Mads macht mobil

Da steh ich eines Nachmittags in der Küche und blicke von oben auf meinen zweitgeborenen Zwillbo herunter. Er liegt auf dem Bauch – wie so oft dieser Tage – und rudert wild mit seinen beiden kleinen Marshmallow-Ärmchen und strampelt mit seinen Michelinmännchen-Beinen. Er sieht dabei aus wie ein Fallschirmspringer im freien Fall. Ich bewundere das Kind für seine Beharrlichkeit, denn es geht schon seit Wochen so. Mads dreht sich, Mads rotiert um die eigene Achse, Mads schiebt sich ein paar Zentimeter rückwärts, Mads weiß nicht weiter und beginnt zu paddeln. Mads versucht es weiter. 

Und wie ich da so stehe und auf meinen Sohn herab schaue und ihn zugleich bewundere und ein bisschen bemitleide, da passiert es: Er zieht sich nach vorne! Linke Hand – patsch – rechte Hand – patsch – Knie und Popo hinterher. Ich kann es kaum fassen und bin ganz aus dem Häuschen. Ein paar Tränchen muss ich auch wegblinzeln, ich bin stolz wie Bolle auf den kleinen Kämpfer. Mads selbst tut so als sei nichts geschehen. Pokerface. Verzieht keine Miene. Deutet keinen Luftsprung an. 

Schon frage ich mich, ob ich mich vielleicht verguckt habe. Ich mache den Test, lege Mads ein Spielzeug vor die Nase und warte ab. Nichts passiert. Mein Sohn blickt mich nur fragend an und macht „blabla“. Was vermutlich so viel heißen soll wie „Entschuldige bitte, Mama, aber diese Rassel ist mir zu trivial“. Möglicherweise bedarf es eines attraktiveren Lockmittels, damit er noch mal den Vorwärtsgang einlegt. Vielleicht einer glitzernden Plastikdose mit Kaugummi-Dragees? Ich rappele mit der Dose und stelle sie vor meine Füße. Aha. Es scheint kurz zu rattern in der kleinen spärlich behaarten Murmel. Dann legt er los. Patscht ein Händchen vor das anderes und zieht sich über den schwarz-weißen Linoleumboden. Als hätte er nie etwas anderes gemacht. 

Unterwegs.

Faszinierend. Neulich waren sie noch winzige, erdnussflipartige Würmchen in meinem Bauch, die für wochenlange Übelkeit gesorgt haben. Jetzt fangen sie an, mir die Erde aus den Blumentöpfen zu räumen. Oder besser gesagt aus dem Blumentopf. Hier gibt es nämlich nur einen einzigen. Zumindest auf dem Fußboden. Wenn sie die anderen unfallfrei erreichen können, haben sie andere Hobbys. Hoffentlich. 

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