Ein Brief, der hoffentlich die Geburtshilfe verändert

In der Schwangerschaft und insbesondere nach der Geburt der Zwillinge war eine Frau für den Mann und mich von fundamentaler Bedeutung: unsere Hebamme! Ich kann gar nicht oft genug davon erzählen und darüber schreiben, wie wichtig es war, dass Frau Heb uns all die Monate begleitet hat. Vermutlich hätte ich ohne sie deutlich mehr Nervenzusammenbrüche erlebt als ohnehin schon. Den ersten Hilferuf haben wir übrigens mehr oder weniger direkt nach unserer Ankunft zuhause abgesetzt, aber das ist eine andere Geschichte.

Logo ein Weltrekord für Hebammen

Schon vor drei Jahren waren die beruflichen Bedingungen für Hebammen so bescheiden, dass man eigentlich nur noch von einer Katastrophe für die Geburtshilfe sprechen kann. Und das in einem Berufsfeld, dass Grundsteine fürs Familienleben legt. Denn alle Eltern wissen: Sind die Erstgeborenen erstmal aus dem Bauch – steht die Welt Kopf. Und für alle weiteren Kinder gilt das vermutlich auch. Allerdings fehlen mir da bislang die Erfahrungswerte.

Vor, während und nach der Geburt brauchen Familien jede Unterstützung, die sie bekommen können. Hebammen spielen darin seit Jahrhunderten eine zentrale Rolle.

Unmögliche Arbeitsbedingungen

Allerdings ist die Gesetzeslage auf einem „guten“ Weg, einer Geburtshilfe, die Familien tatsächlich umfassend begleitet und unterstützt, den Todesstoß zu versetzen. Schier unbezahlbare Versicherungen machen es freiberuflichen Hebammen immer weniger möglich, Frauen zur Seite zu stehen. Die hohe Arbeitsbelastung in Kliniken lässt Kreißsäle zudem immer mehr zu Durchgangszimmern werden.

Was jeder von uns dagegen tun kann? Den Mund aufzumachen ist schon mal gut. In diesem besonderen Fall ist es aber noch wichtiger, zu Stift und Papier zu greifen und mit einem Brief den Weltrekord für Hebammen zu unterstützen. Den haben meine Blogger-Kollegen Mira und Deva, die Veranstalter der WestFam-Konferenz, ins Leben gerufen. Ob anonym, öffentlich, gemalt oder geschrieben: Bau mit am längsten Brief der Welt für die Geburtshilfe.

Wie kannst du mitmachen?

Schicke einen handschriftlich verfassten oder gestalteten Brief auf A4-Papier – gerne mehrere Seiten, man kann ja groß schreiben, bis zum 31. August an:

Familymag-Media
Bartholomäusstr. 51a
48231 Warendorf-Einen

Vermerke in deinem Brief, ob der Inhalt veröffentlicht werden darf.

Was muss drinstehen?

Der Brief sollte eine Anrede und einen Bezug zu den Themen Geburt, Hebammen, Geburtshilfe, Eltern werden oder Ähnliches
haben. Schreib im Zweifelsfall einfach, dass du die Aktion unterstützt und lass deine Kinder Bilder malen.

Die Briefe werden von den Veranstaltern nur mit deiner schriftlichen Erlaubnis veröffentlich – und das ausschließlich anonym.

Alle Details zu der Aktion findet ihr noch einmal hier aufgelistet. ICH BIN DANKBAR FÜR JEDEN, DER MITMACHT!!!

Möchtet ihr wissen, was ich geschrieben habe?

Liebe Hebammen – und insbesondere liebe Frau Heb, du meine Hebammen! Ich liebte unsere Hebamme, noch bevor sie die meinige wurde. Ich kannte sie bereits. Erlebte, wie sie Freundinnen zum zweiten und dritten Mal zu Müttern machte. Ich sah, wie sie Frauen und Babys an die Hand und auf den Arm nahm, um mit ihnen die ersten steinigen Meter ins neue Leben zu gehen. Ich hörte sie Vätern Mut zusprechen und sah wie sie ihnen auf die Schultern klopfte. Ich liebte meine Hebamme und ich tue es noch. Sie ist mit mir und meinem Mann durch die Schwangerschaft gegangen. Sie hat uns niemals daran zweifeln lassen, dass wir großartige Zwillingseltern werden, dass man Mehrlinge stillen kann und dass mein Körper Wunder vollbringen wird. Sie war lustig, wenn meine Stirnfalte zu tief wurde, streng, wenn meine Gedanken zu sehr in falsche Richtungen galoppierten. Sie war die Erste, die meine Kinder spürte und ihren Herzschlag für uns hörbar machte. Sie war unser Airbag, unser Anti-Blockier-System, unser Antriebsverstärker, und sie war vor allem eins: nach ihren Möglichkeiten immer für uns da. Mehr als es selbstverständlich ist und mehr als es ihre beruflichen Bedingungen eigentlich zulassen. Unsere Hebamme war für uns unbezahlbar, denn das, was sie für uns vier bedeutet hat, ist in Gold nicht aufzuwiegen. Ich kann nicht begreifen, warum Frauen, die diesen unfassbar wichtigen Beruf ausüben, so viele Steine in den Weg gelegt werden. Steine, die schon viel zu viele von ihnen zu Fall gebracht und in die Knie gezwungen haben. Ich wünsche jeder Schwangeren die Möglichkeiten, die ich durch meine Hebamme hatte, und in mir brennt der Wunsch, dass auch die Politik begreift, wie bedeutungsvoll dieser Beruf für Familien ist. Liebe Frau Heb, auch nach drei Jahren bin ich immer noch voller Dank für jeden einzelnen Tag mit dir! Deine, eure Juli

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