Kinderkriegen – aber wo?

Je näher der errechnete Geburtstermin der Zwillinge rückt, desto klarer wird mir, dass die beiden wohl weder vom Storch noch von dhl gebracht werden – wobei letzteres bei der aktuellen Streiklage auch unschön wäre. Wer weiß, in welchem Zwischenlager meine Kinder dann am Ende ausharren müssten. Ich muss wohl also selbst an’ne Schüppe (wie man im Ruhrgebiet so schön sagt), denn auch der Kindsvater kann und will mir diese Aufgabe nicht abnehmen. Manchmal schreie ich mich innerlich an: „Du naives Huhn, du hast das mit dem Kinderkriegen nicht ganz zu Ende gedacht!“ Doch. Hab ich. Aber wie wohl jede Frau konnte ich den großen Showdown am Ende der Schwangerschaft bislang ganz gut verdrängen.

Orakel arbeitet unzulänglich 

Wenn man im achten Monaten mit Zwillingen schwanger ist, kann man sich jedoch so langsam getrost nach einem adäquaten Ort für die Niederkunft umsehen. Schließlich hört man monatelang vorher von allen Seiten, dass so ein Doppelpack gerne mal zu früh kommt. Auf die Frage „Wann entbindest du denn?“ oder „Wann kommen die beiden denn“ antworte ich mittlerweile nur noch mit „Das weiß ich nicht, da hat das Orakel versagt.“ Wir planungs- und kontrollwütigen Menschen wüssten nämlich auch eigentlich nichts lieber als das! Das wäre doch klasse, dann könnte man sich drauf einstellen, hätte an dem Tag keine wichtigen anderen Termine und würde es so einrichten, dass gerade kein Bundesliga-Spiel stattfindet oder man in den Feierabendverkehr gerät. Doch weiß ich spätestens seit unserem zweiten Ultraschalltermin, dass man mit der Entscheidung für Kinder jede Menge an Kontrolle abgibt. Dennoch gilt es, möglichst vor Einsetzen der Wehen, einige Überlegungen anzustellen.  Wo und mit wem will ich entbinden? 

  
Keine tausend Meter entfernt von unserem Hauptquartier befindet sich das Westfalenstadion ein riesengroßes Krankenhaus. Mit Frauenklinik, Fachärzten und Hebammen im Heerscharen. Eine Perinatalzentrum Level 1. Das hat für mich bislang immer nach Raketenstartbasis oder Katastrophenschutz geklungen. Seit die Zwillbos in meinem Bauch sind weiß ich, dass man dort auf kleine Menschen spezialisiert ist, die unfassbar früh zur Welt kommen. Hätte sich mein absoluter Alptraum bewahrheitet, wären wir wohl dort gelandet und es war beruhigend und beängstigend zugleich zu wissen, dass eine solche Institution quasi zu Fuß zu erreichen ist. Aber ich persönlich finde dieses gigantische Klinikum eher furchteinflößend und befremdlich. 

Am liebsten würde ich die Kinder unter der Regie von Frau Heb bekommen. Meine Hebamme ist nämlich eine Mischung aus Superheldin, Psychotherapeutin, Kabarettistin und Klassensprecherin – kurzum, sie bringt alle Kompetenzen mit, von denen ich vermute, dass ich sie unter der Geburt gut gebrauchen könnte. Sie würde mich beruhigen, mir aber auch eine runter hauen, wenn’s der Sache dient. Mit Frau Heb darf ich ab der 37. Schwangerschaftswoche  in dem Krankenhaus aufschlagen, mit dem sie als Beleghebamme einen Vertrag hat. Der Haken: Dort gibt es keine Kinderklinik. Sollten bei den Doppelkindern also vielleicht unvorhersehbare Komplikationen eintreten, müssten sie in ein anderes Krankenhaus verlegt werden. Das kostet Zeit. Und Nerven. Vor allem dann, wenn ich möglicherweise zuvor unters Messer musste und deshalb nicht gleich mit kann. Für jede werdende Mutter ist das wohl ein Horrorszenario. Deshalb bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich tatsächlich diesen Wege einschlage. Es gilt außerdem abzuwarten, ob die Jungs bis dahin mindestens ein Gewicht von 2500 Gramm erreicht haben. Jeder. Bei den derzeitigen Wachstumsschüben, die mich mich mehrmals am Tag in den Ruhemodus zwingen, mache ich mir darum allerdings keine all zu großen Sorgen.

Wer die Wahl hat…

Glücklicherweise ist der Ballungsraum Ruhrgebiet nicht nur mit Fußballclubs und ehemaligen Zechen dicht besiedelt, es gibt auch jede Menge Krankenhäuser in der Umgebung und damit viele Wahlmöglichkeiten. Eine davon ist eine kleinere Klinik, etwa 20 Minuten von hier entfernt. Dort geht man alles etwas alternativer an. Bis zu meiner Schwangerschaft war ich diesbezüglich unbesehen etwas anti. Einfach aus Prinzip. Mittlerweile finde ich den Gedanken, nicht bei allem sofort die chemische Keule oder das Skalpell zu zücken aber ganz gut. Zum Glück gibt es ja quasi für jede menschliche Überzeugung einen passenden Weg. Weil das alternative Krankenhaus eine Kinderklinik und eine Frühchenstation hat, bin ich jetzt ganz gut Freund mit der Idee, mir den Laden wenigstens mal anzusehen. Ich habe nämlich gehört, dass die einem dort bei Schmerzen auch härteres Zeug als Bachblüten und Globuli verabreichen. Und das finde ich neben der Aussicht auf medizinische Versorgung für meine Jungs ziemlich beruhigend. 

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Vanessa sagt:

    Du warst vorher schon schön, aber jetzt auch eine wunderschöne Zwillingsschwangere. Fühlt euch gedrückt.

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    1. doppelkinder sagt:

      Danke, du Schatz 😘😘😘

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  2. zwillingerig sagt:

    Also ich hab mich schon sehr früh für die Level-1-Klinik entschieden und es nie bereut. Ich bin mehr so der Sicherheits-Typ. Den Gedanken, meine Kinder würden eventuell in eine andere Klinik müssen, habe ich nicht ertragen. Und es wäre letztendlich ja auch genau so gekommen! Mir war die Wand zwischen meinem Zimmer und der Frühchenintensiv schon viel zu viel! Laut letztem Ultraschall bei der Ärztin hatten meine Mäuse angeblich auch je 2.100Gramm. Und als sie eine Woche später auf die Welt kamen, hatten sie 1.700 und 1.800Gramm. Ist halt alles nur geschätzt, bis sie da sind.

    Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Du wirst das schon rocken!

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    1. doppelkinder sagt:

      Ich auf jeden Fall froh, die Klinik hier um die Ecke zu wissen und dass das andere KH, das wir in Erwägung ziehen, auch eine frühchenstation hat. Ich würde da auch immer auf mein sicherheitsbedürfnis achten. Den Rest lasse ich noch ein bisschen auf mich zukommen, bzw entscheiden die Kinder das mit ihrem geburtstermin.

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  3. *haha* Wir hatten auch Pläne. Aber die Zwerge haben dann doch selbst entschieden und so waren wir ab 33+0 im der Universitätsklinik mit Neonatologie 😉 Ich drück Dir die Daumen, dass sich Deine Mäuse etwas Zeit lassen und Du da entbinden kannst wo Du es Dir wünschst!

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    1. doppelkinder sagt:

      Danke! Man ist ja mit jeder Woche etwas beruhigter – auch wenn sich niemand wünscht, dass die Kinder noch so lange in der Klinik sein müssen. Ich hoffe auch, dass die Jungs es nicht eilig haben. 😊

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  4. Nicolette sagt:

    Wahrscheinlich kommt der Termin so überraschend, dass Du im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bauch heraus entscheiden musst.. Vertrau einfach Deinem Gefühl, was dann richtig ist.

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    1. doppelkinder sagt:

      Das stimmt, und für den Fall haben wir unsere Optionen und damit geht’s mir gut 😊.

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