Ratschläge sind auch nur Schläge – Weisheiten in Schwangerschaft und Mamaleben

Meine Mama und ich…wir hatten natürlich auch unsere Konflikte und Reibereien. Und natürlich habe ich auch oft meine Augen verdreht und musste manches Mal tief durchatmen. Doch sie war mir in der kurzen gemeinsame Zeit, die wir hatten, als ich selbst eine Mama und sie die Oma meiner Kinder war, immer eine echte mentale Unterstützung.

Sie war keine Mama/Oma, die in unsere elterlichen Entscheidungen hineingesprochen hat. Sie hat uns Mut gemacht, uns bestärkt und uns Verständnis entgegengebracht. Und sie hat sich zurückgehalten. Manchmal konnte ich es ihr richtig ansehen, wie sie sich schier auf die Zunge gebissen hat, um nichts zu sagen. Um nicht mit ihrer Meinung herauszuplatzen. Manchmal musste ich ihr diese nahezu aus der Nase ziehen.

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Denn meine Mama hatte einige Maximen in ihrem Leben, hinter denen sie uneingeschränkt stand. Verpackt in knackige Binsenweisheiten, über die man sagen kann, was man will – doch sie treffen definitiv zu. Zwei der prägnantesten:

Ratschläge sind auch nur Schläge.

Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“.

So oft muss ich innerlich schmunzeln und heftig nicken, so oft gehen mir bestätigend diese Sätze durch den Kopf. Insbesondere auch jetzt wieder, in der Schwangerschaft, in der Zeit, in der wir unser drittes Kind erwarten. Denn da sind sie wieder: All die ungefragten Meinungen, die unerbetenen Kommentare, die vorschnellen Einschätzungen anderer, wie unser Leben denn nun bald laufen wird und wie es zu laufen hat. Oder was idealerweise jetzt schon zu tun ist.

Genug Fleisch essen, auf keinen Fall Fahrrad fahren, bloß nicht zu spät verreisen, auf keinen Fall die großen Kinder auch nur einen Meter weit tragen, die Kinder auf keinen Fall mit zum Ultraschall nehmen, die Kinder auf jeden Fall mit zum Ultraschall nehmen, das Baby mit im Bett schlafen lassen, das Baby auf keinen Fall mit im Bett schlafen lassen, ein Tragetuch benutzen, kein Tragetuch benutzen, schlimm wird es werden mit Kindergartenkindern UND Baby, easypeasy und völlig leicht wird es werden, das Dritte läuft so mit, drei Kinder sind wie tausend Kinder…

Wie viel Zeit habt ihr? Ich könnte jetzt bis zum Ende des Internets so weitermachen.

Mein Körper, meine Kinder – meine Regeln!
Ungefragte Meinungsäußerungen sind an der Tagesordnung

Mir wird jetzt nahezu täglich wieder dieser Phänomen bewusst, das in Erscheinung tritt, wenn es auch nur annähernd in Richtung Familiengründung, Schwangerschaft und Elternsein geht: Alle reden mit. Jeder hat etwas dazu zu sagen – egal, ob selbst Mutter oder Vater oder nicht – und alle haben mit ihrer Meinung recht.

Man selbst steht irgendwie in diesem Redefluss wie ein Spaziergänger, den ein plötzlich aufkommender Herbstwind überrascht hat, die Haare zerzaust und jede Menge Laub ins Gesicht wirbelt. Während man darum bemüht ist, sich in dieser Kakophonie aus Stimmen und Meinungen selbst zu sortieren, fragt man sich irgendwie ganz weit hinten im Kopf, ob und wann man eigentlich darum gebeten hatte.

Jeder hat etwas zu sagen – ob du willst oder nicht!

Gar nicht, in der Regel. Braucht man nicht. Kommt alles so. Ungefragt und meistens unerwünscht und ungebeten. Los geht das Hubkonzert an Kommentaren und (Rat-)Schlägen. Feuer frei!

Was all den selbsternannten Rat(schlägern)gebern nicht so richtig klar ist: Ihre Worte können etwas mit dem Empfänger machen. Oftmals leider nichts Gutes. Sie verunsichern. Sie treten zu nahe. Sie sähen Zweifel und Sorgen, wo vielleicht gar keine angebracht sind. Und das in einer Zeit im Leben, in der Menschen insbesondere eins brauchen: Zuspruch und Ermutigung. Quasi uneingeschränktes Cheerleading und Jubelstürme. Denn Unsicherheit, Sorge und Zweifel kommen in Schwangerschaft, Wochenbett und Elternleben schon ganz von selbst. In einem Maße, das reicht. Da braucht man nicht noch obendrein den Einfluss anderer Menschen.

Überlegt euch gut, wen ihr um Rat bittet

Wir dürfen immer gut prüfen, wen wir um Rat und seine Meinung fragen. Und was machen wir mit dem Rest? Mit der breiten Masse, die einfach so losquäkt? Zugegeben, das ist gar nicht so leicht. Schließlich erscheint auf ihrer Stirn kurz vor der Kommentar-Absonderung kein rot leuchtender Schriftzug mit der Warnung: „Achtung, zurücktreten bitte, es erfolgt eine mentale Sprengung!“

Grenzen setzen – freundlich, aber bestimmt

Wir dürfen aber auf unsere Grenzen achten. Wir dürfen freundlich darauf hinweisen, was das gerade mit uns macht und das wir gewisse Dinge gerade nicht hören möchten. Unangenehme Geburtserfahrungen, negative Schilderungen aus Schwangerschaft und Wochenbett, Sätze, die uns runterziehen.

Es geht nicht darum, das komplett auszublenden. Doch müssen wir uns ja ein Stück weit schützen. Holen wir uns die Informationen, die wir brauchen, von Menschen, die kompetent sind und denen wir vertrauen. Unserer Hebamme zum Beispiel. Einer guten Freundin.

Wir müssen uns jetzt auch nicht für alle Eventualitäten wappnen, die vielleicht gar nicht eintreten. Und wenn es so kommt, dass wir Stillprobleme haben, unser Baby viel schreit oder eines der älteren Kinder nach Erweiterung der Familie mehr Aufmerksamkeit braucht, ist dann immer noch die Möglichkeit, sich damit zu beschäftigen.

Es ist unser Leben, unsere Familie, unser Körper, unsere Schwangerschaft. Oftmals geht es den Leuten auch gar nicht so sehr darum, was mit uns ist. Viele müssen sich Luft machen. Eigene Erfahrungen mitteilen und verarbeiten, ohne dass es ihnen bewusst ist, oder ihren Selbstwert aufpolieren. Doch das müssen sie nicht bei uns tun. Das dürfen äußern. Respektvoll und bestimmt. Unser Babybauch, unsere Regeln.

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