Schwangerschaft – Wohlfühlgefühl oder Gefangene im eigenen Körper?

„Schwanger sein – wenn es nur um das Gefühl ginge, könnte das mein Leben lang so weiter gehen!“ Dieser Satz steht definitiv auf der imaginären Liste der Dinge, die ich niemals sagen werde. Und ich bin fasziniert davon, dass Frauen da so unterschiedlich empfinden und finde es großartig.

Die Zwillingsschwangerschaft: Staunen und Dankbarkeit statt Ekstase

Als ich mit den Zwillingen schwanger war, habe ich eine ganze Zeit gebraucht, um mich auf das veränderte Körpergefühl einzugrooven, und ekstatische Zustände hat es bei mir bis zu Schluss nicht hervorgerufen. Respekt vor meinem Körper. Staunen über das Wunder, das in und mit mir geschieht. Dankbarkeit für Gesundheit und Komplikations- und Beschwerdelosigkeit. Ja, all das habe ich verspürt.

Hör dir jetzt den Podcast zum Thema an:

Doch dieses wohlige Empfinden, das viele Frauen beschreiben, das Gefühl weiblicher Göttlichkeit und totales inneres Aufgehen in Rundungen und Wölbungen – ich muss vom Grunde meines Herzens auf gestehen, dass mir das verwehrt geblieben ist. Ich bedauere das vielleicht ein bisschen, weiß aber auch, dass jede von uns anders ist und fühlt. Dass das Schwangerschaftsgefühl manchmal binnen weniger Stunden zwischen freudentaumelnder Glückseligkeit und dem „Hilfe, da ist ein Alien in mir“-Gedanken Achterbahn fährt.

Ich hatte mich irgendwann mit den Veränderungen arrangiert, aber meinen Körper wieder alleine zu bewohnen fand ich dann auch gut. Vermisst habe ich die riesige Kugel nach der Entbindung nicht ein einziges Mal. Zumindest erinnere ich mich nicht daran.

Zur Erinnerung: Die Zwillingskugel kurz vorm Platzen

Und nun? Wieder schwanger, wieder rund, wieder körperliche Veränderung. Mein Empfinden lässt sich wohl am Besten so zusammenfassen: Es ist das Gleiche und doch ganz anders.

Heute weiß ich, was meiner Körper zu leisten im Stande ist

Ich habe vor kurzem schon einmal geschrieben, dass die Verbindung zu meinem Körper in dieser Schwangerschaft noch einmal eine ganz andere ist. Viel tiefer und stärker. Ich bin voller Vertrauen und fühle mich die meiste Zeit sehr sicher – was nicht bedeutet, dass ich nicht auch Momente des Zweifels oder der Sorge kenne. Doch die Basis fühlt sich stark und sicher an.

Denn die Geschichte dieses Babybauchs ist eine andere. Ich habe erlebt, wie souverän mein Körper die Zwillingsschwangerschaft über die Bühne gebracht hat. Ich hatte diesmal nicht unmittelbar zuvor eine Fehlgeburt zu verarbeiten. Durch die Beschäftigung mit mir selbst und meine Arbeit als Coach bin ich innerlich ganz anders aufgestellt als vor viereinhalb Jahren.

Nichtsdestotrotz bereitet die körperliche Veränderung ab und an Unbehagen

Der kleine Mensch, der sich zu Jahresbeginn auf den Weg in unsere Familie gemacht hat, ist aus tiefstem Herzen willkommen. Ich habe von ihm geträumt. Ihn herbeigesehnt und ihn mir für unsere Familie gewünscht. Dass er das offenbar auch für eine prima Idee hält, ist für mich ein grenzenloses Geschenk, das alles andere als selbstverständlich ist.

Trotzdem bin ich nicht ausschließlich mit einem hell flackernden Freudenfeuer über meine körperlichen Veränderungen in die Schwangerschaft gestartet. Freudig, staunend, glücklich und dankbar – keine Frage! Aber das mein Körper mehr oder weniger gleich zu Beginn förmlich explodiert ist, das hat mir nicht komplett behagt.

Essen gegen die Übelkeit – man sieht´s

Während ich bei den Zwillingen erstmal wochenlang vor mich hin darbte und kaum etwas aß, startete ich nun den Gegenangriff: Essen gegen Übelkeit. Ich hatte gehört, dass es helfen soll und außerdem musste ich ja bei Kräften bleiben. Schließlich leben hier zwei kleine Energiebündel, die eine halbwegs einsatzfähige Mama brauchen. Außerdem hatte ich berufliche Projekte wie MOM to WOW, unser Coaching-Programm und mein erstes Buch vor der noch muttermilchlosen Brust, dafür brauchte ich Kraft.

Diese Welt steckt voller unerklärlicher Wunder, doch wird auch mein Leben von gewissen Gesetzmäßigkeiten regiert: Wenn ich viel esse, nehme ich zu. Der Bauch wuchs dieses Mal nicht nur um ein Vielfaches schneller – immerhin werde ich bereits seit Wochen überall mit staunenden Blicken, entsprechender akustischer Untermalung und der Frage, wann es denn soweit sei begrüßt. Auch die Zahl auf der Waage nahm dieses Mal nicht den Umweg über den Keller.

Noch sind die Füße zu sehen, wer weiß wie lange noch…

Während ich bei den Zwillingen erstmal sieben Kilo zwischen Müdigkeit und Übelkeit gelassen hatte, schmiegten sich eben diese Kilos nun bereits binnen weniger Schwangerschaftswochen an meine Beine und Hüften. Daran musste ich mich offen gestanden erstmal gewöhnen.

Ich bin eine Frau dieser Gesellschaft. Ich bin mit einer Bilderflut von Äußerlichkeiten aufgewachsen. Ich habe in den letzten Jahren mit vielen, vielen Punkten meinen Frieden gemacht und mich und meinen Körper angenommen – wenn er mehr oder weniger auf eigene Faust seine Grenzen verändert, ist mir das trotzdem nicht uneingeschränkt geheuer. Und das ist okay so.

Diese Schwangerschaft schreibt eine andere Geschichte, als die erste

Jetzt schreiben wir den achten Monat. Ich fühle mich ziemlich wohl. Viel wohler als in der vorherigen Schwangerschaft. Mal abgesehen davon, dass sich so eine ausladende Körpermitte irgendwann sehr auf die Bewegungsfreiheit auswirkt, habe ich nichts zu beanstanden. Ich harre nicht jedes Mal voller Ungeduld auf die nächste Ultraschallmöglichkeit, für die ich obendrein noch regelmäßig zur Kasse gebeten werden würde.

Was mir bei den Zwillingen viel Sicherheit gab, brauche ich dieses Mal nicht. Und diesbezüglich braucht auch jede Frau etwas anderes, um sich wohlzufühlen. Doch wir hatten bislang nur die beiden Ultraschalluntersuchungen, die ohnehin vorgesehen waren, für uns ist das okay. Für uns. Weil das gerade unsere Schwangerschaftsgeschichte ist.

Ich genieße es so gut es geht – denn schon bald ist auch diese Schwangerschaft vorbei

Manchmal ärgert es mich ein wenig, dass ich mehr Ruhe und Pausen brauche. Dass mein Körper mich wieder einfängt, bevor ich nach Maßstäben meines Kopfes überhaupt richtig losgelaufen bin. Doch im Handumdrehen ist mir dann präsent, dass diese Zeit schon beinahe wieder vorüber ist. Wie schnell ich beim vorherigen Mal der Schwangerschaft, Still- und Babyzeit entwachsen bin. Dass die Zeit, in der die Jungs winzig klein waren, krabbelten, Laufen lernten und tapsig die Welt erkundeten, trotz aller Anstrengung rückblickend mit einem Fingerschnippen vorbei war.

So wie diese Schwangerschaft. Diese Schwangerschaft, die vermutlich meine letzte sein wird. Weil sich drei Kinder perfekt anfühlen. Und eben darum genieße ich sie auch. Nicht dauerhaft und permanent, dafür verfliegt die Zeit zu schnell. Dafür fordert mich der Alltag zu sehr. Dafür fühlen sich Sodbrennen und Kurzatmigkeit nicht gut genug an. Doch jeden Tag, immer und immer wieder, in kleinen achtsamen Momenten. Voller Dankbarkeit für dieses Erlebnis. Für meine Gesundheit und all den Reichtum an Versorgungs- und Vorsorgemöglichkeiten, die wir in unserer Gesellschaft haben.

Es gibt auch zu diesem Beitrag eine Podcast-Episode, die über den reinen Text hinausgeht, die das Thema vertieft und auch aus meinem persönlichen Blickwinkel beleuchtet.

PS: Du möchtest mehr zu meiner Zwillingsschwangerschaft wissen? Schon bald erscheint mein Ebook dazu. Ich halte Dich darüber im Newsletter auf dem Laufenden.

PPS: Mein anderes Buch erscheint allerdings erst Anfang 2020 ;-)

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