Nächster Halt: Mutterschutz

Jetzt ist es also so weit: Ich nehme Abschied von meiner Arbeit, von meinem Arbeitsplatz und von meinen Kollegen. Als es mir zu Beginn der Schwangerschaft so unfassbar übel ging, hätte ich mir nicht vorstellen können, in die Redaktion zurückzukehren, jeden Tag 75 Kilometer hin und zurück zu fahren und dazwischen acht Stunden Zeitung zu machen. Doch ab der 14. Schwangerschaftswoche ging genau das wieder. Und nicht nur das. Ich habe nicht nur am Schreibtisch gesessen und Nachrichtenseiten produziert, ich hab sogar noch ein paar Termine gemacht, Geschichten mit nach Hause gebracht.

Interview tippen.

Das alles hat mir verdammt gut getan, denn ich bin Journalistin mit Leib und Seele. Das gehört zu mir, das bin ich. Reden, schreiben, Menschen ausfragen, jeden Tag etwas Neues lernen und erfahren. Das durfte ich jetzt die letzten…vermutlich sieben Jahre tun. Drei davon in einem Verlag im Münsterland. Herrlich, für mich als Ruhrpott-Mädchen war der Eintritt ins Herz von Westfalen fast wie eine Mondlandung – und für die Westfalen war ich vermutlich die menschgewordene Apollo 11. Die Menschen, mit denen ich fortan zu tun hatte, dachten höchstwahrscheinlich nicht nur einmal „Was ist denn das für eine aufgekratzte Quasselstrippe?!“. Doch alles in allem war es ziemlich wundervoll.

Ein Hoch auf meine Kollegen

Dass es so wundervoll war, liegt vor allen Dingen an meinen Arbeitskollegen. Die vergangenen anderthalb Jahre verbrachte ich am News Desk – Politik, Zeitgeschehen, Wirtschaft ist da das Tagesgeschäft. Und an den allermeisten Tagen auch jede Menge Spaß. Man stelle sich gut zwölf eloquente und wortgewitzte Menschen auf einem Haufen vor – wenn auch nicht immer gleichzeitig. In gewissen Personalkonstellationen reichte ein Wort oder ein Satz und die Assoziationsketten schossen nur so durch den Raum – gerne auch verwoben mit einer stattlichen Portion Sarkasmus in Bezug auf das Weltgeschehen, anders verkraftet man diesen Job wohl leider nicht. Kurz um: Wir hofften eigentlich jeden Tag aufs Neue, dass uns niemand abhört und den Verlag wegen grober Geschmacklosigkeit Witzigkeit verklagt.

Heimat.

Leute, schön war’s mit euch! Wer hätte gedacht, dass ich nach vier Jahren Lokaljournalismus im Pott und einem Volontariat tatsächlich mal so etwas wie eine – zumindest nach außen hin – seriöse Nachrichtenredakteurin werde? Ich wohl am allerwenigsten.

Schon bevor sich die Zwillbos angekündigt haben, gabs im Verlag für Familienangelegenheiten immer ziemlich viel Verständnis und Unterstützung, das ist keineswegs selbstverständlich. Aber auch in den vergangenen Monaten haben meine Kollegen mir ziemlich den Rücken gestärkt, und herrlich mitgefiebert. Sie sind nicht müde geworden im Ultraschallbilder-Angucken und Nachrichten aus dem Bauch anhören. Hätte ich mich, wie vom Arzt vorgeschlagen, gleich aus dem Verkehr ziehen lassen, hätte ich einiges versäumt.

Der Bauch sagt Nein

Ich wollte immer so lange arbeiten gehen, wie es sich für meinen Körper gut und richtig anfühlt. Wenn es nach meinem Kopf gegangen wäre, hätte ich das auch noch vier Wochen länger durchgezogen. Allerdings kam dann so ziemlich von heute auf morgen der Punkt, an dem ich gespürt habe, dass mich das Wachstum meiner Bauchmitbewohner nahezu jeden Funken meiner Energie kostet. Und mit Kreislaufbeschwerden klemmt sich selbst ein Dickschädel mit Dickbauch morgens und abends nicht mehr jeweils 50 Minuten hinters Lenkrad (ich hab ziemlich lange Arme, rein anatomisch hätte das bestimmt geklappt), schließlich geht es nicht mehr länger nur um mich.

Was mich nun in meinem vorzeitigen Mutterschutz erwartet? Ich weiß es nicht genau… Ich arbeite, seit ich 16 Jahre alt bin und habe es immer sehr gemocht. Ich wäre eine ganz, ganz lausige Arbeitslose, weil ich eine Aufgabe brauche, wir Menschen möchten uns eben irgendwie wichtig fühlen. Jetzt lautet der Auftrag wohl, die beiden kleinen Kerle auszubrüten, und wenn sie dann da sind, wird vermutlich nicht viel Zeit bleiben, weiter darüber nachzudenken.

Jetzt ist es also soweit. Die Zeit, von der ich früher immer nur gesprochen habe… „Wenn ich mal Mama werde…“.

Liebes Westfalen, vergiss mich nicht! Man sieht sich immer zwei Mal im Leben…

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Thorsten Bothe sagt:

    Schnüff…. da wird man ja noch sentimentaler, wenn man das liest… Mach(t) et jut, Ihr eins/drei/vier! Und wir sehen uns – sicher!!!

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    1. doppelkinder sagt:

      Plane noch eine große Nussecken-Offensive nach dem 21. Juni!!!

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      1. Thorsten Bothe sagt:

        OOOoooooooouuuuuuhhhh!! Rechtzeitig ankündigen bitte, damit ich auf jeden Fall dabei sein kann und vorher nichts esse!!! 🙂 🙂

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      2. doppelkinder sagt:

        Das mache ich! Versprochen! 🙂

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  2. zwillingerig sagt:

    Ach Mensch, das kann ich alles so gut nachvollziehen. Erstmal schön zu lesen, dass du auch „was mit Medien“ machst ;-). Liest man doch immer raus, wenn jemand weiß, was er da tut!

    Ich habe auch lange durchgehalten und immer beim Frauenarzt dafür gekämpft, weiter arbeiten zu dürfen. Schließlich habe ich mich auch ergeben, man muss auf den Bauch hören (im wahrsten Sinne des Wortes). Und was soll ich sagen? Zehn Tage später waren meine beiden Mäuse auf der Welt — neun Tage, bevor mein Mutterschutz offiziell begonnen hätte und drei Tage, bevor ich in der Firma Kuchen ausgeben wollte ;-). Ich drück fest die Daumen, dass deine Jungs ganz lange durchhalten!

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    1. doppelkinder sagt:

      Hahaha, danke dir!

      Das will ich denen geraten haben, die sollen bloß noch ein bisschen wachsen. Allerdings bin ich auch heilfroh, wenn ich – hoffentlich – wieder mehr Energie habe. Eigentlich kann ich mich nicht beschweren, hab bislang kaum Wehwehchen, aber diese Erschöpfung macht mich wahnsinnig! Bitte sag, mir dass das nach Geburt besser wird (oder lüg mich an)!!!! 🙂

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      1. zwillingerig sagt:

        Ich denk mal, das hängt davon ab, wie gut deine Jungs schlafen 😂. Unsere haben ja buchstäblich geschlafen wie Babies. Von daher war die Energie auch recht schnell wieder da 😊 (verschwiegen: nachdem ich die zwei Liter Blutverlust verdaut hatte 😜)

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