fünfter Monat schwanger

Das erste Trimester – war mir wieder so schrecklich übel?

Ich wusste etwa seit einer Woche von meiner Schwangerschaft – fast hätte ich geschrieben,  „ich hatte es zwar auf dem Papier“, allerdings hatte ich ja über ein Stäbchen gepinkelt und nicht über ein formelles Schreiben. Ich hatte es also Pink auf Weiß: schwanger. Das war es aber auch schon, mein Kopf hatte noch große Schwierigkeiten, die Information abzulegen. Aber dazu hat man ja auch ein paar Monate Zeit.

Rein körperlich fühlte ich mich erstmal ziemlich normal. Ganz, ganz vielleicht ein klitzekleines bisschen müder als sonst. Jedoch war von der alles überbordenden Übelkeit und der tiefen, tiefen Abgeschlagenheit, die ich aus der Zwillingsschwangerschaft kannte, nichts zu spüren.

Jippieh – ach nee, doch nicht

Da neigen wir Frauen ja gerne zur Schizophrenie. Einerseits lachte ich mir ins Fäustchen: Vielleicht ist es ein Einling und bei Einlingen ist einem einfach nicht so dolle schlecht! Andererseits raunte mir immer wieder die besorgte Stimme in meinem Kopf zu, ob denn wohl überhaupt alles so richtig in Ordnung sein könne, wenn ich so gar keine Schwangerschaftssymptome verspüren würde.

Wenige Tage später konnte ich aufhören zu grübeln, die Übelkeit traft mich wie der Mast eines Schiffes, der sich im Sturm losgemacht hat, und streckte mich nieder. Zumindest moralisch. Ach ja, so war das, ich erinnerte mich. Kein Supermarkt, der mit seiner Vielzahl an Gerüchen nicht dafür sorgte, dass sich mir der Magen umzudrehen drohte. Kaum ein Waschpulver, Pflegeprodukt oder Putzmittel, dessen Geruch ich auch nur ansatzweise ertrug.

Geruchsempfindlichkeit lässt grüßen

Ich habe keine Ahnung, wozu diese superkraftähnliche Geruchsempfindlichkeit in der Schwangerschaft dient, sie war bei mir mal wieder vorbildlich ausgeprägt. Da kann es schon zu einer olfaktorischen Herausforderung werden, wenn man eine Kita betritt, in der Dutzende Kinder spielen, toben, essen, pupsen und weiß der Himmel, was noch alles tun.

Wenn die Hormone zuschlagen…

Ähnlich wie vor vier Jahren krempelten sich auch mein Geschmackssinn und mein Appetit einmal komplett um. Frische Lebensmittel, Obst und Gemüse? Lieber nicht! Warum auch, wenn es Pizza, Tiefkühllasagne und anderes Fastfood gibt? Allerdings normalisierte sich das diesmal etwas schneller und der Heißhunger auf Lebensmittel, die Ernährungswissenschaftler auf die Black List gesetzt haben, ist im fünften Monat längst nicht mehr so ausgeprägt wie am Anfang. Schade eigentlich, es geht doch nichts über einen anständigen Jeeper auf Dosenravioli, den zu befriedigen man im Stande ist…

Kein Tag ohne Mittagsschlaf

Übel war’s mir also wieder und ich konnte wochenlang keinen Tag ohne Mittagsschlaf überdauern. Gerne legte ich noch einen Nachmittagsschlaf obendrauf, so die Kinder mich denn ließen. Während ich im ersten Schwangerschaftstrimester mit den Zwillingen vor Übelkeit nur so vor mich hin darbte und erst einmal sieben Kilogramm Körpergewicht verlor, wollte ich es diesmal mit einer anderen Strategie versuchen.

Mutterpass neben Laptop-Tastatur, schwanger und selbstständig
Herzlichen Glückwunsch, schwanger!

Schließlich hatte ich keine Zeit zum Darben: Zwei Dreijährige, eine Selbstständigkeit, Kunden, Coaching-Klienten und ein MOM to WOW-Event wollten bespielt, bespaßt und bekümmert werden. Ich hatte in der Vergangenheit immer wieder gelesen, dass das einzige, das Frauen gegen die Schwangerschaftsübelkeit wirklich geholfen hätte, Essen gewesen sei. Konter-Essen, quasi.

Also aß ich. Quasi fortwährend in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen, denn es half tatsächlich, die Übelkeit einigermaßen in Schach zu halten. Außerdem hatten die Hormone meinen Stoffwechsel dermaßen angefeuert, dass ich jeden Morgen um 4.30 Uhr mit knurrendem Magen aufgewacht bin und dringend zwei Käsebrote vertilgen musste.

Gewichtszunahme in der Frühschwangerschaft

Mir war speiübel, ich war hundemüde, aber Futtern brachte es tatsächlich irgendwie. Weil aber auch vor meinem Körper die Gesetze der Natur nicht Halt machen, gesellten sich innerhalb weniger Wochen schon mal wohlwollende fünf Kilo zusätzliches Gewicht auf meine Hüften. Und überall dahin, wo noch Platz war.

Das stört mich nicht wirklich, ich hab einen guten Grund für den neuen Bodymass-Index. Außerdem müssen wir Frauen in der Schwangerschaft ohnehin schon auf so vieles verzichten – eine Zeit im Leben, in der man hin und wieder echt mal einen Schnaps gebrauchen könnte, aber keinen darf – da werde ich einen Teufel tun, mir meine Gelüste zu verkneifen.

Erste Kindsbewegungen spürbar

Und jetzt? Jetzt bewege ich mich ohne Taille, aber auch ohne Übelkeit und andere Schwangerschaftswehwehchen durch den fünften Monat. In den seltenen ruhigen Momenten hüpft mein Herz vor Freude über unser neuestes Familienabenteuer und abends, jenseits des Alltagstrubels, spüre ich, wie ein winzig kleiner Mensch in mir seine Arme und Beine erprobt. Stets wunderschön, manchmal befremdlich und immer, immer, immer faszinierend.

Der Begriff „Wunder“, der uns bei einem Kind und einer Schwangerschaft so schnell auf den Lippen liegt, hat vielleicht schon deutliche Abnutzungsspuren. Doch genau das trifft es, wenn neues Leben beschließt, in die Welt zu treten: Ein echtes Wunder geschieht.

 

Alles Liebe,

 

5 Comments

  1. Ich freue mich so sehr für euch, Juli! Ihr traut euch das, was ich mich nicht traue, und ich weiß, dass ihr diese neue Herausforderung souverän meistern werdet! Alles Gute für die Einlingsschwangerschaft! :-)

  2. Wenn man eine Lösung gegen die Übelkeit gefunden hat, sollte man sie auch nutzen. Ich fand das damals auch so schrecklich und hatte auch in beiden Schwangerschaften extrem damit zu kämpfen. Das Gewicht verschwindet schon wieder. Eine schöne weitere Schwangerschaft wünsche ich dir.

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