Baby, es gibt Brei – Beikost für Zwillinge

Mit fünfeinhalb Monaten war es im Hause Doppelkinder so weit: Die Zwillbos bekamen ihren ersten Löffel Brei. Natürlich hatte ich mir das alles völlig anders gedacht, als es letztendlich geschehen ist [das ist einer meiner Lieblingsfehler, die mache ich gern öfter]. Sechs Monate lang wollte ich voll stillen. Basta. Wie gut das geklappt hat, habe ich neulich berichtet.

Manchmal denke ich, das Muttersein ist eine ewige Lektion im Juli-lass-das-Planen-sein. Da halte ich mich immer schon für spontan, flexibel und unvoreingenommen, und am Ende stelle ich fest, dass mein Gehirn sich doch heimlich eine Erwartung kreiert hat. Vielleicht nur um mich ein bisschen auf Trapp zu halten…na, egal.

Ich gehöre nicht zu den Müttern, die auf Abstillen oder Beikost total gebrannt haben. Ich fand die Milch-Nummer so schön einfach, das lag mir. Alle paar Stunden das gleiche servieren – die Zwillbos und ich kannten unser Business. Das Thema Baby-Ernährung erschien mir eine eigene Wissenschaft zu sein, die zu studieren ich keine Lust hatte. Brei, Baby Led Weaning, Gläschen oder selbst kochen – nö, je später ich mich damit würde befassen müssen, desto besser.

Doch offenbar hatten die Zwillbos Bock. Seit geraumer Zeit guckten sie ihrem Vater und mir das Essen vom Löffel, und ich habe Mads selten so brüllen gehört, wie nachdem ich ihm eine Apfelkietsche wegnahm, an der er lutschen durfte. Als Pepe zusehends zum Stillgegner wurde, klagte ich mein Leid meiner Schwiegermama. Meine Mama und meine Schwiegermama geben mir oft so eine Leichtigkeit. Sie hören mir zu und schlagen mir ganz entspannt und ohne Druck Alternativen vor – sofern es welche gibt. Aber eben so ganz liebevoll, unaufdringlich und mutmachend. Zumindest traute ich mich nach einem solchen Gespräch in den Supermarkt, um Karotten in rauen Mengen zu erstehen. Einfach schon mal vorkochen konnte ja nicht schaden. Das war für mich der erste Mini-Schritt weg vom voll Stillen, und er war gut so.

Kurz darauf gab mir Frau Heb bei ihrem letzten Besuch den benötigten Stups. Also kramte ich noch in ihrem Beisein die ersten eiswürfelgroßen Karottenbreivorräte aus dem Kühlfach, und die Zwillbos nahmen ersten Kontakt mit dem Löffel auf. Der Zwillbo-Papa und ich hatten vor Aufregung ganz rote Bäckchen [ok, im Grunde genommen nur ich…]. Von Mads hätte ich am ehesten erwartet, dass er sich den Brei direkt löffelweise hinein schaufeln lässt. Schließlich ist mein Zweitgeborener zumindest in Sachen Milch alles andere als ein Kostverächter. Irrtum! Mit dem ehrlichen Charme, wie ihn nur Kinder haben, würgte mein Baby nach dem ersten Happen und hielt seine Schnute fortan erstmal fest verschlossen. Pepe nahm immerhin ein paar Löffel, doch arbeitete sein Zunge noch nach dem Schema Saugreflex und bugsierte einen Großteil des Breis wieder hinaus. In sein Gesicht. Und auf das Spucktuch. Und auf mich.

So. Nun würde ich also fortan mittags versuchen, meinen Kindern püriertes Gemüse unterzujubeln. Um Mads nicht gleich zu Beginn die Freude an „fester“ Nahrung zu verderben, stiegen wir am folgenden Tag auf Kürbis um. Und siehe da, auch Zwillbo Zwo behielt ein paar Löffelchen bei sich.

Großartig auseinandergesetzt mit dem ganzen Beikost-Thema hab ich mich offen gestanden immer noch nicht. Ich weiß, dass ich nach ein paar Tagen Kartoffel dazugeben sollte, und mit der Zeit beim Gemüse variieren kann. Und noch immer erscheint mir das alles wie eine künstlich aufgepustete Wissenschaft. Gibt man das Öl nach dem Dünsten, vor dem Verzehr oder nach dem Auftauen hinzu? Und was ist mit Fruchtsaft? Wie oft die Woche Fleisch und wie viel Gramm sollen die Zwillbos mittags verspeisen, bis ich ihnen auch zu einer anderen Tageszeit etwas anbiete?

Ganz ehrlich? Mir ist das alles zu viel Gewese. So lange ich den Eindruck hatte, sie haben noch Kohldampf nach dem Brei, gab es noch eine Rutsche Milch hinterher. Weil sie es so gerne mögen, bekamen sie quasi von Anfang ein paar Löffel Obstmus zum Nachtisch. Und weil wir so neugierig waren, wie ihnen Getreidebrei schmeckt, haben wir lange bevor sie sich mittags satt gegessen haben, den ersten Grieß angerührt – und der lief sofort wie geschnitten Brot [das übrigens mit Begeisterung gelutscht wird]. Der Abendbrei ist bei uns auch eher ein Spätnachmittagsbrei, weil sie abends zu müde und unkooperativ zum Essen sind, da muss bislang noch die Flasche her.

Weil die Zwillbos meinen selbstgekochten Brei manchmal verschmähen – ich vermute, dann trifft die Konsistenz nicht ihren Gusto – habe ich frühzeitig ein paar Gläschen im Schrank deponiert. Wenn die Jungs also den Löffel bestreiken, rühre ich etwas von dem unter, wofür Claus Hipp mit seinem Namen steht, und dann läuft es meist.

Aktuell serviere ich täglich ein, zwei, drei Gemüsesorten mit Kartoffel kombiniert. Fleisch ist ja so’ne Sache…weil ich keine Lust habe, das auch noch zu dünsten, habe ich im Drogeriemarkt ein Produkt mit dem gruseligen Namen Hühnchenfleischzubereitung erworben. Leute, was soll ich sagen? Unserer Katze hätte ich das vermutlich nicht gegeben. Deshalb mussten die Zwillbos davon bislang auch nur einen untergejubelten Löffel verzehren. Mal sehen, wie ich die Fleischproblematik künftig löse.

Beide haben immer mal Tage, an denen sie schlecht essen, aber die werden immer seltener. Als Pepes Zähne kamen etwa, gab es zum Mittag nur Gebrüll und Entrüstung. Ich finde auch, dass sich der Gläschen- und Pulvermilchkauf immer weniger nach Beschaffungskriminalität anfühlt [schließlich kocht eine gute Mutter doch selbst, oder etwa nicht!?].

Ich hab momentan eigentlich noch keinen Schimmer, welche Milchmahlzeit wir ihnen als nächstes abluchsen, vielleicht warte ich einfach, bis ich ihnen die ersten Schnittchen servieren kann, mal sehen. Ich habe das Gefühl, unsere Kinder werden uns schon zeigen, was sie möchten und brauchen.

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Pingi3107 sagt:

    Ich hab mir bei Amazon zwei Bücher bestellt,die alles schnell und einfach erklären. Kann ich Dir gerne nennen,wenn Du magst. Wir haben bislang Möhre und Kürbis versucht,Pastinake ist eingefroren.Die Jungs haben aber noch keine Lust,daher lege ich das Thema wieder auf Eis.

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    1. doppelkinder sagt:

      Danke, das ist sehr lieb von dir! Aber da ich eh kaum zum Lesen komme, mach ich erst einmal weiter so aus dem Bauch heraus 😃. Bestimmt schmeckt es deinen Jungs auch bald!

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  2. dashuhn85 sagt:

    Unsere fleischzubereitung lief so (ja nicht so ganz lecker, ich weiß…): hackfleisch mit wasser und ein bissl öl angebrachten bis es mehr als tot war, komplett auskühlen lassen und dann im wunderkessel quasi zu pulver gemacht. Das hab ich das protionsweise eingefroren und immer mal wieder unter den gemüsebrei gemischt. Fiel im brei gar nicht auf. Und manchmal hat meine schwiegermutter mir auch rindfleisch gekocht (zusammen mit gemüse, für den geschmack), das hab ich dann auch im wunderkessel gehexelt. Aber wirklich lecker ist auch irgendwie anders…

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    1. doppelkinder sagt:

      …das ist auch ein guter Tipp! Aber du hast vollkommen recht, wirklich lecker ist anders 😃😃😃

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  3. Anika sagt:

    Bei uns lief das folgendermaßen: ich habe haufenweise Beiträge im Internet über den Beikoststart gelesen. Ich habe mir ein Buch gekauft, mit Plänen zur schrittweisen Einführung der Lebensmittel, Rezepte und viele mehr. Ich habe mit meiner Hebamme, meiner Schwiegermutter und meiner Freundin gesprochen. Ich habe die Kinderärztin gefragt. Ich fing an, Karotten, Kürbis, Pastinaken, Kartoffeln und was weiß ich zu kochen zu pürieren und einzufrieren. Und was hat mir das alles gebracht? Die Kinder halten sich leider an keinen Plan. Spätestens mit Einführung des so wichtigem Fleisch bin ich auf Gläschen umgestiegen. Die sind immerhin sehr viel strenger kontrolliert, als jedes andere Lebensmittel. Außerdem spart es mir sehr viel Geld und noch viel mehr Zeit. Um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, wollte ich wenigstens Bio Gläschen nutzen. Denkste! Meine Kinder essen kein Bio! Und was die schönen Pläne der verschiedenen Brei Einführungen betrifft, haben auch die kleinen selbst entschieden. Erst wurde die abendflasche verweigert dann wurde die nachmittags Flasche verweigert. Mach einfach, wie deine Zwilbos es dir vorgeben. Da kannst du gar nichts falsch machen!

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    1. doppelkinder sagt:

      Oh Mann, das haben Kinder echt drauf, oder? Uns zeigen, dass sie ihren eigenen Plan mitbringen. Und irgendwie ist das auch ziemlich gut so 🙂

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  4. Dein Beitrag passt gerade echt perfekt. Wir haben letztes Wochenende auch nach 5 1/2 Monaten mit der Beikost angefangen. Dass das allerdings so eine Wissenschaft ist, find ich auch total anstrengend. Ich versuche es jetzt auch einfach nach Gefühl zu machen. Soll ja schließlich auch mir ein bisschen Spaß machen. 🙂

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    1. doppelkinder sagt:

      Das finde ich gut. Ich muss sagen, dass wir so echt gut fahren, und es macht Spaß! Heute hab ich als Zwischenmahlzeit Zwieback mit Obstmus serviert – na, das waren mal glückliche Mäuse ❤️! Viel Spaß!

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