Was an Muttertag wirklich geschah 

Der Muttertag ist den Zwillbos in diesem Jahr so wichtig, dass sie extra dafür eine Stunde früher aufstehen. Zudem sind sie am Vorabend erst gegen 21 Uhr eingeschlafen – ganz offensichtlich verbringen sie gerne ihre Zeit mit mir und machen daraus rund um den Ehrentag aller Lebensspenderinnen der Nation keinen Hehl. 

Noch bevor ich mir den ersten Kaffee machen darf, zerlegen die Jungs auf dem Küchenfußboden Teebeutel. Sie zerlegen sie nicht etwa nur in ihre Bauteile. Nein, binnen weniger Minuten befindet sich ein erheblicher Teil der belebenden Mischung „Bergkräuter“ außerhalb der Beutel. Man darf das ruhig positiv bewerten, schließlich kommt durch die zusätzliche Bewegung beim Staubsaugen mein müder Kreislauf in Schwung. 

Das Drama mit den Eiern

Wir frühstücken. Unter anderem gekochte Eier. Das hat zwei Seiten. Ginge es nach Mads und Pepe, würden sie Eier zum Grundnahrungsmittel erklären, sie sind quasi besessen davon. Dass man allerdings warten muss, bis sie auf Verzehrtemperatur abgekühlt sind, davon halten sie gar nichts. Vielleicht wäre es mal eine Überlegung wert, die Eier auf einem Campingkocher im Badezimmer zuzubereiten und als große Überraschung zu servieren. Das würde vermutlich weniger Unmut bringen als das Live Cooking. 

Bis die Eier dann so temperiert sind, dass Kleinkinder an ihnen keine Verbrennungen erleiden, ist zumindest Mads‘ Stimmung von Vorfreude in – nennen wir es mal akute Dissonanz – umgeschlagen. Auf gar keinen Fall sieht er sich im Stande, das zerlegt Ei zu essen. Lautstark besteht er auf ein Neues, womit ich allerdings nicht diene. Ich artikuliere mein Verständnis für seine Situation, erkläre dem Zweitgeborenen allerdings, dass das Eier-Kontingent begrenzt ist, und er mit diesem Exemplar Vorlieb nehmen müsste. Er sieht das ein. Nach fünfminütigem Gebrüll. 

Das Frühstück nimmt seinen Lauf und endet wie sooft am Wochenende damit, dass ich auf der Küchenbank und zwei Kinder auf mir sitzen. Zwei Kinder, die munter Avocado-Hälften auslöffeln, den Ertrag auf der Tischplatte verstreichen und mit den Fingern Mandalas in die Butter pulen. Man kann sich vielleicht vorstellen, welchen Grad meine persönliche Entspannung während unserer Familienfrühstücke regulär erreicht. Schließlich haben die Zwillbos auch stets Kapazitäten für ausgewachsene Geschwisterfeden darum, wer mehr Raum auf Mamas Schoß einnehmen darf.

Immerhin überstehen wir die gemeinsame Mahlzeit, ohne das ein Kind von Bank stürzt oder mir ein Besteckteil ins Auge rammt. Der Mann räumt im Anschluss die Küche auf. Das ist bei uns nicht mutter- sondern alltäglich. Zumindest am Wochenende. Ich versuche indes, mich ins Badezimmer abzusetzen. Ich bin zum Geburtstagsbrunch einer Freundin eingeladen, bei dem ich ohne Mann und Kinder zu erscheinen gedenke. Eben genannte werde ich zuvor bei meinen Schwiegereltern abladen. 

Home-Gardening

Während ich nun bestrebt bin, meinem Äußeren ein kinderloses Erscheinungsbild zu verpassen, beginnt Mads, mit meinem Puderpinsel Erde aus dem Blumentopf in der Badezimmerecke zu schaufeln. Derartige Aktivitäten hat er in den vergangenen Monaten ruhen lassen. Ich nehme an, er greift sie wieder auf, um mir vor Augen zu führen, wie schön es im Grunde doch ist, bereits zwei so große Jungs zu haben, die sich in der Regel schon anders zu beschäftigen wissen. Vielleicht möchte er aber auch nur anlässlich des Muttertags das Avocado-Butter-Ornament vom Frühstückstisch fortsetzen. 

Ich löse die Veranstaltung auf und stelle den Blumenkübel in die Badewanne, was beim Kind laute Protestäußerungen hervorruft. Das macht mir nichts aus, unsere  Kinder dürfen hier jederzeit ganz frei ihre Meinung äußern. Von meiner Muttertagsentspannung verabschiede ich mich allerdings endgültig. Ich sehe gerade noch aus dem Augenwinkel, wie sie sich weinend aus dem Fenster stürzt. 

Irgendwie gelingt es dem Mann und mir, uns vier in einen einigermaßen gesellschaftsfähigen Zustand zu versetzen und die 700 Dinge zusammenzuraffen, derer es für einen solchen Tagesausflug bedarf. Den Kindern ist unterdessen die Geduld so ziemlich abhanden gekommen. Das kann ich wirklich gut nachvollziehen, schließlich hat an solchen Vormittagen niemand Zeit, anständig mit ihnen zu spielen. Der Lautstärkepegel, in dem sie uns das mitteilen, nervt mich trotzdem.

Als ich auf den Beifahrersitz unseres Autos sinke, fühle ich mich erschöpft und eher wie eine Kandidatin für den Großmuttertag. Oder für einen siebenwöchigen Aufenthalt auf einer Schönheitsfarm. Etwa zehn Minuten lang unterhalte ich mich noch mit Pepe über Motorräder, Bagger und Brücken – Mads dämmert bereits seit Fahrtantritt vor sich hin, das Gärtnern hat ihn offenbar ermüdet. Schließlich schlafen beide Zwillbos ein. Ich fühle mich gerade sehr schlecht gelaunt. Aber auch irgendwie traurig, weil ich weiß, wie blöd es für die Jungs ist, wenn sie eine Stunde lang nur hören müssen, dass sie bitte warten mögen, weil man die Fahrt vorbereiten müsse. 

Einseitiger Trennungsschmerz

Als wir die Gemeinde meines Schwiegervaters erreichen, bin ich voller Trennungsschmerz und kann meine Familie nicht so richtig gut loslassen. Das beruht allerdings nicht auf Gegenseitigkeit und deswegen mache ich mich schließlich doch davon. Per WhatsApp-Sprachnachricht jammere ich noch die Speicherkarten diverser Freundinnen damit voll, dass ich mich jetzt eigentlich lieber verkriechen als zum Brunchen gehen würde. Sie lassen mich damit nicht durchkommen und appellieren an meinen Erfahrungsschatz, der verfügt, dass es ja doch meistens ganz schön wird, wenn man sich dann einmal aufgerafft hat. Und das wird es auch. 

Vier Stunden später treffe ich ziemlich entspannt und ziemlich satt auf den Mann und die Kinder. Dann wird es aus Versehen doch noch ein ziemlich schöner Nachmittag.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Janina sagt:

    So ein schönes letztes Bild… ❤

    Bei uns werden die hartgekochten Eier mittlerweile streng rationiert, weil die Mädchen so darauf abfahren, dass wir vor lauter „Eiiiaaaa“-Rufen unser eigenes Wort nicht verstehen und sie nachts so doll davon pupsen müssen, dass die Luftqualität sehr darunter leidet…

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    1. doppelkinder sagt:

      😂😂😂 stimmt, dieses Gepupse!

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