Resozialisierung

Ungefähr in der zwölften/dreizehnten Schwangerschaftswoche wurde mein Körper allmählich wieder mein Freund. Es gab zunächst Stunden und schließlich ganze Tage mit wenig bis gar keiner Übelkeit – oh Freude! Mein Mittagsschlafpensum senkte sich auf etwa 45 Minuten im Schnitt, aber ich war ungeduldig. Immer wenn Übelkeit und Erschöpfung wieder nach mir griffen, wurde ich wütend und frustriert – ich hatte einfach keinen Nerv mehr auf diesen Zustand, ich wollte mein altes Leben zurück und machte mir Sorgen, weil ich mich gar nicht recht über die Schwangerschaft freuen konnte. Zumindest nicht so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. 

 

Ich kann mich in diesem Punkt jetzt schon ganz gut verstehen. Wenn der Körper so verrückt spielt, man völlig entkräftet und verunsichert ist und dann noch seine ersten Kinder im Doppelpack erwartet, kann das furchteinflößend sein. Schließlich betritt Team Scharno im Sommer komplettes Neuland und so ein frischgebackenes Familienleben mit Baby ist meines Erachtens schon mit einem Zwerg eine Herausforderung. Aber ich versuchte, mir so gut es eben ging den Druck zu nehmen und mir meine Ängste und Verunsicherungen zu erlauben. Schließlich war ich nicht als Doppel-Supermom zur Welt gekommen. 

Der ganz normale Wahnsinn

Es hat mir ein wenig geholfen, im Netz nachzulesen, dass es ganz, ganz vielen werdenden Müttern in der ersten Zeit der Schwangerschaft so geht und auch Gespräche mit meinen Freundinnen und einer sehr guten Ärztin haben mir geholfen. Ich finde, keine Frau sollte sich für diese ambivalenten Gefühle und Gedanken schämen, denn schließlich wird das gesamte Leben einmal durchgeschüttelt und neu zusammengesetzt. Und manche von uns Mommies to be bringt das eben mehr durcheinander als andere – und das ist VOLLKOMMEN IN ORDNUNG.

Je mehr Zeit verging, desto besser fühlte ich mich. Ich schob das Beschäftigungsverbot, das mein Arzt mir wegen der 70 Kilometer Fahrt zur Arbeit angeboten hatte, zunächst vom Tisch und peile nun an, zunächst zwei und schließlich wieder vier Tage in die Redaktion zu fahren. Ich glaube, dass tut mir gut. Das bin ich, das ist ein Teil von mir, von meinem Leben, von meiner Normalität. Mittagsschlaf brauche ich derzeit eigentlich kaum noch. Natürlich bin ich nicht so fit wie vor sechs Monaten und ab und zu ganz schön kurzatmig, aber das kann ich ganz gut hinnehmen mittlerweile.

Die Zuversicht wächst

Abends falle ich zum Teil sehr früh und sehr müde ins Bett, aber ich nehm wieder am gesellschaftlichen Leben teil, besuche Freundinnen, Lesungen und bin draußen unterwegs. Und das Allerschönste: In mir erwacht die Freude auf unsere Mäuse, die Dankbarkeit für zwei Kinder auf einen Streich und die Zuversicht, dass mein Mann und ich das schon irgendwie wuppen werden.

So fies ich es zehn Wochen lang fand, der Hormongroßtanker zu sein, der das alles ganz allein ertragen muss, während mein Mann quietschfidel ist. Jetzt tut er mir ein wenig leid, dass er nicht all diese Verzückungshormone hat, die mich jetzt ins Schwärmen und Schwelgen geraten lassen und die mich mit größter Freude dazu veranlassen, den fünf Monate alten, sabbernden Zwergkürbis meiner besten Freundin abzuknutschen. Endlich geht die Angst, und der Frühling kommt.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sehr schön geschrieben 🙂 Geniess das zweite Trimester – Da kann man nochmals sich selber sein, nachholen was man im ersten Trimester verschlafen hat und gleichzeitig wächst die Freude auf die Zukunft und man gewöhnt sich an den schönen Gedanken, dass man bald Mami sein wird.

    Gefällt mir

    1. doppelkinder sagt:

      Vielen Dank! Ja, jetzt wird es so langsam richtig schön! Liebe Grüße!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s