Das dreier Gespann

Wo die wilden Kerle wohnen – mein Leben mit Jungs

Es ist gut, dass wir mit unseren Kindern wachsen. Meist schon in der Babyzeit müssen wir schmerzhaft lernen, Vorstellungen über das Mama-Dasein loszulassen und in der Realität anzukommen. Oftmals geht das nicht komplett ohne Schmerz einher. Wir haben Erwartungen, Wünsche, Träume und Hoffnungen, die sind in uns gewachsen – oftmals von unseren frühesten Lebenstagen an. Wie soll es nicht wehtun, wenn wir diese Teile von uns hinter uns lassen müssen?

Und doch ist es auch so natürlich und okay und wunderbar, zu träumen und zu erwarten. Und ebenso ist es natürlich und okay, zu gewissen Einsichten erst fähig zu sein, wenn uns die entsprechende Erfahrung dazu zur Verfügung steht.

Söhne. Laut und deutlich.

So sitze ich kürzlich auf dem Spielplatz, sehe meine Söhne. Und vor allem sehe ich sie nicht nur, ich höre sie. Laut und deutlich. Ich frage mich, woher sie an diesem Nachmittag noch die Energie und die Kraft für diese Intensität und diese Dezibelstärke nehmen.

Und ich sehe zwei andere Mütter. Zwei andere Mütter mit ihren beiden Söhnen. Die Söhne können gerade laufen, klettern, körperlich mehr und mehr auf eigene Faust die Welt entdecken. Ich sehe zwei Mutter-Sohn-Gespanne. Planetensysteme, die umeinander kreisen. Teil eines solchen Systems bin ich nie gewesen, wir waren immer schon zu dritt – Mutter-Sohn-Sohn. Niemals totale Exklusivität. Das niemals insgeheim bedauert zu haben wäre eine Lüge. Dennoch habe ich es nie anders gewollt.

Die Blicke der anderen Mütter – und was diese in mir auslösen

Ich sehe diese Mütter mit ihren kleinen Söhnen und ich sehe ihre Blicke. Ihre Blicke auf meine fast vierjährigen Söhne, die laut und wild über den Spielplatz toben, die mit Wasser spritzen, mit Stöcken auf Büsche und Grashalme eindreschen – und gelegentlich auch aufeinander. Ich sehe sorgenvoll vertiefte Stirnfalten und lese in ihren Gesichtern, dass sie sich befremdet fragen, wo bei dieser Wildheit wohl meine Versäumnisse liegen mögen. Und dass es bei ihnen unter Garantie ganz anders laufen wird.

Wild, wilder, die Zwillbos

Ich sitze da und ärgere mich ein wenig, weil ich meine Söhne so richtig finde wie sie sind und mir innerlich grummelig denke, dass wir uns am besten in zwei Jahren noch einmal sprechen, wenn ihre Söhne mit Gebrüll auf dem Spielplatz einfallen und „Kackafurz“-brüllend über ihn hinweg toben als gäbe es kein Morgen mehr.

Wir Eltern wachsen gemeinsam mit – und an unseren Kindern

Dann sehe ich zwei Jungs. Vermutlich Drittklässler. Laut. Noch lauter als meine Jungs. Wild. Noch wilder als meine Jungs. Und ich merke, wie ich beginne, innerlich ganz langsam eine Augenbraue hochzuheben. Wie ich zu denken anhebe: „Puh, die sind aber laut und ungestüm…“.

Ich blicke zu den Sehr-kleine-Jungs-Mamas. Ich blicke zu den Schulkind-Jungs. Ich blicke zu meinen Jungs. Und meine innere Welt kommt wieder ins Gleichgewicht. Ich werde hineinwachsen ins nächste Eltern-Level. Immer und immer wieder. Und damit auch immer und immer wieder verstehen. Genauso, wie ich auch in diesem Moment die Mamas der kleineren Jungs wieder verstehe. Wir müssen in die meisten Dinge erst hineinwachsen, um sie vollends begreifen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.