Meine wundersame Ernährungsumstellung in der Schwangerschaft

Ich kenne mich eigentlich nur als Fastfood-Schwangere. Das muss man jetzt einfach mal so ganz zierlos sagen. Bevor sich vor einigen Jahren die Zwillinge in meinen Bauch schlichen, ernährte ich mich vegan, fast rohköstlich. Als ich dann vor den Augen des Mannes Hühnchen und Thunfischpizza orderte – nicht im selben Restaurant – wäre dieser beinahe fassungslos vom Stuhl gekippt. Noch heute spricht er davon, einen solchen Eindruck hat mein veränderter Appetit auf ihn gemacht.

Höre dir jetzt den Podcast zum Thema an:

Ich habe es an der einen oder anderen Stelle schon erwähnt: Alles, was irgendwie frisch, vitaminhaltig und ganz klar gesundheitsförderlich war, musste ich in mich hineinzwingen. Aber Pommes sind schließlich aus Kartoffeln gemacht und Kartoffeln sind gesund. Oder?!

Der Bauchbruder der Zwillinge hat seinen eigenen Speiseplan. Anfangs war auch eher ein wahrer Junkfood-Fanatiker. Pommes, Chips, Schokolade, helle Nudeln, Dosenravioli – es war ein Fest (fragt sich für wen). Während andere Schwangere mir von ihrem Heißhunger auf Nektarinen und Orangen berichteten, versuchte ich möglichst unauffällig die Konserven und die Tiefkühlpizzen übers Kassenband zu schleusen.

Fastfood, Übelkeit, Schwangerschaft
Fastfood war gestern

So lebten wir alle glücklich und froh und erstaunlicherweise mal wieder ohne Nährstoffmangel zwei Trimester lang vor uns hin. Dann schlich sich ein unbequeme Veränderung ein. Ich bin schon unschwanger gelegentlich sehr anfällig für Sodbrennen, deshalb überraschte es mich nicht großartig, mich auch dieses Mal wieder damit arrangieren zu müssen. Doch ging es jetzt schon viel früher los.

Dann kam die Wende

Noch fröhnte ich dem Convenience Food, doch nach einiger Zeit konnte ich Zusammenhänge zwischen gewissen körperlichen Erscheinungen und den Speisen, die ich zu mir nahm, nicht mehr verleugnen. Geschmacksverstärker, künstliche Farb- und Aromastoffe, Konservierungsmittel – ich weiß, Dosenravioli sind gesellschaftlich nahezu geächtet, doch hatten die Büchsen und ich wirklich eine herrliche Zeit. Bis mich irgendwann, spätestens eine Stunde nach der fragwürdigen Gaumenfreude Sodbrennen, Übelkeit und Magendruck äußerst unsanft darauf hinwiesen, dass derartige Eskapaden gerade nicht mehr erwünscht sind. Schade.

Ich weiß, das Baby in meinem Bauch kann hier noch nicht mitlesen. Trotzdem fühle ich mich ein wenig beobachtet, wenn ich davon schreibe, dass es zu einem kleinen Nahrungs-Pingel geworden ist. [Sorry, mein Schatz, Mama trauert einfach nur den künstlichen Geschmacksverstärkern hinterher.]

Fertigprodukte gehen gerade gar nicht mehr, allein schon der Gedanke an Pommes lässt Übelkeit in mir aufsteigen und eigentlich sollte ich mich auch von hellen Nudeln verabschieden. Denn sie liegen in meinem Magen wie Senkblei. Mittags verkrafte ich sie in kleinen Mengen noch einigermaßen, abends habe ich keine große Freude an ihnen.

Der Bauchbewohner hat schon jetzt seine eigene Vorstellung von Ernährung

Was wir jetzt mögen? Zucchini-Nudeln, Avocado-Brote [ok, die gingen immer], Brokkoli-Risotto, solche Geschichten. Nichts, was es mir erlaubt, das wiederholte Öffnen und Schließen von Backofen- und Mikrowellentüren als Essenszubereitung zu bezeichnen. Natürlich, ich sollte darüber froh sein. Und irgendwo in einem entlegenen Winkel meiner Persönlichkeit sitzt jetzt auch meine innere Ernährungsberaterin und nickt beifallsheischend. Der Rest meiner inneren Anteile schmollt.

Speiseplan nach Art des Bauchbewohners

Die abartigen Schwangerschaftsgelüste hatten auch ihren Charme. Obwohl ich bei Lasagne aus der Tiefkühltruhe als Vegetarierin schon immer meinen Verstand ausschalten musste – was mit Unterstützung meiner Schwangerschaftshormone in der Regel gut funktioniert hat.

Er ist hier der Boss – das Baby achtet auf mich

Zu Beginn des Jahres sagte ich zum Mann, dass ich gerade ein berufliches und körperliches Pensum fahre, dass ich so auf gar keinen Fall durchhalten kann und will. Zwei Wochen später wusste ich, dass ich schwanger bin. Drei Wochen später zogen die Folgeerscheinungen des steigenden Beta-HCG-Spiegels bei mir die körperliche Bremse. Ich machte deutlich weniger, das Baby hatte gesprochen. Und so setzt sich das mit uns beiden in meinem Körper fort, es scheint irgendwie für mich zu sorgen, so verrückt das vielleicht klingen mag.

Wenn ich am Schreibtisch sitze und immer, immer weitermache, obwohl ich längst eine Pause bräuchte, beginnt der Kleine in seiner uteralen Behausung dermaßen stark zu randalieren, dass ich nicht mehr sitzen kann. Wenn ich einem To-do nach dem nächsten hinterherhetze und zu wenig auf mich achte, passiert das Gleiche.

Und jetzt also noch das Essen. Na gut. So ist das eben, wenn du nicht vorübergehend nicht mehr der Boss im eigenen Körper bist. Ich kann es gerade ganz gut annehmen. Mit leichtem inneren Zähneknirschen. Und dem trotzigen Gedanken, dass ich mir gleich nach der Entbindung eine Dose Ravioli reinpfeifen werde. Wenn das Baby nicht andere Pläne hat.

One Comment

  1. Hallo,
    ging mir ganz ähnlich. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass man einfach isst, was schmeckt und sich keine weiteren Gedanken macht. Gerade in der Schwangerschaft wird der Körper schon wissen, was er möchte. :-) (Hoffe ich zumindest)

    Grüße
    Lara M.

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