Dem Bette so nah, dem Schlafe so fern

Lange Zeit haben wir uns damit gebrüstet, dass die Zwillbos abends schneller einschlafen als man „Gute Nacht“ sagen kann. Ich weiß, das soll man nicht. Man soll bezüglich der Kinder nichts über den grünen Klee loben, da es eine Art Eltern-Karma gibt, welches diese Vermessenheiten auffängt und einem postwendend die größten Krisen schickt, damit man wohl bloß nicht zu abgehoben wird in diesem Elternding. Möglicherweise dient das auch der natürlichen Geburtenkontrolle. Wir haben es trotzdem getan. Teils aus einer gewissen Naivität heraus, teils, weil wir bezüglich des Schlafens sonst nichts in der Hand hatten. 

Eltern lügen

Weder schliefen die Zwillbos auch nur annähernd durch oder sonderlich lange aus. Noch bescherten sie uns Mittagsruhen, die sich über rekordverdächtige, nicht enden wollende Stunden zogen, so wie wir es von anderen Eltern zuweilen hörten. [Wenn ich nicht daneben lag, schliefen sie nie länger als 30 bis 40 Minuten – was sich allerdings mittlerweile geändert hat.] Obschon ja in kaum einem Lebensbereich so viel erstunken und erlogen wird, wie in der Elternschaft – mal abgesehen von uns! Wir sind immer total authentisch und ehrlich.

Wer schläft, hat recht.

Jedenfalls verfolgten wir für längere Zeit am Abend eine Ein-Kind-Politik – jedes Elternteil brachte ein Kind ins Bett. Das heißt, nach der gemeinsamen Ansicht eines Bilderbuchs schnappte sich jeder einen Zwillbo, legt ihn ins Bett oder auf die große Matratze, auf der die Jungs mittags immer gemeinsam schlafen, legt sich daneben oder behält, wie ein meinem Fall, das Kind noch ein wenig im Arm, bequatscht die Ereignisse des Tages, summt ein Liedchen und Adieu. Das funktionierte sowohl im gemeinsamen als auch in getrennten Zimmern. 

Schlaftraining

Ja, auch ich habe davon gehört, dass es Kinder gibt, die man schon im Babyalter in irgendein entlegenes Stübchen legt, wohl zu ruhen wünscht und dann den Raum verlässt, ohne dass es Proteste gibt. Manche Eltern „trainieren“ so etwas ja auch mit ihren Kindern, was soll aus diesen schließlich mal werden, wenn sie nicht alleine einschlafen können?! Einigen mächtigen Politikern in dieser Welt hätte es meines Erachtens allerdings nicht geschadet, wenn man sie etwas liebevoller ins Bett gebracht hätte. Und vermutlich tendiert die Zahl der Erwachsenen, die nach nächtlichem Aufwachen auf die Umarmung und den Gesang ihrer Mutter angewiesen sind, obwohl sie kein Schlaftraining hatten, gegen null. Mir ist zumindest niemand bekannt, der dann nachts seine Eltern anruft. Außerdem mögen wir diesen gemeinsamen Tagesabschluss sehr. 

Irgendwann kam bei uns allerdings das Bedürfnis auf, einen Elternteil von der abendlichen Routine abzuziehen. Der könnte dann je nach Bedarf schon mal aufräumen, Essen vorbereiten, die Füße hochlegen oder die Flucht ergreifen. Die Zwillbos finden diese neue Praxis höchst spannend. Die ersten beiden Wochen waren wild. Da muss man doch alle 30 Sekunden noch mal über die Mutter/den Vater klettern, die/der zwischen den Kindern liegt, um zu gucken, ob der Bruder noch da ist. Sicher ist sicher. Dann hat man noch mal Durst. Wenn man selbst keinen hat, hat aber garantiert der Zwilling welchen und dann möchte man doch auch selbst gerne noch was trinken. Dann muss man noch mal kurz ein bisschen erzählen – am besten in einer Lautstärke, die den Bruder, der eben bereits wegdämmerte, zurück ins Hier und Jetzt holt. Dann kann der nämlich auch nochmal was erzählen. Und etwas trinken. Und sich noch 15 Mal rumdrehen.

Mehr Routine

Vom Hinlegen bis zum Einschlafen waren 45 Minuten anfangs oft keine Seltenheit. Und das obwohl wir die Kinder mittags immer genauso hinlegen: eins links, eins rechts, man selbst liegt in der Mitte und singt ein Schlafliedchen – wenige Minuten später schlafen sie so tief, dass es keine Schwierigkeit ist, ihnen Schlafsäcke anzuziehen, die zuvor verweigert wurden, ihnen die Nägel zu schneiden oder sie in ein anderes Bett umzulegen. Nicht so abends. Allerdings muss ich da ein wenig differenzieren. Es ist definitiv schon routinierter geworden. Der Mann ist grundsätzlich schneller aus dem Zimmer raus als ich. Seltenst überkommt die Zwillbos an einem Papa-Abend ein urplötzlicher unstillbarer Durst wie bei mir. Und an Papa muss man sich auch körperlich nicht so klammern wie an mich. Während der warmen Abende kann das schon mal ein wenig unangenehmer sein. Generell mag ich es aber schon, dass die Jungs dann noch mal ein wenig Nähe suchen – tagsüber haben sie schließlich meistens besseres zu tun. 

Ohne Körperkontakt? Ohne Mads.

Und so liege ich da jeden zweiten Abend zwischen zwei Wühlmäusen. Alle fünf Sekunden müssen sie ihre Liegepositionen wechseln – Kopf auf Mamas Bauch legen, auf den Rücken drehen, wieder runter krabbeln – bis sie denn irgendwann ihre endgültige Parkposition erreicht haben. Dann müssen sie noch ein bisschen singen und erzählen, und dann muss ich singen. Weil sie Motorräder zu einem der wichtigsten Fahrzeuge unter dieser Sonne erklärt haben, muss ich „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ singen, aber bitte nur diese eine Zeile in Endlosschleife, sonst gibt es sofort zweistimmigen Ärger. An manchen Abenden gewährt man mir gewissen Varianzen. Dann darf auch schon mal der Opa im Hühnerstall Motorrad fahren. Oder eines der Großelternteile muss in der Viehunterkunft Bagger fahren. Am Ende bin ich jetzt ganz froh, dass ich mir bislang nicht die Mühe gemacht habe, klassische Schlaflieder auswendig zu lernen. Meistens dauert es jetzt auch weniger als 30 Minuten bis sie eingeschlafen sind. Meistens.

Um eventuellen Fragen vorab zu begegnen: Nein, die Zwillbos schlafen nicht beide in ihren Betten oder in einem eigenen Zimmer. Pepe schläft meist in seinem Beistellbett, in das wir in später legen, kann aber jederzeit zu uns rüberkraxeln, Mads schläft am liebsten und besten mit Körperkontakt im großen Bett. Wenn es zu unruhig ist, trennen wir uns nachts und jeder schläft mit einem Kind in einem Zimmer, so bekommen alle am meisten Schlaf. Ich persönlich bin zum einen zu bequem, für jeden Mux nachts aufzustehen und mein Bett zu verlassen. Außerdem schlafe ich wesentlich schneller wieder ein, wenn ich einfach liegen bleiben und nur eine Wasserflasche oder einen Schnuller anreichen muss. 

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathi sagt:

    Hach ja. Kommt Zeit, kommt Schlaf. Die Große schläft seit kurz nach ihrem 4. Geburtstag durch und neuerdings (4,5 Jahre alt) einfach so ein, wenn ich nicht mehr da sitzen mag.
    Der Kleine… Ach breiten wir den Schlafsack des Schweigens drüber.

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    1. doppelkinder sagt:

      Nur noch zwei Jahre!!! 😂😂😂

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      1. Kathi sagt:

        That’s the spirit

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  2. kruemelina sagt:

    Eltern-Karma, ungeliebte Politiker und Schlaflieder – erkenne sehr vieles wieder in dem Text! 🙂 Nachdem ich es gerade auch wieder aus unserem Familienbett ins Wohnzimmer geschafft habe (wuhu!), tut dieser Erfahrungsbericht sehr gut. Aber Kinder brauchen nun mal unsere Nähe – und mal ehrlich: Das ist auch gut so!
    Grüße vom Krümel Blog

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    1. doppelkinder sagt:

      Da hast du sehr recht, und ich bin mehr als gerne bereit, ihnen diese Nähe zu geben ❤️❤️❤️

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