Osterschmuck: Deko-Queen auf dem zweiten Bildungsweg

Ich bin in puncto Dekoration ein eher…sagen wir mal…zurückhaltender Typ. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die stets anlass- und jahreszeitenorientierte Streudeko in der Schublade liegen haben. Gläser mit Sand, Muscheln und Kerzen sucht man bei mir vergebens und bei stärkeren Geschossen wie farblich oszillierenden Zimmerspringbrunnen bin ich komplett raus. Selbst wenn ich damit Gefahr laufe, den Feng-shui-Energiefluss in unserer Wohnung ein für alle mal komplett zu ruinieren, so etwas kommt mir nicht ins Haus.

Ich mag es gerne klar und schnörkellos. Lieber zu wenig als zu viel und lieber ein lebensbejahendes Steingrau bei der Einrichtung als ein flottes Pink. Ich hab mich diesbezüglich während meines WG-Lebens komplett ausgetobt. Da gab es zeitweilig eine schweinchenrosafarbene Küche mit Schränken im Leoparden-Design. Man wusste nicht genau, ob man in einer zwielichtigen, anstößigen Spelunke oder bei Menschen mit extremer optischer Angstfreiheit untergekommen war. Aber wir fanden das damals unglaublich gut und verwegen.

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 Zeiten ändern sich, und ich sitze heute auch lieber mit einem gekühlten Sauvignon oder einer Tasse Tee auf dem Sofa, anstatt mit einer Flasche Lambrusco um die Häuser zu ziehen. Bevor die Zwillinge hier eingezogen sind, fand ich es unglaublich avantgardistisch, irgendwo eine abstrakt bemalte Leinwand oder ein paar alte Fenster an die Wand zu lehnen. Hier und da stand mal ein Einmach- oder Würstchenglas mit Blumen herum, das wars. Die Blumen müssen im Übrigen nach wie vor sehr dezente Farben haben. Gelb, Orange, Rot, ein kräftiges Lila – das schaffe ich leider nicht.

Zum Zeitpunkt der zwillboschen Mobilmachung verschwanden auch die wenigen eigenwilligen Dekorationselemente aus unserer Behausung. Denn ein altes lässig an die Wand gelehntes Gitter kann für krabbelnde Babys schnell zur Todesfalle werden. Oder immerhin zu einer stattlichen Unfallquelle.

Schwarz-weiß. Mag ich.

Halten wir fest: Ich mag es eher weiß, grau, schwarz als bunt und gegen freie Flächen und Wände habe ich auch nichts einzuwenden. Ich stelle mir lieber einen alten Ast aus dem Wald als eine Lavalampe in die Zimmerecke und bevor in unserer Wohnung Wandsticker mit pfiffigen Sprüchen auftauchen, tauche ich lieber ab, entschuldigt bitte. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Doch seit einigen Monaten ereignet sich in meinem Inneren UND in unserer Wohnung Beängstigendes. Bereits an Weihnachten beobachtete ich meine Metamorphose vom einstigen Grinch zur Butterbrottütenstern- und Schmück-Beauftragten. Und warum? Weil hier zwei kleine Menschen leben, denen Deko Spaß macht. Wir gehen gemeinsam durch die Welt und anhand von bunten Kugeln, Eiern oder sonstigen Elementen registrieren sie: Aha, es gibt etwas zu feiern. Und: Aha, es gibt offenbar Brauchtümer und festliche wie jahreszeitliche Gepflogenheiten.

Kinder sind konservativ

Kinder sind – neben der Wildheit ihrer Seelen – ja auch gerne mal kleine CDU-Wähler. Sie mögen es konservativ und traditionell. Sie LIEBEN Brauchtümer – zumindest die Zwillbos. Ist ja irgendwie auch total verständlich. In dem unübersichtlichen, abstrakten und kaum greifbaren Konzept von Zeit helfen sie – insbesondere kleinen Menschen – sich im Jahr zu orientieren. Was ist wann dran?

Feste und Rituale sind wichtig. Für alle Menschen. Und wie schon in der Weihnachtszeit merke ich gerade, dass meine strikten Vorstellungen und Regeln bezüglich solcher Dinge aufweichen. Von innen heraus. Denn da sitzt mein Herz und einen fundamentalen Platz in dessen Kommandobrücke haben die Zwillinge eingenommen. Ich sehe ja, dass sie anderswo bunte Eier, Häschendeko und Fensterbilder mit großen Augen bestaunen.

Osterdeko. Dezent.

Ich denke, es hat was mit diesem Ding namens Liebe zu tun, dass man mich kürzlich mit hochgestelltem Kragen und Sonnenbrille dabei beobachten konnte, wie ich im Drogeriemarkt farbig bemalte Holzeier erstand. Pastellfarbig – wohl bemerkt! Und kleine Holzhäschen. Ich ließ das Zeug nach dem Bezahlen wie Hehlerware in meiner Tasche verschwinden und informierte umgehend eine Freundin über meine neueste freiwillige Grenzüberschreitung. Wie bei den anonymen Dekorateuren gestanden wir uns mit gepresster Stimme den Erwerb von Ostergras, Eierfarben und Kükenaufklebern. Hallo, mein Name ist Juli und ich schmücke jetzt. Und ich beobachte mich dabei selbst mit einem Grinsen. Denn Kinder verändern die Welt. Unsere Kinder verändern meine Welt.

Wenn ich sehe, wie sie Frühlingszweige mit Holzeiern behängen und sie dabei überglücklich sind, tanzt mein Herz. Wie schon im Winter mag ich es gerade sehr, den Frühling und das Osterfest noch einmal ganz neu mit Zwillbo-Augen zu betrachten, die neue Jahreszeit zu erleben und zu begrüßen. Wenn sie Deko mögen, dann sei es drum – ich fand sie als Kind auch toll. Aber ausgestanzte Streudeko und Window-Colour kommen mir wirklich nicht ins Haus! Wirklich!!!

Und wenn mich jemand wegen der Pastell-Eier schräg anguckt, kann ich jeder Zeit mit absoluter Glaubwürtdigkeit behaupen: Das war ich nicht, das waren die Kinder! …die machen sowas nämlich mit einem!

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