Zwillinge vs. Einling – Unterschiede in der Schwangerschaft?

Wenn du als Zwillingsmama erneut schwanger bist und die frohe Botschaft verkündest, kannst du eigentlich Haus, Hof und Hinter darauf setzen, dass eine der folgenden Fragen oder Bemerkungen kommt: Wieder zwei? Aber diesmal nur eins, oder? Nochmal zwei, das wär‘ doch was!

Wenn dein Bauch dann im Laufe der Wochen und Monate fleißig weiter wächst, werden sich diese Fragen und Anmerkungen wiederholen. Und sie werden dich nerven, vermutlich. Die meisten Menschen denken höchstwahrscheinlich nicht großartig darüber nach, dass sie nicht die einzigen sind, denen diese Sprüche über die Lippen gehen – sie meinen es nicht böse, also übte ich mich meist in Nachsicht. Manchmal konnte ich mir ein Mensch, diesen Satz habe ich in den letzten Monaten noch GAR NICHT gehört! dennoch nicht verkneifen.

Die Freude über „nur“ ein Baby ist keine Absage an Zwillinge

Quasi mit dem positiven Schwangerschaftstest bin ich jedoch auch nachdenklich geworden. Denn natürlich haben auch der Mann und ich uns ziemlich schnell die Frage nach der Anzahl der zu erwartenden Kinder gestellt. Und gleich gerät man innerlich in eine kleine Schieflage. Wir für unseren Teil waren erleichtert, als wir erfuhren, dass nur ein kleiner Nupsi Zellteilung in meiner Gebärmutter betreibt. Doch fühlte sich das auch immer ein wenig nach einer Absage an Zwillinge und damit seltsam an.

JETZT DEN PODCAST ZUM ARTIKEL ANHÖREN:

Ich liebe es, Zwillingsmama zu sein! Es ist wirklich sehr besonders, zwei kleine Menschen exakt zur gleichen Zeit nebeneinander, miteinander aufwachsen zu sehen. Zur gleichen Zeit im gleichen Bauch gediehen, nahezu gemeinsam geboren – zwei Herzschläge, ein Miteinander und doch so viel Individualität von Anfang an. Ich bin dankbar für dieses unerwartete Geschenk meines Lebens und möchte es niemals anders haben.

Es ist ein Privileg Zwillingsmama zu sein – anstrengend und wunderschön zugleich

Zwar ist die Anfangszeit mit zwei Babys in meiner Erinnerung stark verblasst, doch unvergessen. In unserem Fall war sie ziemlich anstrengend. Die Jungs waren nicht gerade das, was man als Einsteigermodelle für frisch gewordene Eltern bezeichnen konnte, darüber habe ich schon oft geschrieben. Während es bei einigen Zwillingseltern, die ich kenne, erst so richtig stressig wurde, als die Doppelkinder mobil wurden, empfanden wir es mit unseren Söhne oftmals als weniger herausfordernd, je mehr sie konnten. So sind Kinder und Familien und Menschen generell eben verschieden.

Ich sage es ganz unumwunden: So sehr ich den Segen zweier gesunder Kinder auf einen Streich zu schätzen weiß, so wenig muss ich einige Phasen und Verzweiflungen, die ich mit zwei Säuglingen durchlebt habe, noch einmal wiederholen. Zwei Babys stillen, zwei Babys irgendwie beruhigen, wenn man alleine ist, zwei Babys aus der zweiten Etage ins Auto oder den Kinderwagen bugsieren, mit zwei Babys draußen unterwegs sein und während das eine, das den Kinderwagen hasst, bereits in der Trage sitzt hoffen, dass das andere nicht auch anfängt zu brüllen.

Von versetzten Schlafphasen ganz zu schweigen – da bekommt die Plattitüde Schlafen, wenn das Baby schläft noch einmal einen ganz anderen Beigeschmack. Gegenfrage: Welches? Denn sie haben nicht immer gleichzeitig geschlafen. Zudem war klar: Der Mann würde auch nicht noch einmal sechs Monate Elternzeit nehmen, ich wäre also ziemlich schnell auf mich gestellt mit der Quadratur der Zwillinge. Oder so ähnlich. Sicherlich, irgendwie hätten wir es geschafft, das tun andere auch, denn es gibt sie ja immer wieder, die doppelten Doppelkinder. Aber es hätte uns wohl viel Kraft gekostet.

Mein Leben ist jetzt ein anderes, als in der ersten Schwangerschaft

Zwar hatte ich wirklich eine körperlich absolut unbeschwerte Zwillingsschwangerschaft – so unbeschwert es sich halt so lebt, wenn man irgendwann fast 6 Kilogramm an Kindern zuzüglich Versorgungstrakte und Fruchtwasser vor sich herumträgt. Doch wäre das im Wiederholungsgang wohl noch deutlich unkomfortabler gewesen. Denn mein Leben ist durch die beiden Kinder, die bereits da sind, heute ein ganz anderes als vor viereinhalb Jahren. Da gab es mich, den Mann und eine sehr alte Katze, die so klug war, vor der Geburt der Zwillinge aus dem Leben zu scheiden – sie wäre nicht besonders glücklich geworden in diesem Babychaos. Es war also ruhig. Immer Zeit, mich auszuruhen, eine stattliche Kuhle ins Sofa zu sitzen oder zu liegen, Serien bis zum Niedergang des Tablet-Akkus zu gucken oder einfach nur zu schlafen.

Daran ist nun eigentlich so gut wie nie zu denken. Und es ist okay. Es geht mir gut und mein Körper bewältigt auch diese Schwangerschaft wirklich prima. Gleichwohl ist es natürlich anstrengend mit zwei Vierjährigen, die meine Zuwendung und Aufmerksamkeit brauchen. Mit einer Selbstständigkeit, die ich liebe und in die ich von Herzen gerne viel Kraft investiere. Das alles geht und ging in den letzten Monaten wirklich, wirklich gut. Selbstredend, es gab Tage oder auch ganze Phasen – etwa im ersten Trimester mit all der Übelkeit – die waren nicht witzig. Und schon gar nicht, wenn man beachtet, dass wir keine Großeltern in der Nähe haben, die mal eben einspringen können. Doch es war machbar. Und zwar viel, viel besser als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Unterschiede zwischen den Schwangerschaften

Lange Zeit taten sich die Schwangerschaft körperlich eigentlich kaum etwas. Mir war mit einer Bohne im Bauch nicht weniger übel als mit zweien. Es dauerte dieses Mal sogar noch ein wenig länger, bis ich mich wieder besser und fitter gefühlt habe, vermutlich, weil das alltägliche Pensum einer Mama einfach ein anderes ist als das der Vergangenheits-Juli, die noch keine Kinder hatte. Auch das Sodbrennen plagt mich nicht weniger als vor vier Jahren.

Nun, gegen Ende, sehe ich deutliche Unterschiede – wenn auch nicht unbedingt optisch, weil der Bauch wieder ziemlich groß ist. Aber für den Fall, dass ich das mal vergesse, werde ich ja von Dritten daran erinnert. Besser gesagt, spüre ich die Unterschiede. Ich habe noch deutlich mehr Energie als in der Zwillingsschwangerschaft, bin aktiver und belastbarer. Allerdings ist es auch deutlich kühler nun im Herbst, im Gegensatz zum August 2015, der mich an manchen Tagen befürchten ließ, das Fruchtwasser könne anfangen zu sieden.

Hochschwanger im Urlaub – das hätte es in der Zwillingsschwangerschaft nicht gegeben.

Der Einlingszwuckel zwackt mir weniger Energie ab als die Doppelbabys, doch wollen die – mittlerweile Vierjährigen – natürlich auch bespaßt werden. Aber gemeinsam mit dem Mann funktioniert es. Dafür kann ich mich nicht entsinnen, dass die Zwillinge im dritten Trimester noch so in meinem Bauch randaliert hätten – vermutlich mangelte es ihnen dafür schlichtweg an Platz. Den Raum, den die beiden geschaffen haben, schöpft ihr kleiner Bruder derzeit noch ziemlich aus. Auch wenn das manchmal ziemlich unangenehm ist, so weiß ich doch immer, dass er putzmunter ist.

Ein Baby im Bauch trägt sich leichter

Es ist einfach anders mit einem Baby im Bauch. Aber mein ganzes Leben ist mittlerweile eben auch anders. Vergleiche hinken deswegen immer ein wenig. Und so dankbar ich für die Zwillinge bin, so dankbar bin ich jetzt, die Mama-Erfahrung mal mit „nur“ einem Baby machen zu dürfen. Ein Baby stillen, ein Baby tragen, ein Baby schuckeln, baden und füttern. Ein Baby, das zahnt, schlechter schläft als seine großen Brüder es mittlerweile tun und ein Baby, das krank wird und Phasen hat. Während es schon zwei weitere Kinder gibt. Ich bin gespannt, ich habe Respekt und ich bin dankbar für den Verlauf dieser Schwangerschaft und alles, was noch vor uns liegt.

PS: Zum Endspurt der Einlingsschwangerschaft und zur Geburt werde ich noch ein paar Dinge schreiben, wenn die Zeit dafür gekommen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.