Der neue Mitbewohner – oder: Wir haben jetzt eine Wichteltür

Wir haben einen neuen Mitbewohner. Er ist einfach heimlich still und leise hier eingezogen, ohne dass vorher irgendwer etwas geahnt hätte. Naja, so ganz stimmt das nicht. Zumindest die Hälfte der Familie war informiert. Aber es ist ein angenehmer Typ. Er ist klein, nimmt nicht viel Platz weg, hat gute Manieren und ist äußerst zurückhaltend. Er ist quasi direkt mit seiner Tür ins Haus – oder besser gesagt – in unsere Diele gefallen. Wir haben nämlich jetzt eine Wichteltür. Und dahinter wohnt – natürlich: ein Wichtel. Ein Weihnachtswichtel.

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Wie so oft verhielt es sich damit wie folgt: Als ich durch meinen Instagram-Feed huschte, sah ich bei meiner geschätzten Blogger-Kollegin Alex von Reges Lebendas Bild einer Wichteltür. „Ach Mensch, wie niedlich!“, war mein erster Gedanke. „Will ich auch!“, war der zweite. Wer meinen vorherigenWeihnachtsartikelgelesen hat, weiß, dass ich derzeit dezent eskaliere und eine private Umschulung zur Adventsfachkraft absolviere.

Es ist die erste Vorweihnachtszeit, die die Zwillinge im Kleinkindalter bewusst wahrnehmen. Und ich selbst schaue gewissermaßen durch ihre Augen noch mal mit einem völlig neuen Blick auf diese zauberhaften und geheimnisvollen Wochen. Da kam mir der Wichtel gerade recht.

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Gestatten? Weihnachtswichtel!

Wann immer es bei uns zu Hause um Neuanschaffungen geht – auch Wichtel fallen in den heutigen Zeiten darunter, denn offenbar ziehen sie nicht mehr so ohne Weiteres von selbst in Großstadthäuser ein – stimme ich mich basisdemokratisch mit dem Mann ab. Es sei denn, mir saß in der Stadt für eigene Textilien das Portemonnaie zu locker. Dann neige ich schon mal zu Vertuschungsaktionen („Nein, das habe ich schon ganz lange!“; „Nein, so neu ist das nicht.“; „Das war ganz günstig, ich weiß aber noch gar nicht, ob ich es behalte…“).

Bogen überspannt?

Jedenfalls zeigte ich dem Zwillingspapa das Bild von der Wichteltür. Dabei setzte ich intuitiv das mir genetisch einprogrammierte „Oooooh, guck mal, ohne dieses oder jenes kann ich unmöglich weiter existieren“-Gesicht auf. Innerlich war ich schon auf den Austausch harter Argumente [beide] und anschließendes Trotzen und Schmollen [ich] eingestellt. Ich rechnete fest damit, dass er mir nach dem ganzen Krippen-Sterne-Zimt-Kerzen-Tannen-Hokuspokus der vergangenen Tage einen stattlichen Vogel zeigen würde.

Wie Frauen sich doch irren können! Es stahl sich ein Blitzen in seine Augen, so als hätte sein inneres Kind gerade höchst persönlich eine Wichteltür entdeckt. „Ich schaue dann mal, wo wir eine hübsche und günstige finden können“, sagte ich, die Woge der männlichen Begeisterung surfend. „Nix da“, entgegnete die Wellenmaschine, „die baue ich selber!“ Wichteltüren sind in diesem Hause also Chefsache. Ich war gespannt.

Wenig handwerkliches Geschick – bei mir

Bei allem Ideenreichtum, doch in Sachen handwerkliches Geschick ist mein Talent eher rudimentär ausgeprägt. Wenn ich einen winzigen Nagel in die Wand haue, hat man danach einen Durchbruch. Und im Werkunterricht hat der Lehrer stets weggeguckt, wenn ich ihm das gleiche Stück unter die Nase hielt, das in der vorherigen Woche einer meiner Klassenkameraden zur Abnahme vorgezeigt hatte. Ich hatte meine Drei und er seine Ruhe.

Es folgte eine Phase, die ich an meinem Mann sehr liebe: Er versenkte sich in jeder freien Minute in die Themenrecherche. Er googelte, fertigte Skizzen an, nervte Modellbauer und konsultierte Puppenhausfachgeschäfte. Ich hatte schon beinahe die Sorge, dass der Einzug des Wichtels für 2018 anberaumt werden musste. Da präsentierte er sie mir eines Abends im noch jungen Dezember.

Basteln mit Heißklebepistole, Ikea Babyfon Family Card
Mit Heißkleber und Babyfon im Einsatz: der Zwillingspapa.

Aus ungenutzten Cakepop-Holzstielen hatte er eine Plankentür gezimmert. Beziehungsweise hatte er die Stiele nebeneinander auf stabilen Karton geklebt und besprüht. Aus einem verwaisten Laminatbrett hatte er einen Rundbogen ausgesägt, der die kleinen Planken einfasst. Und über einen Internethandels für Puppenhausbedarf war an er einen winzigen Türklopfer und einen Türknauf gekommen.

Kindersichere Anbringung ?

Ich war entzückt. Jetzt muss ich gestehen, dass ich keine Ahnung habe, wie andere Leute ihre temporären Wichteltüren fixieren. Bei uns soll der Mitbewohner nämlich nur zur Adventszeit aufkreuzen. Uns war jedoch klar: Die Tür muss niet- und nagelfest sitzen, da wir mit zwei Kleinkindern zusammenleben, deren Erkundungsdrang vorzüglich ausgeprägt ist. Die Zwillbos würden alles in ihrer Macht stehende tun, um einen Blick hinter die Tür zu werfen.

Also griff der Mann zur Heißklebepistole und pappte das Teil kurzentschlossen an die Wand. In diesem Jahr ist das kein Problem, da die Diele auf einen neuen Anstrich wartet. Im nächsten Jahr müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Weil unsere Fußleisten verhältnismäßig hoch sind, zimmerte er noch kurzerhand eine kleine Leiter aus zwei Stöcken und weiteren Holzstielen – fertig war der Winterwohnsitz unseres Wichtels.

Astrid Lindgren-Bücher für Kleinkinder
Bildungsauftrag: Literarischer Zirkel für den Wichtel.

Am nächsten Morgen war ich selbst völlig aus dem Häusschen vor Aufregung. Ich sagte erstmal nichts und ließ die Jungs nach dem Aufstehen selbst entdecken, dass wir über Nacht einen Neuzugang bekommen haben. Dank Astrid Lindgrens Büchern von Tomte Tummetott sind die Zwillbos in der Wichtel-Materie ziemlich sattelfest. Auch wenn der Lindgrensche Hausgeist bei uns nur “Timmetott” genannt wird und aus „Wichtel“ gerne mal „Michel“ wird. Aber das soll sich ein zweijähriger Kopf auch erstmal alles merken!

Verpflegung für den Hauswichtel

Die Tür war nun also da, jetzt kamen die Eltern ins Spiel. Wir schlugen vor, dem Wichtel abends ein Glas Milch und ein paar Kekse hinzustellen. Schließlich weiß ja wohl jeder halbwegs wichtelkundige Mensch, dass diese Spezies sich nur nachts blicken lässt, wenn alles schläft. Morgens sind stets – wie von Zauberhand – nur noch ein  paar Krümel auf dem Teller zu finden und das Glas ist leer. Nun, ich formuliere es mal so: In der Regel denken wir daran, dem Winzling abends einen kleinen Teller und einen Becher hinzustellen. An allen anderen Tagen bedient er sich hoffentlich selbst am Kühlschrank.

Die Zwillbos haben auch schon einen kleinen Brief von ihrem Wichtel bekommen, und hin und wieder steht morgens eine kleine Überraschung vor der Tür: ein Dekostern aus Holz oder ein neues Schleichtier zum Beispiel. Wir wollen ihm jetzt mal gemeinsam einen Brief schreiben, um in Erfahrung zu bringen, ob er wirklich Timmetott heißt, und ihn fragen, ob er die Wunschzettel an das Christkind weiterleiten kann. Es ist ja immer gut, Beziehungen zu haben.

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Wichtelspuren im Mehl – woher auch immer das gekommen ist, aber das hinterfragen die Zwillbos noch nicht.

Kleine Fußspuren, die seltsamerweise den gleichen Fußabdruck wie Bob der Baumeister aus der Spielzeugkiste hatten, hat er auch schon im Mehl hinterlassen. Den Staubsauger kann er allerdings offenbar nicht bedienen. Ich habe noch ein Buch zu unserer Tür bestellt, damit die Kinder sehen können, wie es mit anderen Wichteln so abläuft – Fachwissen schadet schließlich nie. Ich bin gespannt, wie sich unsere Wichteltür-Tradition in den nächsten Jahren etabliert und weiterentwickelt!

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