Wochenbett 2.0 – beim dritten Kind ist alles anders?

Der Bauch wurde runder, das Baby darin größer. Natürlich, meine Gedanken kreisten häufiger um die Geburt und was mich wohl erwarten könnte. Doch viel öfter beschäftigte mich das bevorstehende Wochenbett, die Zeit nach der Entbindung.

Ich hatte großen Respekt vor diesen ersten Tagen und Wochen mit unserem dritten Kind. Klar, da sind die Zwillinge, die einen großen Teil der bislang für sie reservierten Aufmerksamkeit fortan würden teilen müssen. Und die damit einhergehende Herausforderung an mich, das irgendwie so zu bewerkstelligen, dass es allen irgendwie gut geht, den Kindern und mir und dem Mann. Doch was mich wohl am meisten triggerte war die Erinnerung an mein erstes Wochenbett, das Wochenbett mit den Zwillingen.

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Ich war überwältigt. Von der Liebe, von der Dankbarkeit dafür, zwei solch kostbare Geschenke vom Leben bekommen zu haben, aber auch von den Bedürfnissen unserer Söhne. Ich war oft so unfassbar erschöpft und ausgepowert von dem Alltag mit zwei sehr gefühlsstarken und reizoffenen Säuglingen. Die ersten Wochen, in denen ich kaum geschlafen, dafür aber umso mehr gestillt, geschuckelt und mit dem einen oder anderen Baby im Arm durch die Wohnung gepilgert bin, waren hart. Meine Gefühle schwappten oft über, ich war selbst bald ziemlich überreizt und vor allem war ich übermüdet.

Anfangszeit gemeinsam bewältigt

Wir haben diese Zeit bewältigt. Gemeinsam. Als Paar. Mit unserer Hebamme. Mit unserer Familie und unseren Freunden. Mit jeder Lebenswoche wurde es irgendwie einfacher – auch wenn wir gefühlt oft einen Schritt vorwärts und zwei zurück gegangen sind, beim Zahnen, bei Entwicklungssprüngen oder während fieser Tage und Wochen mit zwei Kindern, die Infekte wie einen Staffelstab aneinander weiterreichen.

Magische erste Zeit?

 

Dennoch wurden die Erinnerung mit jeder Schwangerschaftswoche, die ins Land zog, wacher. Und ich war manchmal schon etwas verunsichert. Was sollte werden, wenn Nummer 3 mich so viel Kraft kosten würde, dass ich dauerhaft extrem erschöpft und dünnhäutig und als Mutter für zwei Vierjährige aufgrund akuter Matschigkeit in Kopf und Seele nicht all zu gut zu gebrauchen wäre?

Ängste und Sorgen nicht zu groß werden lassen

Ich übte mich darin, mir selbst Mut zuzusprechen, Ängste nicht zu groß werden zu lassen und mir meine Werkzeuge zu vergegenwärtigen, die mich stark machen und ausbalancieren. Ich hatte so viel dazugelernt in den bisherigen Jahren meines Mama-Daseins, mir so viele Strategien erarbeitet, auch durch anstrengende Zeiten verhältnismäßig kraftvoll hindurchzugehen. Daran erinnerte ich mich selbst, wenn die Sorgen mal wieder zur Stippvisite anklopften.

Außerdem machte ich mir klar, dass ich mir darum immer noch Gedanken machen könnte, wenn es tatsächlich so kommen sollte, wenn meine Befürchtungen sich bewahrheiten sollten. Ich würde dann geeignete Maßnahmen ergreifen und wir würden es durchstehen.

Der Körper muss heilen

Wie meistens im Leben kam es anders. Meine Sorgen waren unberechtigt. Das bedeutet nicht, dass mein zweites Wochenbett stets ein Spaziergang war. Nach einer Geburt – ganz egal, ob natürlich oder per Sektio – muss der Körper heilen. Die Seele muss das Erlebte verarbeiten und die Familie darf sich auf einen neuen Menschen in ihrer Mitte einstellen. Das braucht Zeit und kostet eben manchmal ein paar Tränen.

Ich kann allen Frauen nur empfehlen, sich im Wochenbett wirklich zu schonen, gut für sich selbst zu sorgen und sorgen zu lassen. Ich dachte während der ersten Tage, dass ich das ausreichend tue, der Milchstau, den ich nach fünf Tagen hatte, hat mich eines besseren belehrt. Danach habe ich mehr auf meinen Körper gehört, habe wieder mehr an den Mann abgegeben und mich mehr hingelegt.

Instagram kann die Realität verzerren

Immer wieder sehe ich bei Instagram Bilder und Stories von ganz frischgebackenen Mamas, die durch Möbelhäuser laufen oder den Kinderwagen mit dem Neugeborenen durch den Zoo schieben. Es ist schön, wenn es einem nach der Geburt so gut geht, aber das ist nicht die Regel – im Gegenteil. Außerdem ist es fraglich, ob eine Frau, die gerade eine Kind geboren hat, und ein Säugling, der eben erst den behüteten Mutterleib verlassen hat und noch in der Welt ankommen darf, unbedingt schon ein Ausflugsprogramm benötigen. Ich bin sehr dafür, sich damit ein bisschen Zeit zu lassen, sich so gut es geht Zuhause einzuigeln und beieinander anzukommen. Wir haben auch keine großartigen familiären Unterstützungsmöglichkeiten und haben das im Rahmen unserer Möglichkeiten gemacht.

Behütet im Wochenbett.

Achtet auf euch, achtet darauf, welche Menschen ihr in diesen ersten sensiblen und auch magischen Tagen sehen wollt und wie ihr diese unwiederbringliche Zeit verbringen möchtet. Mein zweites Wochenbett ist wie der Wind verflogen und ich bin fast ein wenig wehmütig, dass der Alltag uns so schnell wieder eingeholt hat. Der Mann hatte fast drei Wochen Urlaub – ich finde, das ist prinzipiell ein sehr kurzer Zeitraum, sowohl was die Unterstützung angeht als auch die Kennenlernzeit für Vater und Baby.

Doch ich weiß auch, dass es in vielen Familien kürzer ausfällt. Wir haben uns aus ganz bestimmten Gründen für diese kurze Zeit im Gegensatz zu beispielsweise zweimonatiger gemeinsamer Elternzeit oder ähnlichem entschieden, auf die ich beizeiten noch näher eingehe. Sie hat das Wesentliche aufgefangen, der Mann konnte sich intensiv um die großen Geschwister kümmern und mich ein bisschen umsorgen.

Weitere Infos zu meinem Wochenbett und zu dem, was uns unterstützt hat, kannst du dir im Podcast anhören.

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