Lebensverändernde Maßnahmen

14 Monate lang waren wir ganz, ganz viel zu viert. Der Zwillbo-Papa hatte sich einst, noch vor Geburt der Doppelkinder, aufgemacht, nach einigen Job- und Arbeitsjahren eine Hochschule zu besuchen. Das schmälerte auf der einen Seite den Inhalt unserer Haushaltskasse – obschon er auch währenddessen noch viel gearbeitet hat. Doch es brachte uns als Familie ein unbezahlbares Gut: Zeit. So hatten wir viele Monate gemeinsam mit den Kindern. 

Die Zeit hat uns zusammengeschweißt 

Das klingt nach Familienromantik. Doch insbesondere in den ersten Wochen und Monaten weiß ich gar nicht, wie ich mich kräftemäßig über Wasser gehalten hätte, hätte er mehr als das eine Seminar besucht. Klar, es wäre irgendwie gegangen, es geht ja anderswo auch. Aber der Preis wäre hoch gewesen. Und es hat uns vier ziemlich zusammengeschweißt. 

Im Frühling musste der Doppelvater schließlich schriftlich unter Beweis stellen, dass er das drauf hat mit dem Akademikersein. Da war er schon tagsüber viel auswärts. Doch kam es nicht immer ganz genau drauf an, ob er um 8 Uhr anfing zu schreiben oder um 10 Uhr. Oder eben auch mal gar nicht. Hauptsache, die Bachelor-Arbeit war fristgerecht fertig. Ich wusste also, das klappt hier mit mir und dem Himmelfahrtskommando. 

Nach dem Abschluss ging es dann irgendwie ratzfatz, der Mann bekam eine Stelle. Tusch. Drei Wochen betrug schließlich unser gemeinsamer Countdown. Drei Wochen, in denen wir gemeinsam noch viel vor hatten. Doch an vielen Tagen kam das Leben dazwischen. Das erkältete Leben vor allem. Und das 14-Monate-alte Leben, das seit neuestem entdeckt, dass es Eigensinn, Wut und einen eigenen Willen hat. Eh‘ wir uns versahen war es Montagmorgen. DER Montagmorgen. „Du gehst jetzt also zur Arbeit?“ Ja. Ging er. 
Viele Male habe ich alleine mit den Zwillbos gefrühstückt und den Tag verbracht. Heute habe ich mich dabei trotzdem anders gefühlt. Ein wenig wie beim freihändig Fahrradfahren. Oder beim Eierlaufen. Aber es war gut. Es war so entspannt, wie es mit 14 Monate alten Zwillingen sein kann. Denke ich. Erfahrungsgemäß ist unser Nachwuchs sowie kooperativer, wenn nur ein Erziehungsberechtigter zugegen ist. 

Schlafmangel ist mein größter Feind

Ich bin ganz froh, dass diese neue Zeit nun angebrochen ist. Dann muss man ihr nicht länger entgegen sehen, sondern kann sie direkt leben, sie angehen. Wir sind ganz gut gewappnet. Denke ich. Wir haben ein ziemlich geregeltes Tages- und Wochengerüst, das trotzdem Spielraum und Freiheiten lässt. Der Mann und ich schätzen Routinen. Sie geben uns allen Sicherheit. Trotzdem darf man ausbrechen. Wenn er nun von Montag bis Freitag arbeiten geht, ist das auch eine Routine. Wir werden uns mit ihr zurechtfinden. Denke ich. Wir haben ein bisschen darauf hingearbeitet. Trotzdem wir viel zu zweit für die Zwillbos da sein konnten beziehungsweise uns abgewechselt haben, habe ich auch vieles allein mit den Jungs unternommen, unseren neuen Alltag immer wieder geübt und getestet. Mein größter Feind ist der Schlafmangel. Ich hoffe inständig auf etwas Nachtruhe…

Jetzt ist es ernst geworden. Ich bin gespannt. Alles bleibt anders.

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tabea sagt:

    Hallo Juli, wie gut kann ich mich noch daran erinnern, als mein Mann wieder arbeiten ging. Man, war ich aufgeregt. Und selbst nach jeder Woche Urlaub, die er hatte, bin ich immer wieder etwas „Bang“ vor dem Tag, wo ich wieder einen großen Teil alleine mit den Jungs bin. Und am Ende des Tages stelle ich dann wieder fest: Es klappt doch ganz gut 🙂 Aber es ist auch schön, wenn wir zu viert sind. Unsere Jungs sind jetzt 16 Monate, fast 17. Sie haben ihren eigenen Kopf, flitzen überall hin, klettern überall drauf… Und trotzdem, ich finde, je älter sie werden, desto „entspannter“ wird es in vielen Situationen! Ihr werde es weiterhin gut meistern, ob zu viert, oder zu dritt 😉 Viel Erfolg dir für die Tage „allein“ und deinem Mann auf der Arbeit. Ein neuer Job ist auch immer sehr aufregend…

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    1. doppelkinder sagt:

      Vielen lieben Dank, Tabea!!! 😊

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  2. Lisa sagt:

    Ich frage mich ja immer, wie sich mein Mann gefühlt hatte, als ich ihn „alleine“ mit meiner kleiner Maus gelassen habe und wieder zur Abendschule und Arbeit gegangen bin. Ich weiß aufjedenfall beim ersten Mal Abendschule, hat er mir stündlich berichtet wie viel sie immer getrunken hat und irgendwann hatte er dann seine Routinen und diese verändern sich laufend, besonders als er auch wieder arbeiten gegangen ist, nachdem er „irgendwie“ (ich weiß nicht wie er das schaffen konnte, mit so einen akuten schlafmangel) seinen BA-Abschluss gemacht hatte. Es war eine verrückte Zeit.

    Ich hoffe es bleibt weiterhin alles verrückt, aufregend und schön für euch alle vier.

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    1. doppelkinder sagt:

      Wow, das ist aber auch spannend! Toll, dass ihr das so hinbekommen habt!!!

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  3. Nadine sagt:

    Hallo!
    Ich verstehe dich total. Mein Mann war die ersten 3 Wochen nach der Geburt zu hause,dann hieß es für ihn wieder ab in die Arbeit. Leider arbeitet er von Montag-Freitag in Dauernachtschicht. Ich bin seit 5 Wochen mit unseren Zwillinge nachts allein. Irgendwann muß der Papa aber auch mal schlafen wenn er von der Arbeit nachhause kommt,also ist auch bis zum frühen nachmittag nicht wirklich mit ihm zu rechnen. Wenn es brennt und beide gleichzeitig Hunger haben ist er zur Stelle,aber eben nicht ganz wach… 😁😁
    Allein sein mit Zwillinge ist eine wahnsinns Herausforderung die man gern mal unterschätzt.
    Augenringe sind das must have der Saison,hab ich mir sagen lassen.

    Gefällt 2 Personen

    1. doppelkinder sagt:

      Oh Mann, ganz großen Respekt! Ich wünsche dir viel Kraft und gut schlafende Kinder!!!

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