Tipi, Tipi Yeah! Zelt aus Zweigen bauen

Wir sind ja seit vergangenem Sommer Kleingärtner. So richtig schön mit Parzelle, Laube und Nachbarn, die ihren Rasen mit der Nagelschere schneiden. Wir sind gewissermaßen die Outlaws in der Anlage, die von der Kleingarten-Verordnung nicht so richtig viel Ahnung haben. Weil wir aber stets bemüht sind, freundlich grüßen und Eltern niedlicher Zwillinge sind, ist man uns wohlgesonnen. Ich bin gespannt, bis zu welchem Dezibel-Level die Kinder ihren Niedlichkeitsbonus ausschöpfen können, ehe man uns mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Verein jagt. Doch bislang fühlen wir uns alle miteinander ziemlich wohl.

Kleingarten
Schön wild.

Unser Garten war ein verwilderter, dezent vernachlässigter Flecken Erde, auf dem in den Jahren, bevor wir ihn adoptiert haben, bestenfalls gelegentlich der Rasen gemäht wurde. Oder das Moos und die Gänseblümchen. Denn Wiese wächst bei uns vornehmlich in den Beeten. Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick: wilde Brombeerbüsche, Apfelbäume, eine rote Hütte mit fließendem Wasser und Bullerbü-Charme, Sträucher und eine alte Birke. Das ganze auf einem Randgrundstück, umgeben von hohen Bäumen – es war sofort um mich geschehen. Auch der Mann hat nicht lange gefackelt und so wurden wir binnen weniger Wochen Kleingärtner. Ich finde ja, das hat nicht nur allein wegen der verbalen Ähnlichkeit oft etwas mit „kleinlich“ zu tun, aber wie gesagt: Wir sind da etwas anders und unser Umfeld bislang sehr tolerant.

Die Obstbäume auf Parzelle 8 haben in den letzten Jahren dasselbe gemacht wie das Unkraut: Sie wucherten, was das Holz hergab. Wir hatten im vergangenen Herbst genau einen Apfel und fünf Pflaumen. Der Apfel hat noch am Baum angefangen zu faulen und an den Pflaumen haben sich die Vögel bedient. Guten Appetit. Aber immerhin hatten wir massenhaft lange Zweige und Äste, die im Frühjahr einer großen Schnitt-Aktion zum Opfer gefallen sind. Oder wie ich es einer Freundin gegenüber beschrieb: „Ich habe die letzten drei Stunden Bäume abrasiert, es geht mir hervorragend!“ Und so war es auch.

Garten-Therapie

Wann immer mein Kopf mal wieder zu viel denkt und der Stress, den unerledigte Aufgaben, Ideen und Projekte bei mir auslösen, meinen Blutdruck in die Höhe preschen lassen, bietet so ein Garten eins: Soforthilfe. Therapie. Notfallversorgung. Einfach mal ein Stündchen im Beet wühlen, und schon geht es mir besser. Immer. Der Garten ist ausbruchssicher, zumindest für Zweijährige, die Hütte hat Licht und eine Schlafmöglichkeit – wenn sie sich nicht gerade wie derzeit im Umbau befindet. Man könnte also gut und gerne seinen Sommerurlaub in unserer Laube verbringen. Bei Interesse bitte nachhaken, Ende Juli wäre noch was frei.

Tipi in der Mache.

So verfügten wir also plötzlich über erhebliche Mengen an Baumschnitt, lange, elastische Triebe, über deren anschließenden Verwendungszweck ich mir eine zeitlang noch nicht sicher war. Einen Naturzaun finde ich chic. Doch bei aller Masse – dafür reichte es noch nicht. Also haben die Zwillbos und ich eines Nachmittags kurzerhand begonnen, ein Tipi daraus zu bauen. Ohne Vorlage und Anleitung.

Bauen mit Kindern

In der Praxis sah es zwar eher so aus, dass sich der Zweitgeborene mehr oder weniger dauerhaft darüber beklagte, dass ich ihm keine Motorsäge aushändige. Währenddessen rückte der Erstgeborene der Rinde des Apfelbaums, unter dem das Zelt aus den Baumtrieben und -ästen entstehen sollte, mit einer ausrangierten Grillzange zu Leibe. Naja, wir Eltern wissen: Es geht schlimmer.

Ich suchte mir also lange, kräftige Triebe aus dem Schnitt heraus und stutze sie mit einer Rosenschere ein wenig zurecht, passt die Länge an und entfernt pieksige Zweige. Die dickeren Enden bohrte ich in die Erde – hier kann es helfen, zuvor mit einer kleinen Schaufel oder einem Spaten einen runden Graben zu ziehen. Allerdings ist bei uns der Boden so locker, dass das nicht nötig war.

Rückzugsort

Die dünneren Enden lehnt ich an einen unteren Zweig des Apfelbaums, um dem Ganzen noch mehr Stabilität zu geben. Außerdem spendet der Baum dem Zwillbo-Rückzugsort auf diese Weise im Sommer angenehmen Schatten. So baute ich erstmal einen Kreis mit etwa anderthalb Metern Durchmesser. Die Äste hatten circa 10 bis 20 Zentimeter Abstand, den ich später mit dünneren Zweigen aufgefüllt habe. Die Enden der Zweige bündelte ich oben, damit ein spitzes Dach entsteht.

Baumhaus unterm Baum.

Schon während des Baus des Grundgerüsts habe ich die Enden nach Möglichkeit ein wenig miteinander verwoben, um dem Tipi mehr Stabilität zu geben. Im nächsten Schritt wurden dünne, biegsame Zweige durch das Gerüst der stabileren Triebe gewebt. So entstand ein Sichtschutz für das Kinder-Versteck und das Zelt aus Holz kann Wind und Wetter besser trotzen.

Es grünt allmählich.

Anschließend habe ich ringsherum Knöterich gepflanzt, der an den Außenwänden emporranken kann. Knöterich wuchert wie wild und blüht schön – so haben auch die Bienen etwas davon. Mit der Zeit wächst so eine wunderbare kleine Höhe zum Picknicken, Bücher anschauen und Verstecken. Anstelle des Knöterichs eignen sich natürlich auch sämtliche anderen Rankpflanzen, inklusive Efeu und Bohnen – dann hat man sogar noch etwas zum Ernten.

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