Zwillinge vs. Einzelkind – was ich ohne Doppelpack vermissen würde

Wie wäre mein Leben mit nur einem Kind? Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mir diese Frage nicht schon gestellt hätte. Beziehungsweise immer mal zwischendurch in den wenigen ruhigen Momenten, wenn ich mal dazu komme, dann stelle ich sie mir. Wenn ein Zwilling vielleicht mal etwas länger schläft und ich mit nur einem Kind in der Küche am Frühstückstisch sitze. Oder wenn Einer früher aus dem Mittagsschlaf erwacht als der Andere.

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Dann habe ich einen kurzen Moment Einblick in etwas, das mich erahnen lässt, wie ein Leben mit nur einem Kind wäre. Es ist nur wie ein leichter Luftzug, der durch meine Vorstellungswelt streicht und im nächsten Augenblick schon wieder vorüber ist, weil dann mein zweites Kind auftaucht und ich mir innerlich Schulter zuckend sage, dass es aber eben anders und so richtig ist.

Mama und Zwilling allein unterwegs

Hin und wieder versuchen der Mann und ich auch, den Zwillingen Exklusivzeiten mit uns einzuräumen. Dann zieht jeder am Wochenende vormittags für ein paar Stunden mit nur einem Kind los und am Nachmittag wird gewechselt. Wir lieben das alle sehr. Selten befindet sich mein Puls im Alltag in einem solch‘ meditativen Zustand wie an Einzeldate-Tagen. Gleichwohl mein Bewusstsein sich ja nicht komplett betrügen lässt und mir schon immer irgendwie sehr gegenwärtig ist, dass es da noch ein Kind gibt.

Vielleicht wird mir das in der Abwesenheit des einen Zwillings auch noch bewusster. Ich bin eine Doppelmama. Das wird nicht nur Zwillingsmüttern so gehen. Im Prinzip kann ich immer nur mit der Phantasie spielen, wenn ich mir vorstelle, wie es mit nur einem Kind gewesen wäre. Vielleicht hätte ich zu Babyzeiten mehr im Café gesessen.

Einfacher stillen

Es wäre einfacher und weniger nackte Tatsachen entblößend gewesen, in der Öffentlichkeit zu stillen [denn bei zwei gleichzeitig gestillten Kindern bleibt technisch nicht viel Raum für Oberbekleidung]. Möglicherweise hätte ich mehr Schlaf bekommen und Spaziergänge allein mit dem Kinderwagen hätten mich nicht so gestresst, weil ich gewusst hätte, dass ich das eine Baby bei Geschrei ganz entspannt in die Trage hätte stecken können. Ich steckte meistens ein Baby in eine Trage. Und musste zeitgleich bangen, dass sich das andere ruhig verhält.

Es gibt zahllose Aspekte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit insbesondere in den ersten anderthalb bis zwei Jahren mit nur einem Baby oder Kleinkind einfacher gewesen wären. Dennoch waren die Zwillbos nie ohne einander vorstellbar.

Zwillinge: Herausforderung für sich

Und wenn ich nun darüber nachdenke, was ich wohl am meisten vermissen würde, wenn sie nicht gemeinsam sondern vielleicht nacheinander zur Welt gekommen wären, so fällt mir auf Anhieb vor allem Eines ein: Ihr Miteinander hätte mir gefehlt. Sie miteinander zu erleben. Ihre Interaktion schon im Bauch zu spüren. Sie selbst an der Herausforderung wachsen zu sehen, die für Zwillinge darin liegt, dass da immer noch ein anderes Kind im selben Entwicklungsstadium ist.

Team Doppelkind.

Ich erlebe die Jungs als ziemlich sozialkompetent. Wenn die Gefühle nicht gerade mit ihnen durchgehen, erlebe ich zwei fast Dreijährige, die Absprachen über Spielsachen miteinander treffen – denn wir haben längst nicht alles doppelt. Sie engagieren sich miteinander, treffen Kompromisse, teilen, denken sich Spiele aus.

Sie machen das prima für ihr Alter. Natürlich, sie lernen das wahrscheinlich zu Großen Teilen von uns. Aber sie müssen es erheblich früher lernen als andere Kinder, die in der Regel mindestens das erste Lebensjahr allein sind oder Geschwister haben, die bereits etwas verständiger sind.

Manchmal ist es für die Zwillbos sicherlich ätzend, dass sie so gut wie nie mal alleine sind, ohne den anderen. Aber mit all ihren Verschiedenheiten sind sie eben doch eine Einheit. Eine Einheit, die gemeinsam wächst. Sie lernen voneinander, spornen sich an, reiben sich aneinander, verbünden sich.

Faszination Zwillinge

Das hat einen ganz besonderen Zauber. Das ist diese faszinierende Besonderheit, die wir Zwillingseltern erleben dürfen. Die so schwer in Worte zu fassen ist. Die jeden Moment aufwiegt, in dem es schwer ist, für zwei gleich alte Kinder gleichzeitig da sein zu müssen. Diese besondere Beziehung würde ich wohl am meisten vermissen…

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Alles Liebe,

6 Comments

  1. Liebe Juli,
    Dein Beitrag kam genau im richtigen Augenblick. Morgen werden unsere Zwillinge das Licht der Welt erblicken und ich bin so neugierig auf dieses Abenteuer. Wir haben bereits einen fast Zweijährigen und denken manchmal, wir seien mit allen Wassern gewaschen. Aber das wird noch mal eine vollkommen neue Erfahrung.
    Ich hoffe, ich werde weiterhin Zeit finden, bei Kerstin und dir reinzulesen und -zuhören.
    Liebe Grüße
    Die Tina

    1. Liebe Tina, ich danke dir von Herzen für deinen Kommentar!!! Wow, dann seid ihr heute vermutlich schon zu fünft!!!! Was für ein spannendes Abenteuer! Ich wünsche euch dafür alles Gute, viel Kraft, wunderschöne Momente und gute Nächte!!!! ich freu mich, von dir zu hören!!!

      1. Nur ganz kurz: Die zwei sind gestern geschlüpft und wohlauf. Mama noch etwas lädiert aber auf gutem Weg.
        Lasset die Spiele beginnen :-)
        Bis bald
        Tina und die Jungs

      2. Oh wie wunderbar!!!! Ein riesiges Dankeschön, dass du mich daran teilhaben lässt! Ich denke ganz fest an euch!!! Habt eine schöne erste gemeinsame Zeit!!!!!

  2. Ich habe zwei Töchter mit 1,5 Jahren Altersunterschied und kann mir vorstellen, dass es etwas sehr besonderes ist, Zwillinge zu haben. Mit zunehmendem Alter mag es egaler werden, ob man nun Zwillinge hat oder Kinder mit einem Altersabstand, aber das Besondere bleibt bestimmt bestehen. Ich finde es schon bei normalen Geschwistern toll, wie sie miteinander spielen & miteinander umgehen.

    1. Hallo meine Liebe, ich finde, da schreibst du etwas sehr Wahres: Auch Geschwister haben miteinander eine ganz besondere Beziehung. Die verändert sich vielleicht mit den Jahren. Aber bei meinen Geschwistern und mir – ich bin kein Zwilling – spüre ich immer: Wenn es hart auf hart kommt, halten wir zusammen wie Pech und Schwefel!

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