Starke Kinder: Warum weniger Lob manchmal mehr ist

Leute. Ich weiß es doch einfach auch nicht. Ich bin zum ersten Mal Mama. Und natürlich bin ich eine Streberin, die ihren Job mit Auszeichnung und Sternchen erledigen möchte. Nicht weil es mir auf Perfektion oder Leistung ankommt. Sondern weil ich für die Seelen meiner Jungs nur das Allerbeste möchte. Ich weiß, dass diese Welt ihren Persönlichkeiten Kratzer und Narben zufügen wird. Deshalb wünsche ich mir, das möglichst wenige davon auf mein Konto gehen.

Als sie ganz klein waren habe ich versucht, sie in möglichst vielen Dingen positiv zu bestärken. Also sie mit allem, was sie geschafft haben, zu feiern. Mal mehr, mal weniger – je nach Anlass. Und eben auch ganz instinktiv aus dem Bauch heraus, wenn ich mich über eine eigenständige Drehung auf den Bauch und zurück gefreut habe, wie andere Menschen über einen Orden. Ich spreche über die Drehungen der Kinder, nicht etwa über eine der meinigen in der Schwangerschaft mit dickem Bauch.

Lob kann abhängig machen

Dann habe ich irgendwann Wind davon bekommen, dass es gar nicht so gesund für die seelische Größe sein soll, wenn man Kinder über den grünen Klee lobt. Die Erklärung erscheint mir plausibel. Untersuchungen haben gezeigt, dass Lob abhängig macht. Empfangen Kinder zu viel davon beziehungsweise kommt er mit Bewertungen wie „toll“, „prima“ und „sehr gut“ einher, benötigen sie später permanent Zuspruch, um sich gut zu fühlen.

Zudem beschleicht sie das ungute Gefühl, in ihrem Kern nicht gut zu sein, wenn sie für relativ normales Verhalten total angefeuert werden: „Oooooh, großartig wie toll du essen kannst“ etwa… Denn mal ganz ehrlich? Wer von uns hat sich nicht schon mal dabei ertappt, seine Kinder für derart Alltägliches zu bejubeln, in der Hoffnung, die Manipulation tue ihren Dienst und der Nachwuchs gibt es fortan auf, mit Stampfkartoffeln zu schmeißen?

Manipulation ist spürbar

Kinder merken aber wohl instinktiv, dass wir sie manipulieren wollen, und wundern sich eher darum, warum wir wegen eines vollständig im Mund angekommenen Löffels so einen Aufriss machen. Die Alternative zum permanenten Torjubel erscheint auf den ersten Blick erstmal etwas lieblos: nicht loben.

Kleiner Mensch, große Welt.

Ist sie aber eigentlich nicht. Denn Kindern reicht es aus, wenn sie das Gefühl bekommen, dass wir sie sehen. Also bemühte ich mich fortan, die Jungs zu bestätigen, aber eben nicht vollkommen auszurasten, um sie für meine Zwecke zu gewinnen. Also alles frei nach dem Motto „Jippieh, du bist ganz alleine gerutscht, das habe ich gesehen!“. Nach wie vor glaube ich an die grundsätzliche Richtigkeit dieser Herangehensweise. Aber ganz so leicht ist es oft nicht.

Echte Gefühle zeigen

Denn ich möchte nicht einfach nur huldvoll nickend und blickend neben dem Klettergerüst stehen, wenn einer meiner Söhne sich getraut hat, einen obermutigen Supersprung – so wie wir es hier nennen – hinzulegen. Ich will die Arme in die Luft reißen und eine kleine Party feiern! Weil es Bock macht und weil ich möchte, dass die Kinder sich selber feiern. Ihren Mut. Ihre Erfolge. Ihre Meilensteine. Auf der anderen Seite ist es mir wichtig, dass sie daraus nicht automatisch schließen, dass Misserfolge ein Weltuntergang sind oder man keine Angst haben darf.

Letztendlich glaube ich, dass es auf die Ehrlichkeit, die Echtheit und die Authentizität dessen ankommt, was wir den Kindern zeigen. Wenn wir ehrlich stolz sind, wird sie das tragen. Wenn wir loben, um sie zu konditionieren, wird das wohl schnell einen gewünschten Zweck zeigen, langfristig aber vielleicht nicht unbedingt zu einer optimalen Entfaltung ihres Selbstwerts beitragen.

Sich gesehen fühlen

Einmal mehr finde ich es spannend zu erfahren, dass nicht alles, was ich früher für richtig gehalten hat, heute noch meine Zustimmung findet. Darüber hinaus erlebe ich jedoch im Alltag ganz häufig, wie aufmerksam meine Kinder sind. Ein schneller Blick, ob ich mitbekommen habe, was sie geschafft haben. Und wenn ich dann präsent bin und einen warmen Blick, ein liebevolles Lächeln, ein Nicken zurückschicke, beobachte ich zu 100 Prozent, wie sehr sie das trägt. Sie fühlen sich gesehen.

Ganz sicher ist es aber mal wieder eine Frage des Gleichgewichts. Des Gleichgewichts zwischen Ermutigung, Anfeuern, ehrlichem Mitfreuen und Bodenhaftung. Denn manipulieren möchte ich meine Kinder nicht. Und dennoch möchte ich, dass ihnen Flügel wachsen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Loben gemacht?

One Comment

  1. Danke für deine Inspiration! Ich halte es bisher (unbewusst) ähnlich. Sohnemann ist knapp 1 Jahr und manchmal muss man einfach jubeln, weil man sich selber so freut 😅

    Ich glaube auch, dass ein ehrliches Lob wichtig ist. Wenn er an einem Tag gut gegessen hat, sag ich das auch, wenn es mir auffällt, aber nicht jedes Mal. 😅 Und wie heißt es so schön bei den schwaben, net geschimpft ist gelobt genug? Aber das wiederum ist mir dann auch zu wenig. 😂

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