appetitlosigkeit an Weihnachten auf meine vorherige Schwangerschaft, die kurz zuvor in der sechsten Woche zu Ende gegangen war.

Als ich zu Silvester und Neujahr dann mit einem Mal komplett neben der Spur war, machte ich einen Test. Und dann noch einen. Beide brauchten keinen fünf Sekunden um die hormonverräterischen Streifen zu zeigen. Ich war in dem Moment alles gleichzeitig: geschockt, erfreut, erleichtert, besorgt. Ich war nach der Fehlgeburt innerlich immer noch ziemlich verunsichert, gleichzeitig freute ich mich über unser schnelles neues Glück und ich war erleichtert, eine Erklärung dafür zu haben, warum ich seit Tagen so schräg drauf war.
Angst vor erneuter Fehlgeburt
Aber ich hatte auch große Angst vor den Wochen, die vor uns lagen. Den Wochen des Bangens und Hoffens, ob es diesmal gutgeht. Ich fürchtete mich davor, Freude zu empfinden und wieder einen Verlust ertragen zu müssen – zumal ich nicht wusste, ob ich das könnte. Der Bluttest bei meinem Frauenarzt brachte dann am nächsten Tag die Gewissheit, der hcg-Wert war in den Himmel geschossen, und zwar so sehr, dass der Doc erstmal vermutete, ich sei schon viel weiter, was blutungstechnisch überhaupt nicht sein konnte. Rückwirkend ist uns jetzt klar, dass unser Doppelkind damals schon ordentlich eingeheizt hat, während wir noch ahnungslos waren.
Wie ich derartig geschwächt und verunsichert im Sommer einen hilflosen Säugling versorgen sollte, war mir schleierhaft und die Vorstellung brachte mich schier zur Verzweiflung. Die Nachricht, dass es zwei werden würden, machte es nicht gerade einfacher. Entgegen der Bilder strahlender Schwangerschaftsschönheiten in meinem Kopf schleppte ich mich mit gelblich-olivfarbenem Teint in einem Körper, der mir fremd geworden war durchs Leben. Mann, war ich naiv. Ich setzte all meine Hoffnung auf die Zeit nach Woche zwölf und dass sich mein Hormonchaos dann wieder etwas bereinigt. Ich hoffte nicht umsonst.
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