Dafür kann ich nichts, das sind die Hormone!

Mental angestupst von der Blogparade aus dem Hause Glucke und so und kalinchens hier ein kleiner Abriss dazu, was Schwangerschaftshormone mit einem anstellen können – #hormonediekeinerbraucht. Von Übelkeits- und Erschöpfungsattacken muss ich vielen Menschen nix erzählen – wem das völlig fremd ist, der informiere sich bitte hier.

Neue Mut zur Wut

Am gravierendsten äußerte sich die Hormonschwemme für mich und mein Umfeld wohl dadurch, dass meine Zündschnur bis auf ein Minimum verkürzt wurde. Ich spreche in diesem Zusammenhang auch gerne von der Wut-Schwangeren. In der unschwangeren Zeit meines Lebens war ich im großen und ganzen ziemlich tolerant. Ok, das ist jetzt ein Euphemismus für harmoniesüchtig. Manchmal hab ich es damit übertrieben und einiges hingenommen, was mir innerlich eigentlich gegen den Strich ging. Ich besaß die Fähigkeit, dann so lange mit mir zu monologisieren, bis ich Verständnis für mein Gegenüber aufgebracht hatte oder die Wut verraucht war. Ekelhaft.

  
In den vergangenen Monaten hingegen habe ich begonnen, ordentlich auszuteilen. Ich bin viel schneller genervt und bedeutend weniger gewillt, das hinzunehmen. Viele Grüße an dieser Stelle an den circa 19-jährigen Golffahrer, den ich an der Ampel fast durch sein Seitenfenster gezerrt hätte, weil er mit 70 Sachen durch unser Wohngebiet gefahren ist. Ich entschuldige mich für nichts, hoffe aber, du hast deinen Schrecken überwunden.

Es ist die Nachtigall, und nicht die Lerche

War ich früher schon ein ziemlicher Morgenmuffel und nach Mittagsschläfen länger übelgelaunt und unzurechnungsfähig, so hat dieser Wesenszug nochmal ordentlich an Fahrt aufgenommen. Ich bin morgens manchmal schon allein deshalb wütend, weil ich wach bin. Selbst bei akuter Müdigkeit denke ich tagsüber drei Mal darüber nach, ob ich ein Schläfchen halte. Denn meine Stimmung ist danach meist noch stundenlang dermaßen unterirdisch, dass ich selbst kaum mit mir zusammen sein mag – wie soll es da meinen Mitmenschen gehen?!

Ja. Ernsthaft.

Meine Essgewohnheiten sind komplett mutiert. Als mein Mann und ich uns dafür entschieden haben, mehr als nur zwei zu werden, habe ich nach einigen Jahren veganer Ernährung auf vegetarisch umgeschaltet. Obst und Gemüse, gesunde Mahlzeiten, wenig Zucker (während ich das schreibe, denke ich mir nur Igitt, was war ich ein Unsympath!) – fand ich alles prima und fiel mir meistens nicht schwer. Mit den Zwillbos wurde alles anders. Sobald die beiden auch nur mikroskopisch klein in meinem Bauch Einzug gehalten hatten, wurde mein Essverhalten auf links gekrempelt. Das einzige, das ich in den ersten Wochen dann und wann ganz gut essen konnte, war Thunfischpizza, Zwieback mit Leberwurst (ja!), Pommes und irgendwann Nudeln mit Parmesankäse. Und eine Ravioli-Phase gab es außerdem, gefolgt von einer täglichen Dosis Spaghetti-Eis. 

Eiszeit.

Dass ich jahrelang kein Fleisch mehr angerührt habe, war mir im wahrsten Sinne des Wortes völlig Wurst, ich war froh, wenn ich überhaupt was essen konnte. Was mich allerdings etwas sorgte, war die völlige Vitamin-Abstinenz der ersten Schwangerschaftswochen und -monate. Mein tiefenentspannter Arzt fand das allerdings ganz und gar nicht dramatisch, Die holen sich schon, was sie brauchen, sagte er stets. Offenbar brauchten sie kein Obst und Gemüse. Und so ist es im Grunde auch geblieben. Allerdings ist mir ja nicht mehr so übel und ich versuche, den Zwillbos und meinem Körper regelmäßig auch nahrhafte Kost zukommen zu lassen. Ginge es rein nach Appetit, lebte ich aber wohl von Chips, Keksen, Pizza und generell allem, was man mit Käse überbacken kann. Erstaunlicherweise hab ich bislang keinerlei Vitamin- oder Eisenmängel zu verzeichnen. Keine Ahnung, wo mein Körper die Überdosen der vergangenen Jahre überall gespeichert hat, aber es muss gigantische Depots geben.
Dezent gefleckt 

Während mir kaum noch Haare ausfielen und meine Fingernägel wuchsen wie unter Doping, rotteten sich die Farbpigmente in meinem Gesicht zusammen und treten fortan nur noch im Rudel auf. So sieht meine Visage nach minimaler Sonneneinstrahlung maximal nach Kuhflecken aus – von weitem könnte man denken Hoppla, länger schlecht gewaschen. Aber das tut mir nicht weh, verursacht keine Übelkeit sowie Kreislaufprobleme und lässt sich ganz gut von mir verkraften.

So empfindlich wie zuweilen meine Stimmung wurde in Folge der Hormonflut auch mein Zahnfleisch. Als die Färbung dessen, was nach dem Zähneputzen im Waschbecken landete, eher an eine Schlägerei denn an Mundhygiene denken ließ und ich irgendwo etwas Alarmierendes über Zahnfleischrückgang und ausfallende Zähne gelesen hatte, trat ich missmutig den Weg zum Dentisten meines Vertrauens an: Vitali. Seines Zeichens Russe, mit der Statur eines Schlachters und der Seele eines Kindergärtners – der einzige Zahnarzt, mit dem ich in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht habe. 

So saß ich bangend auf dem Stuhl in seiner Zahnklinik und starrte das überdimensionale Buddha-Banner an der Wand an, das mich allerdings ganz und gar nicht meditativ stimmen wollte. Zu groß war meine Angst, dass er und zwei seiner Gehilfinnen mir in den kommenden zwei Stunden in meinem Mund herum hantieren müssen, um die absolute Zahnlosigkeit zu verhindern. Mir war es doch noch immer so übel! Doch ich hatte Glück, Vitali inspizierte meine Kauleiste ausgiebig und hatte zum ersten Mal seit Langem nichts zu beanstanden. Vielleicht wollte er sich und mich auch nur schonen und das dicke Ende kommte erst, nachdem es mit dem Dicksein ein Ende hat. So empfahl er mir nur eine entzündungshemmende Zahnpasta und wieder zu kommen, sollte es nicht besser werden. Ich fand, es wurde besser und kam nicht wieder. Bislang sind noch alle Zähne an Ort und Stelle.

Die illustre Liste der Veränderungen ließe sich vermutlich noch fortsetzen. Allerdings muss ich gestehen, dass ich trotz Zwillingsschwangerschaft bislang vom ganz großen Beschwerden-SuperGAU verschont geblieben bin. Natürlich brachten die Wochen, die bis jetzt ins Land gegangen sind gewisse Einschränkungen mit sich (an dieser Stelle grüße ich mein Mountainbike auf dem Dachboden und meine Laufschuhe in…wo auch immer!), ich habe allerdings mit Schlimmerem gerechnet.

Was von all dem bleibt auch nach der Schwangerschaft? Bald werden wir es wissen…

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. dashuhn85 sagt:

    Das mit dem Eis kommt mir bekannt vor. Ich habe vorher auch schon Eis gegessen, aber nachdem die Bauchzwerge eingezogen waren, konnte ich jeden Tag Eis essen, fast egal welches. Besonders beliebt war Domino (oder die jeweilige Eigenmarke des vorhandenen Supermarktes). Der Gefrierschrank war sehr gut gefüllt mit ganz viel leckerem Eis. Bis… bis zum Tag der Geburt im Juli 2014. Bis heute ist der Eisvorrat aus meiner Schwangerschaft noch nicht ganz aufgebraucht. Und nur, weil die Zwerge es auf einmal so eilig hatten 😀

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    1. doppelkinder sagt:

      Wir vertilgen hier derzeit Wassereis in rauen Mengen! 🙂

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  2. zwillingerig sagt:

    Ich bin auch gespannt, was bei dir bleibt. Die Haare bestimmt nicht 🙈🙊😂

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