Danke, Frau Heb – oder: Wer mit uns als Eltern laufen übte

Frau Heb, wie lange hast du uns jetzt begleitet? Als die Zwillbos noch aussahen wie Erdnussflips in meinem Bauch, hast du mich gescholten, weil ich mich „so spät“ erst bei dir gemeldet hab. Es war die neunte Woche [ich weiß, ich weiß, Hebammen wie du sind immer ausgebucht. Zurecht.]. Aber wir hatten Glück. Du würdest alles tun, nur nicht die Zwillbos an deinem Geburtstag ins Leben begleiten, sagtest du. Du weißt, wie die Geschichte ausgegangen ist – und wir könnten nicht stolzer sein, dass unsere Kinder am selben Tag wie du feiern dürfen [obschon zwei Löwen auf einen Streich eine ganz schöne Herausforderung sein können]. 

Doch schon Monate vor der Geburt warst du an meiner Seite. An unserer Seite. Hast mit einem Lächeln und Augenzwinkern die panischen Fragen einer Erstschwangeren ertragen [„Wenn da Zimt auf dem Apfelkuchen ist, bekomme ich dann Wehen?“], hast auch immer an den Zwillbo-Papa gedacht und uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ich habe selten so viel gelacht mit einem Maßband um den Bauch! 

Du hattest immer das richtige für uns im Gepäck. Weißt du noch, Beppo, der Straßenkehrer? Auch jetzt, wenn ich mich frage, wie ich bis zum Abiball der Doppelkinder überleben soll, denke ich an deine Worte und versuche immer nur auf das Stück des Weges zu schauen, das ich gerade fege. 

Ärzte und Schwestern haben sich die Finger dumm und dusselig gerückt am CTG, um mal die Herztöne der Zwillbos gleichzeitig einzufangen. Bei dir hat das keine zwei Minuten gedauert und ihr hattet Kontakt [und so ist das heute noch mit dir und meinen Kindern, es dauert keine zwei Blicke und ihr habt euch verschworen – zum Glück!]. Du hast mir Ängste genommen und mich gestärkt, hast unsere Erstausstattung inspiziert und warst eine der ersten, die die Zwillbos kennengelernt haben – auch wenn sie anders zu uns gekommen sind als wir uns zunächst gewünscht haben. Und da ging das Abenteuer erst richtig los!

Was hätte ich am Tag unserer Krankenhausentlassung nur gemacht, wenn du nicht zwei Stunden später auf der Matte gestanden hättest? Vermutlich wäre ich weiter wie ein angestochenes, flennendes Huhn nervös mit Kind durch die Wohnung getigert! Als der Zwillbo-Papa mal zur Uni musste, hast du dich sogar zwei Mal an einem Tag mit uns ins Chaos gestürzt. Ich wollte so gerne stillen! Meine Güte – wenn man uns beide ließe, wir würden den Nahen Osten gemeinsam befrieden, oder? Ohne dich hätten wir das kaum durchgehalten. 

Wann auch immer ich voller Sorge war, ob meine Babys denn wohl auch genug zunehmen, bist du mit deiner Waage und einem breiten Grinsen hier aufgetaucht und hast dich schon beim Anblick der beiden kaputtgelacht, weil sie so wohlgenährt aussahen. 

Frau Heb – wenn jemand eine Zwillingsschwangere samt Ehemann tragen kann, dann du [irgendwie muss ich gerade an Pippi Langstrumpf denken]. Du hast uns als Eltern an die Hand genommen und mit uns Laufen geübt. Und jetzt…jetzt machen wir das hier irgendwie. Mal anmutig schreitend, mal stolpern wir so durch. 

Ich schreib jetzt nicht, dass du nicht mehr kommst. Denn das will ich noch gar nicht ganz wahr haben [außerdem kommst du auf Kaffee und Bolognese – du hast es versprochen!]. Wenn du nicht gerade einen – oder mehrere kleine Menschen ins Leben begleitest, bist du immer nur einen Anruf weit entfernt. Danke für Alles, du bist unbezahlbar und in Gold nicht aufzuwiegen!!!

Leute, besorgt euch Hebammen! Für eure Schwangerschaften, für eure Geburten, für eure Kinder – und vor allem für eure Seelen!!! 

12 Comments

  1. So wichtig und richtig und toll und überhaupt das es menschen wie frau heb gibt! Unsere hat uns auch ganz wunderbar beigestanden und jede auch noch so dämliche Frage unsererseits geduldig beantwortet und auch die sache mit dem stillen ganz wunderbar mit uns hinbekommen.

  2. Ich hatte eine Hebamme – aber nicht SO eine. Die hatte ich mir erträumt. Beneidenswert. Meine Rettung war die Nachtschwester auf der Wöchnerinnenstation (pucken in der ersten Nacht), meine Mutter und meine Tante.

  3. Ode an die Hebamme! Das lies sich runter, als ob du von meiner geredet hättest. Unersetzlich eine gute Hebamme bei der die Chemie stimmt besonders bei zwei Babys und auch wenn man „nur“ ein Baby im Bauch hat. Ich hab auch immer noch Kontakt zu meiner. War vielleicht auch extra bersonders weil sie bei der Geburt dabei war, Geburtshaus….. geht bei Zwillbos natürlich nicht. Wirklich Gold wert.

  4. Hebammen sind unheimlich wichtig für einen! Ohne sie wäre alles vieeellll schwieriger! Umso unverständlicher, dass es diesem Berufsstand so schwer gemacht wird (Versicherung etc.). Ich bin meiner Hebamme auch endlich dankbar!!!

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