doppelkinder-Wunschkonzert|Wohin mit meiner Wut?

Als ich gestern auf meine Ideenliste geguckt habe, hat mich eigentlich kein Thema so richtig angesprungen. Meistens schleicht sich dennoch von alleine eine Inspiration ein. Doch dieses Mal dachte ich mir, ich mache mal etwas anderes. Ich frage mal meine Leser, welche Texte sie gebrauchen könnten. Ich bekam Antwort.

Doch warum daraus eine Eintagsfliege machen? Der Blog macht mich dann am zufriedensten, wenn mich Nachrichten von Menschen erreichen, die einer meiner Artikel oder Podcasts in irgendeiner Form weitergebracht hat. Ob ich Eltern durch ein paar Lacher den Tag oder einer Mama die Motivation weiter zu stillen rette – da ist alles dabei, und alles davon macht mich ziemlich froh. Vielleicht wisst ihr ja, meine Maxime lautet:

Bloggen ist keine Einbahnstraße.

Und deshalb starte ich die Reihe „Wunschkonzert“. Ihr könnt darin bestimmen, was ihr lesen möchtet. Hinterlasst mir eure Wünsche in den Kommentaren, schickt mir Nachrichten bei Facebook oder auf Instagram, sendet mir Emails und Brieftauben – was auch immer für euch am praktischsten ist. Ich bemühe mich, zu liefern.

Die Reihe geht mit einem Thema auf die Schiene, das eigentlich für alle Eltern früher oder später einmal existenziell ist: Was tun, wenn mich das Baby nachts zur Weißglut bringt!? Für all diejenigen, auf die das nicht zutrifft, weil sie von Stunde eins an und bis zum heutigen Tag friedlich ein- und durch- und ausschlafende Musterbabys hatten, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Lest mit und lernt Demut und Mitgefühl.

2. Zieht eurer ausgeschlafenen Wege, aber erzählt am besten niemandem von eurem Glück – vor allem nicht frischgewordenen Eltern mit Augenringen in Größe von Untertassen. Denn sie werden sich nicht nur nicht mit euch freuen können. Möglicherweise wird euch auch bereits während eures Berichts ganz unglücklich eine prall gefüllte Wickeltasche am Kopf treffen.

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Schlafentzug ist nicht grundlos eine ziemlich effektive Foltermethode. Müdigkeit macht mürbe und mürrisch. Nach Wochen voller vom Kindergebrüll zerschossener Nächte verliert man zusehends an Willensstärke, guter Laune, Impulskontrolle und Hautstraffheit. Ich kenne mich in allen Bereichen ziemlich gut damit aus. Doch wohin mit den eigenen Gefühlen, wenn die Brut mal wieder die Nacht zum Tag macht? Und: Gibt es vielleicht Wege, ein bisschen Ruhe ins Boot zu bringen?

In meiner Mama-Karriere gab es viele Nächte, in denen Tränen flossen. Auch bei mir. Weil ich mehr als einmal das Gefühl hatte, das alles nicht auch nur eine Sekunde länger durchzustehen. Weil ich Angst hatte, entweder an Übermüdung zu sterben oder den Kindern gegenüber vielleicht doch mal grober zu werden als es mein menschlicher und mütterlicher Ehrenkodex vorsieht. Vermutlich kommen jede Mutter und jeder Vater irgendwann in ihrem Dasein als solche mal an den Punkt, an dem sie durchaus nachvollziehen können, warum manche Eltern die Kontrolle verlieren.

Wut und Aggressionen sind natürlich

Wir verlieren sie vielleicht nicht, weil unser soziales Gefüge – vom Schlafmangel einmal abgesehen – relativ intakt ist, wir nicht in Schulden versinken oder uns andere zusätzliche Sorgen belasten. Doch auch wenn die meisten Eltern die Grenze niemals übertreten, so stehen sie dennoch irgendwann einmal an diesem Abgrund, der sich vor ihnen auftut. Heraus schlägt ein flammendes Inferno aus eigener Wut. Denn Mutter- oder Vaterliebe, Kindchenschema und Beschützerinstinkt hin oder her – Kinder attackieren [unbeabsichtigt] permanent unsere eigenen Grenzen. Je kleiner und auf uns angewiesener, desto permanenter. Wir sind dann einfach fremdbestimmt. Und müde. Und mürbe. Und das erzeugt nunmal an einem gewissen Punkt Wut und Aggression. Wenn diese Gefühle – bei allem rationalen Wissen – nicht in uns aufsteigen würden, würden wir nicht richtig ticken.

Doch was tun, wenn der eigene emotionale Ozean vom neuesten nächtlichen Sturmtief des Nachwuchses aufgewühlt wird? Da gibt es ja verschiedene Intensitäten. Ich für meinen Teil habe die Erfahrung gemacht, dass es mir definitiv schon mal hilft mir zu gestatten, dass ich das Mamasein auch mal ziemlich scheiße finden darf. Ich muss nicht dauerhaft voller Freude und Hingabe sein, und ich darf eigene Frustrationsgefühle empfinden und äußern. Letzteres am besten immer so unmittelbar wie möglich, denn alles was sich emotional anstaut, verdoppelt und -dreifacht sich heimlich, still und leise, so dass wir eines Tages oder Nachts vielleicht ganz schön in die Luft gehen.

Hab schläft nur auf Mama
Mama hat keinen Bock mehr.

Insbesondere als die Zwillbos Babys waren, habe ich mehr als einmal nachts vor dem Mann gestanden und ihm ein brüllendes Bündel in den Arm gedrückt. Weil ich nicht mehr konnte. Weil ich am Ende war. Kinder macht man nicht alleine und bestenfalls zieht man sie nicht alleine groß. Wann immer wir konnten, haben wir uns abgewechselt, uns gegenseitig unterstützt und entlastet. Wir hatten kaum familiäre Hilfe, also hatte der Mann länger Elternzeit.

Doch auch als die Zwillinge bereits ihren ersten Geburtstag gefeiert hatten und der Mann wieder arbeiten musste, war er nachts nicht raus aus der Nummer. Unser Leben erleichtert es enorm, dass wir unser Schlafzimmer immer noch mit den Kindern teilen. Ja, auch noch nach fast zweieinhalb Jahren. Denn erst allmählich schlafen sie ruhiger und werden weniger oft wach. Und wenn ich bei jedem schlechten Traum, jedem Wunsch nach einem Schluck Wasser, jedem Floh, der so einem Kleinkind nachts ins Ohr husten kann, aufstehen, mein warmes Bett verlassen und durch die Wohnung pilgern müsste, würde ich gar nicht mehr einschlafen. Weil mein Kreislauf dann ratzfatz einen Kickstart hinlegen und wieder auf Hochtouren laufen würde. Wir haben dazu schlichtweg keine Lust.

Ein Credo, das aufrecht hält

Eines der Kinder möchte sowieso im Laufe der Nacht unsere luxuriösen 180 Zentimeter Liegefläche schmälern, meistens aber beide. Also schlafen sie direkt bei uns, in ihren Beistellbetten. Wenn sie die als Babys schon nicht benutzt haben, so dann wenigstens jetzt. Wir alle fühlen uns wohl dabei. Auf diesem Weg bekommen wir gerade die größtmögliche Schlafmenge und meine Ärztin sagt immer, „Wer schläft hat Recht!“. Dieser Satz ist irgendwie über all die Monate und Jahre nächtlicher Beklopptheit unser Credo geworden.

Streckenweise haben wir über Monate getrennt geschlafen – jeder mit einem Kind in einem Bett beziehungsweise Zimmer. Ich muss dazu sagen, dass ich aber auch sehr früh meinen Frieden damit gemacht habe, mein Nachtlager mit den Jungs zu teilen. Offenbar brauchten sie uns ziemlich doll, um einigermaßen schlafen zu können. Denn dass heutzutage keine Säbelzahntiger mehr vor der urbanen Menschenhöhle lauern, hat die Genetik unserer kleinen Steinzeitmenschen noch nicht abgespeichert. Früher warst du verloren, wenn dich nachts keiner mit in seine Höhle genommen hat, als Säugling sowieso, aber auch noch im Alter von zwei Jahren.

Kinder im Steinzeitmodus

Manche Kinder sind eben noch ein bißchen mehr im Säbelzahnmodus als andere. Das ist möglicherweise unbequem für uns Eltern, aber das zu wissen und zu akzeptieren hat mir immer ungemein geholfen. Ich habe irgendwann begriffen, dass unsere Kinder einen Nähe-Tank integriert haben, der immer gut befüllt sein möchte. Also habe ich Nähe gegeben, wann immer sie benötigt wurde, und ich tue es noch. Auch zum Einschlafen und nachts. Doch hat sich der Verbrauch längst reguliert, und manchmal bin ich fast ein wenig wehmütig, dass hier nicht mehr so viel gekuschelt wird.

Ich habe versucht, es stets so gut es geht zu genießen und als Privileg zu betrachten, dass es da zwei kleine Menschen gibt, die auch abends und nachts gerne in meinem Arm oder auf meinem Bauch liegen. Klar – zuweilen hat es mich ganz schön frustriert, wenn ich Abende lang nicht aus dem Schlafzimmer herausgekommen bin. Aber es hilft ja nichts, das ändert die Situation auch nicht.

Zwillinge schlafen gleichzeitig
Ja, wo schlafen sie denn? Auf Mama. Wo sonst?!

Radikale Akzeptanz des Ganzen kann uns aber immerhin innerlich den Hintern retten. Genauso wie das Wissen, dass dieser Zustand nicht ewig anhalten wird. Es wird vorbeigehen, mit 16 schlafen wohl nur noch die allerwenigsten Nachkommen im Bett ihrer Eltern.

Auch in hässlichen Schlaf- oder Nicht-Schlaf-Phasen haben der Mann und ich uns nach Möglichkeit abgelöst. Denn zum Glück hat in der Regel nur ein Kind gezaubert. Ihr müsst aber nicht glauben, dass das hier immer alles harmonisch von Statten ging. Ich erinnere mich an eine Nacht, in der ich so wütend, müde und frustriert war, dass ich irgendwann die Trinkflasche mit dem Wasser durch die ganze Küche geschmettert habe. Ich finde sowas okay. Ich werfe lieber Flaschen anstatt Kinder.

Druck ablassen

Fakt ist, Wut muss raus. Das zeigen uns unsere Kinder ja immer ziemlich deutlich. Bestenfalls tun wir das aber etwas regulierter. Ich habe hier auch schon viel in Kissen gebissen, gebrüllt und geboxt – wohlwissend, dass es jetzt existenziell ist, Druck abzulassen. Ich habe in den Armen des Zwillingsvaters gelegen und geheult und gejammert und geklagt. Denn das hilft auch. Gefühle zulassen und rauslassen. Außerdem schweißt es zusammen. Und besser als Eltern sind zusammengeschweißte Eltern.

Mir hilft es auch immer, mich mit anderen Betroffenen…ähm…Eltern auszutauschen und zu wissen, dass es nicht nur mir so geht. Das nimmt ganz viel Druck und Frust, wie ich finde. Wenn du keine adäquaten coolen Mamas in deinem Umfeld hast, sucht dir welche bei Facebook oder Instagram, geteiltes Leid ist echt halbes Leid – auch wenn man es per Whatsapp teilt!

Insbesondere im zweiten Lebensjahr der Zwillbos, als das sagenumwobene Schreckgespenst namens Autonomiephase bei uns Einzug hielt und die Kinder gerne auch mal rund um die Uhr zu bocken begannen, musste ich irgendwann einsehen, dass ich ohne regelmäßigen Ausgleich nicht funktioniere. Vielen mag es schon zu den Ohren herauskommen, aber ohne meine tägliche Yoga- und Meditationsdosis könnte ich den Mama-Job nicht machen. Zumindest nicht, ohne dass irgendwann mein Nervenkostüm dauerhaft in Fetzen an mir herunter hängen würde.

Rettungsinseln

Aber es muss ja vielleicht nicht unbedingt das sein. Manche Mädels nähen, stricken, musizieren oder pilatissen sich runter. Egal wie, findet eure Kraft- und Entspannungsinseln, sonst verliert ihr früher oder später den Verstand. Und die Nerven. Nach zweieinhalb Jahren im Mama-Business weiß ich außerdem, dass ich sehr viel weniger Schlaf zum Überleben brauche als angenommen. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich das immer gut anfühlt.

Die Plattitüde „Schlafen, wenn das Baby schläft“ hatte hier sehr lange Hausverbot. Denn entweder haben uns nicht beide Babys gleichzeitig mit einem Schläfchen beehrt oder sie haben dermaßen kurz gepowernappt, dass ich nicht in der Lage war, so schnell runter zu fahren und ebenfalls einzuschlafen. Außerdem musste ich meistens einen Kinderwagen schieben, um beide gleichzeitig ins Traumland zu befördern. Stillstand bedeutete wache Babys, und beim Laufen schläft es sich als Mutter ausgesprochen schlecht – obschon ich manchmal echt müde genug gewesen wäre.

Baby schläft nur im Kinderwagen
Schieben, wenn das Baby schläft.

Irgendwann ging es aber dann. Ich konnte schlafen, wenn die Ex-Babys schliefen. Denn um den ersten Geburtstag herum konnten wir hier so etwas wie einen Mittagsschlaf etablieren. Damit der gelingen konnte, musste ich mich monatelang sowieso zwischen die beiden Jungs legen. Also habe ich auch öfter mal die Augen zugemacht und gemerkt, dass ein 15-minütiges Nickerchen am Mittag erstaunlich viel rausreißen kann.

Das Wissen, dass mich ein Mittagsschläfchen retten kann, hat mir in so mancher Nacht geholfen, nicht auszuflippen. Klar, das geht natürlich nur, wenn man am nächsten Tag nicht ins Büro muss, beziehungsweise so wie ich von zuhause aus arbeiten kann. Obschon ich bislang eigentlich noch nie ein Schläfchen gehalten habe, während die Jungs bei der Tagesmutter waren. Irgendwie wollten mir bei den wenigen Versuchen, die ich gestartet habe, nie die Augen zufallen.

Unterstützung suchen

Auch wenn es einem in Nächten mit tobenden Kindern keine Soforthilfe leistet, aber vergesst nie, wie wichtig es ist, sich als Mama einen Ausgleich zu verschaffen. Holt euch Unterstützung, lasst die Wäscheberge so unbezwungen wie möglich und sorgt dafür, dass die eigenen Akkus halbwegs aufgetankt sind. Findet dafür heraus, was euch guttut. Denn das hilft langfristig dabei, gelassener zu bleiben. Auch in Nächten, die der Nachwuchs zum Tag macht.

Was kann also helfen, in Zeiten des fiesen Schlafmangels einigermaßen gelassen zu bleiben? Du brauchst radikale Akzeptanz der Situation, die du sowieso nicht sofort grundlegend ändern kannst. Sag dir, dass es vorbei geht. Immer wieder. Du brauchst ein beißfestes Kissen und bei kleinen Babys einen Gymnastikball. Auf den kannst du dich dann nämlich mit Kind im Arm setzen und wippen. Dann sparst du dir ein paar Kilometer, die du sonst nachts durch die Wohnung tigerst. Spann dabei den Beckenboden an, dann ist auch deine Rückbildungskursleiterin glücklich.

Yogamatte Turnen Kleinkinder Toben zuhause Chaos in der Wohnung
Die innere Mitte finden, während der Nachwuchs die Wohnung umgestaltet.

Ebenfalls hilfreich: Familienbetten, große Matratzenlager im Kinderzimmer und Hörbücher auf dem Handy, damit es dich nicht so nervt, da rumliegen zu müssen. Was mich immer weit nach vorne bringt: das Wissen darüber, was in Kindern im entsprechenden Alter gerade vor sich geht. Hilfreiche Literatur verlinke ich unten.

Die Zwillbos sind mittlerweile fast zweieinhalb. Oft können wir jetzt auch schon ganz gut erfragen, was eigentlich gerade los ist. Und wenn mir das Treiben mal zu bunt wird, wenn mir 13,2 Kilogramm Kind oder mehr die Luft abdrücken, dann sage ich das auch. Freundlich und bestimmt: „Ich nehme dich gern in den Arm, aber AUF Mama schlafen geht leider nicht, das tut mir weh.“

Kleinkinder sind verständiger als wir oft annehmen. Sprich über dich, darüber wie es dir gerade geht und dass du genervt und ungeduldig bist. Tu das in Form von Ich-Botschaften. „Ich bin genervt und müde“ anstatt „du nervst mich“ und so weiter. So lernen sie gleichzeitig, dass andere Menschen Grenzen haben und wie man seine Gefühle äußern kann.

Und am Ende bleibt mir nur noch übrig dir zu sagen, dass es besser wird. Versprochen!

 

Buchtipps:

Hetty van de Rijt, Oje, ich wachse (bis 14 Monate)*

Hetty van de Rijt, Oje, ich wachse (bis 20 Monate)*

Herbert Renz-Polster, Menschenkinder*

Elizabeth Pantley, Schlafen statt schreien*

Remo H. Largo, Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren*

Danielle Seide/Katja Graf, Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: der entspannte Weg durch Trotzphasen*

Wunschkind-Blog: Alle Artikel zum Thema „Schlafen“

*Links des Amazon-Partnerprogramms

14 Comments

  1. Meine Liebe, vielen vielen Dank! Ich habe gerade Tränen in den Augen, weil mir das alles so bekannt vorkommt, ich mich von dir verstanden fühle und ich gerade verdammt müde bin! Danke!!!

  2. Liebe Juli, auch ich hatte Tränen in den Augen!!! Ich habe das Gefühl, das hätte auch ich schreiben können! Ich bekomme da echt Gänsehaut.
    Vielen vielen Dank für den wirklich tollen Beitrag von dir!!!

  3. Ich habe auch mit Vorliebe nachts in mein Kissen geboxt und DANN das heulende Bündel auf den Arm genommen … fand ich auch sinnvoller als eines der Kinder durch den Raum zu werfen. Manchmal habe ich mit dem Boxen den schlafenden Mann neben mir erschreckt, aber auch der fand es im Grunde sinnvoll, dass ich meine Wut am Kissen auslasse. Auch wir haben uns (sofern es der Job zugelassen hat) so oft wie möglich abgewechselt um nicht völlig an die Wahnsinnsgrenze zu gelangen. Unsere Zwillinge sind mit ca 1 Jahr ins eigene Doppelbett ins Kinderzimmer ausgezogen (aus Platzgründen) die erste Zeit war mit deutlich weniger Schlaf für die großen im Haus verbunden, aber es wurde dann immer besser. Mittlerweile (2 1/2) schlafen sie oft durch und wenn nicht, finden sie langsam aber sicher selber den Weg in unser Bett, nun kann ich mich sogar schon freuen, wenn so ein kleines Menschlein kuscheln kommen möchte. Wie also fast alles im Leben mit Kleinkindern: Ich kann mich nur anschließen: Es wird wirklich besser!

    1. Danke, es tut mir total gut zu lesen, dass du das genauso empfindest. Mich machen diese Unkenrufe wie „kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder große Sorgen“ echt wahnsinnig!!!!!! Schön zu wissen, das wir (Zwillings-)Mamas nicht allein sind!

  4. Geht es dir auch so, dass du erst rückblickend merkst, was da eigentlich los war? Ich kann vieles erst jetzt formulieren und verstehen. Ich hab so viel geflucht und geweint. Mich vor mir selbst erschrocken, weil ich nicht mehr trösten, füttern, beruhigen oder tragen wollte. Immer weiter gemacht bis zur völligen Erschöpfung. Mich gefragt, warum ausgerechnet ich zwei dieser Wesen gleichzeitig versorgen muss. Ja, zum Glück nicht alleinerziehend und mit starkem, verständnisvollem Partner an der Seite. Aber so viele chaotische Gefühle, vor allem die Wut, die ich bisher nicht kannte… Ich war komplett überfordert und das hat mir oft die Sinne getrübt für das Schöne. Das tut mir heute weh… aber es war eben so. Ich bin dankbar und glücklich, dass es wirklich so ist, dass diese schlaflose Zeit vorübergeht (während der Infekte mal ausgenommen) und es hat mir immer geholfen, zu hören oder zu lesen, dass andere Ähnliches erleben. Deshalb heute mal dieses außergewöhnlich lange Kommentar von mir, um quasi nochmal deine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen (😉) und für andere übermüdete Mamas noch eine mehr zu sein, die das kennt und versteht. (Ich hab nämlich hierzu teilweise imaginäre Strichlisten geführt. 😂)

    1. Hallo liebe Janina, mir geht es vor allem mit meiner Schwangerschaft so. Die fand ich streckenweise so ätzend – damit hatte ich nicht gerechnet. Aber eben weil es mir so ging, war ich währenddessen bei einer tollen psychosomatischen Ärztin in Behandlung, die mich schon gut darauf vorbereitet hat, wie hart und emotional das Elternsein werden wird. Aber trotzdem war ich oft traurig, weil ich dachte, dass ich vielleicht mehr hätte genießen können, wenn ich nur ein Baby gehabt hätte – ohne mir eins wegzuwünschen, ich denke, du weißt, was ich meine. Und irgendwie habe ich dann doch Vieles vergessen und losgelassen. Vielleicht genieße ich dafür jetzt umso mehr. Ich bin dir total dankbar, dass du hier so offen darüber schreibst, denn man liest viel zu selten so aufrichtige Worte wie deine über eine Zeit, die wohl die meisten Eltern so empfinden wie wir, allein das Tabu darüber offen zu sprechen verbietet anscheinend, dazu zu stehen. Uns wird halt immer vorgemacht, Babys zu haben sei einzig und allein eine große Freude und zuckersüß. Isses aber nicht! Ganz liebe Grüße!!!

  5. Oh yes! Sehr gut getroffen! Ich werde wahrscheinlich mal zehn Jahre jünger aussehen wenn ich wieder durchschlafen kann 😁. Und es stimmt, je besser man selbst (psychisch und physisch) aufgestellt ist umso besser steckt man solche Phasen weg. Ich hab gestern zum ersten Geburtstag von Kind 3 mittags Essen bestellt und abends ein Sektchen getrunken. Weil ich mich für dieses echt heftige Jahr gefeiert hab 😂. Dementsprechend gut aufgeladen war ich heute und hab drei Stunden Kinderarzt mit zwei Kindern inklusive Impfung wunderbar überstanden… VG Edith

    1. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag von Nr. 3!!! Ich glaub, mich hat keine der Partynächte aus meiner Vorkinderzeit so altern lassen wie die dauernden Schlafunterbrechungen der letzen Jahre 😂. Ich fürchte allerdings, ich habe ein Alter, in dem die Falten einfach mal beschlossen haben zu bleiben. Liebe Grüße und ein Hoch auf uns!

  6. Danke für diesen tollen Text!
    Unsere Zwillinge sind auch 2,5 und es war bei uns haargenau wie bei euch, in allen Punkten!
    Und ganz unbemerkt wurde es plötzlich besser, ich kann gar nicht mehr genau sagen wann.
    Jetzt schlafen sie manchmal sogar beide (!) Durch. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch und genieße das kuscheln, aber ich werde nie vergessen was für ein Zombie ich in den ersten 1,5 Jahren war.

  7. Hi! Ja, ich kenne das mit der Wut. Habe hier Zwillingsdamen (13 Monate) und die große Schwester (2 1/4 Jahre). Meine Bilanz derzeit: 2 kaputtgetretene Wäschekörbe, eine zerstampfte Sonnenbrille, ein lädierter Puppenwagen (und mein geprellter Fuß). Habe auch mehrmals ‚Arschlochbaby‘ und Ähnliches gebrüllt. Aber irgendwie muss man die Wut ja ablassen, damit man den Kleinen nichts antut – ja, kann auch verstehen, wie das passiert, wenn man kein so günstiges Umfeld hat wie ich (super Mann, hilfsbereite Omas).
    Und wir schlafen auch alle zusammen, also zu fünft. Ich war immer gegen das Familienbett (brauche Ruhe und Platz zum Schlafen, drehe mich viel – eigentlich). War also eine Notlösung, und ich bin begeistert. Aufstehen muss ich praktisch nicht mehr (außer ein ganz gemeiner Zahn tut weh), einschlafen funktioniert super, und ich finde meine Kinder jetzt sooo kuschelig – wenn man nachts dauernd aufstehen muss, weil sie schreien, sieht man sie ja eher als brüllende Schlafräuber… jetzt liege ich zwischen zwei kleinen Teddybären, die manchmal ein bisschen Mamaliebe brauchen. Viiiiel besser!
    Und ja, ich versuche, meine Wutanfälle nicht neben den Kindern zu haben, und beschimpft werden sie auch nicht mehr, seit sie mich verstehen können. Kann allerdings passieren, dass ich mal hysterisch ‚Jetzt haltet sofort alle den Mund‘ brülle. Macht die Situation natürlich nie besser, aber wenigstens kann ich ein bisschen Dampf ablassen.
    Und ja, es wird insgesamt immer leichter. Von ‚leicht‘ sind wir allerdings noch weit entfernt… Liebe Grüße aus Österreich!

    1. Hey Christina, ich DANKE dir für deine offenen Worte, ich bin mir sicher, dass sie ganz vielen Müttern, die sie lesen werden, wahnsinnig viel Mut machen und ihnen das Gefühl geben werden, mit all diesen gegensätzlichen Gefühlen nicht allein zu sein! Ich konnte kinderlos auch nie nachvollziehen, wie man den Nachwuchs so lange mit im Schlafzimmer schlafen lassen kann – jetzt schlafe ich schlecht, wenn ich mal alleine irgendwo auswärts übernachte! :-D Ganz liebe Grüße!!!

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