Special: Menschenhandel und Zwangsprostitution – in Deutschland kein Thema?

Als ich 2012 das erste Mal von Sklaverei, Menschenhandel und Zwangsprostitution in Deutschland gehört habe, und dass es in Deutschland ein so großes Problem sein soll, dass es NGOs gibt, die dagegen ankämpfen, konnte ich es kaum glauben. Doch haben verschiedene politische Entscheidungen und Umstände dazu geführt, dass Deutschland nicht umsonst „das Bordell Europas“ genannt wird.

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Jetzt geht es dir vielleicht wie mir früher: Ich habe Prostitution bagatellisiert. Als „ältestes Gewerbe der Welt“. Als zu großen Teilen freiwillig gewählter Weg. Als eine Erscheinung, die zwar irgendwie am Rande der Gesellschaft stattfindet – oder am Rande meiner Wahrnehmung – aber doch irgendwie gesellschaftlich anerkannt ist. Oh wie ich mich getäuscht habe. Oder täuschen wollte.

Bilder: Nina Strehl

Heute weiß ich es besser: Menschenhandel und Sklaverei sind keine Themen aus dem Mittelalter. Menschenhandel und Sklaverei geschehen vor unseren Augen und doch sehen wir nicht hin. Es mag einen gewissen Prozentsatz an Frauen geben, die in der Prostitution einen Beruf finden, mit dem sie sich wohlfühlen. Doch ist dieser verschwindend gering.

Milliarden-Umsätze in Deutschland

Zwangsprostitution ist ein florierender Zweig, der jährlich Milliarden von Euro umsetzt – in Europa und auch in Deutschland. Der Verein Windrose e.V. aus Düsseldorf kämpft gegen den modernen Menschenhandel an. Wenn du ein Superheldinnen-Armband trägst, hast du die Arbeit von Windrose schon unterstützt, weil ein Teil unserer Spenden dem Verein zugute gekommen ist. Ich selbst unterstütze Windrose, weil diese Frauen, für die wir uns stark machen, Mütter und Töchter sind. Wie wir. Wie du und ich.

Windrose hat verschiedene Arbeitsfelder, über die ich im Interview mit Kerstin Schmitt, Erste Vorsitzende des Vereins, gesprochen habe. Dazu gehören die aufsuchende Arbeit, im Rahmen derer das Team Frauen in Bordellen und Wohnungen besucht, die zur Prostitution angemietet worden sind – einfach, um zu zeigen, dass es Menschen sind, die Bescheid wissen und die die Frauen und jungen Mädchen nicht vergessen haben.

Mädchen und junge Frauen schützen

Außerdem gibt es ganz viel aufklärende Arbeit, denn durch die Loverboy-Methode sind auch deutsche Jugendliche von der Thematik betroffen. Simpel gesagt suchen damit junge Männer gezielt nach Mädchen in unsicheren Lebenssituationen, um sie durch manipulativen Beziehungen in die Prostitution treiben.

Auch das ist wieder ein Thema, von dem ich zunächst nicht glauben konnte, dass dafür in Deutschland Projekte notwendig sind. Doch die Erfahrung der Multiplikatoren, die die Schulen besuchen zeigt: An jeder Schule, an der Vorträge stattfinden, gab es bereits Kontakte zu derartigen Strategien oder sogar direkt Betroffene.

Schweigemarsch in 29 deutschen Städten

Kerstin erklärt, was der Verein tut und was jeder einzelne tun kann, um gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel vorzugehen und was wir tun können, um unsere Kinder zu schützen. Ganz konkret findet am 19. Oktober ein weltweiter Aktionstag gegen moderne Sklaverei statt, der „WALK FOR FREEDOM“. In Düsseldorf ist Windrose Teil des Organisationsteams dieses Schweigemarsches. Du kannst dich hier dafür anmelden – sofern mein Babybauch es noch zulässt, triffst du mich dort.

Der Walk unterstützt die Arbeit von A21, dem internationalen Projekt gegen Menschenhandel, und findet unter anderem in folgenden Städten statt: Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Stuttgart, Konstanz, Regensburg, Frankfurt am Main, München, Leipzig, Kempten und Lörrach. Komm vorbei, wir freuen uns auf dich!!!

 

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