„Du bist kackafurz, Mama!“ – von Schimpfwörtern und kindlicher Wut

Bei uns ist vor einiger Zeit der Kackafurz eingezogen. Ich glaube, dass meine Söhne ihn in der Kita aufgegabelt haben. Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Der Kackafurz kommt immer dann ins Spiel, wenn einer der Jungs mal das dringende Bedürfnis hat, ein bisschen Dampf ablassen. Dampf, weil einem langweilig ist zum Beispiel, oder wenn es mit ihnen durchgeht.

Dann gibt man am Frühstückstisch mit schelmischem Grinsen ein beherztes „Kackafurz“ von sich. Gerne auch zehn Mal nacheinander. Ich reagiere darauf eigentlich nicht großartig, weil ich das Gefühl habe, dass es dadurch noch interessanter wird.

Universelle Antwort

Kackafurz eignet sich aber auch hervorragend als universelle Antwort auf alle mütterlichen Fragen, wenn man als Kind keine Lust auf Konversation hat: „Was gab es denn heute in der Kita zum Mittagessen, Schatz?“ „Kackafurz.“ Aha.

Der Kackafurz kommt allerdings auch dann zum Einsatz, wenn man hochgradig wütend ist. Kackafurz ist bei den Zwillingen aktuell der Schimpfwort-Super-GAU, also das drastischste Mittel, das sie sich zum Ausdruck ihres Unmuts vorstellen können.

Der Superlativ von gemein

Wann immer ich einen von ihnen durch mein unmögliches mütterliches Verhalten in Aufruhr versetze, kommt es zum Einsatz, wird dann allerdings auch plötzlich zum Adjektiv: „Du bist kackafurz, Mama!“ Kackfurz ist der Superlativ von gemein. Und so bin ich manchmal.

Eisbecher leer. Voll kackafurz.

Zum Beispiel neulich in der Eisdiele, als ich keine dritte Portion mehr gestattet habe. Nach „Ich will aber!“ und „Du bist gemein!“ hallte es durch den ganzen Laden: „DU BIST KACKAFURZ!“ Allseits betretene Blick in Richtung Fußboden, der auf einmal für alle anderen Kunden so interessant war wie der neueste Tratsch vom Wochenmarkt.

Schimpfwörter sind reizvoll

Da saß ich nun also. Total kackafurz. Ich habe geseufzt. Und gesagt, dass ich so nicht genannt werden möchte. Und ich glaube, das meine ich auch so. Ich finde Schimpfwörter nicht grundsätzlich schlimm. Ich weiß, dass sie für meine Jungs ihren Reiz haben und ihnen oft große Freude bereiten. Das finde ich okay.

Genauso okay finde ich es, dass sie wütend auf mich sind – wofür Kackafurz ein eindeutiges Indiz ist. Aber ich möchte dann trotzdem nicht beschimpft werden. Das sage ich: „Ich kann verstehen, dass du sauer auf mich bist, aber dann sag ‚Ich bin wütend auf dich‘. Ich mag nämlich nicht beschimpft werden.“

Das sage ich gerade sehr oft, wohlwissend, dass sie es vermutlich hunderte Male gehört haben müssen, um es anwenden zu können – vor allem, wenn sie gerade voll in ihrer Emotion sind. Aber so ist es eben, Entwicklung ist manchmal echt kackafurz.

4 Comments

  1. Jaaaaa…das kenne ich nur zu gut. Das Beste war bei unserer letzten U-Untersuchung beim Kinderarzt, als meine beiden auf alle Fragen des Arztes mit Pipi und Kacka geantwortet haben. Kind 1: „Welche Farbe siehst du hier?…“Kacka“, Kind 2 : „Was erkennst du auf diesem Bild?…“Pipi“…Was ist euer Lieblingsessen?….“PipiundKacka“. ich wusste nicht, ob ich mich einfach nur schlapp lachen sollte oder mich komplett fremdschämen müsste. Zum Glück blieb unser Arzt recht entspannt…und somit wurde unseren Kindern ein Wortschatz mit mindestens 2 Worten attestiert….;0) (da waren sie übrigens grad 4 Jahre alt geworden). Aber auch diese Phase geht vorüber…..aktuell mit 4,5 Jahren…bin ich oft die doofe Mama und alle sollen tot sein…aarrgghhh.

    1. Oh Gott, innerlich lachreich mich kaputt und gleichzeitig zerreißt es mich, weil ich mir sooo gut vorstellen kannst, wie du dich in dieser Situation gefühlt hast!!!! Meine Güte, die haben aber auch echt immer Einfälle! …gut, dass Du es schreibst, dann mache ich mich schon mal auf Todes-Wünsche gefasst!!!! Ganz liebe Grüße!

  2. Hahahahaha, bei uns ist es auch Pipi und Kacka! Seit kurzem noch „oberdoofes Kamel“, hat er aus einem Kinderbuch, auch toll! Gut zu wissen, dass es anderen auch so ergeht! Gute Nerven wünsche ich euch/uns allen :-)

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