Offener Brief an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig 

Sehr geehrte Frau Schwesig,

ich bin Zwillingsmama. Zwillingsmama von Mads und Pepe, die ich im August vergangenen Jahres zur Welt gebracht habe. Zunächst war ich sehr erstaunt darüber, dass sich direkt zwei Kinder gleichzeitig dazu verabredet haben, in unsere Familie geboren zu werden. Dann war ich erfreut und stolz – und bin es noch. 

Um das Elterngeld habe ich mir zunächst gar nicht so viele Gedanken gemacht. Mads und Pepe waren winzig und brauchten dank Stillens und – ich nenne es mal sehr sparsamer Verdauung – nicht viel. Doch Mads und Pepe wachsen – so will es die Natur und so wollen wir es. Die Bedürfnisse der Kinder wachsen, Kleidung wird teurer, denn logischerweise sind dafür größere Mengen an Textilien notwendig. In unserem Fall stets doppelt so viele. 

Nun essen die Zwillinge Brei aus gesundem Gemüse und politisch korrektem Fleisch, unbelastetes Obst und trinken weiterhin Milch, die nach sieben Monaten nicht mehr aus eigener Herstellung stammt, sondern die ebenfalls zugekauft werden muss. Doppelt. Das alles hat seinen Preis. Allmählich wird uns immer deutlicher, dass zwei Säuglinge definitiv den doppelten finanziellen Aufwand bedeuten. Und nicht nur das. 

Sie sind selbst Mutter. Doch vermutlich weiß niemand, der es nicht selbst erlebt hat, was es bedeutet, zwei Baby gleichzeitig zu betreuen. Ich kann Ihnen sagen, das nagt nicht nur an der finanziellen Energiebilanz. 

Das Elterngeld schafft nach der Geburt eines Kindes den notwendigen Schonraum für einen guten Start in das gemeinsame Leben mit dem neuen Familienmitglied […] 

heißt es auf der Internetpräsenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [eine schöne Kombination, übrigens]. Da Sie seit zwei Wochen ebenfalls zweifache Mutter sind [meinen herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle], dürften Sie gut einschätzen können, wie groß der „Schonraum“ ist, den eine Familie mit einem Baby benötigt. Nun haben sich unsere Kinder zwar meinen Bauch geteilt. Doch warum steht ihnen im ersten Lebensjahr nicht mehr der entsprechende finanzielle Schonraum zu, der ihnen gewährt worden wäre, wären sie im Abstand einiger Jahre zur Welt gekommen? Warum muss unser doppeltes Glück finanziell nun unser Pech und zu unserem Nachteil sein? 

Ich weiß ja selbst, dass ein paar müde – im wahrsten Sinne des Wortes – Zeilen einer Zwillingsmutter nichts an der neuen Gesetzeslage ändern wird. Und auch die Argumente Ihres Ministeriums gegen das doppelte Elterngeld werden um Längen besser sein als meine. Ich nehme an, dass ein großer Teil Ihres Mitarbeiterstabs derzeit etwas mehr Schlaf und Muße zur Verfügung hat als ich. 

Nun, es ist wie es ist: Ich bekomme einfaches Elterngeld und einen Mehrlingszuschlag von 300 Euro. Sobald meine Kinder kognitiv dazu in der Lage sind, werde ich nochmal ein ernstes Wörtchen mit ihnen darüber sprechen, wieso – wenn sie schon zur gleichen Zeit zur Welt kommen wollten, sie sich nicht wenigstens vor der Gesetzesänderung dazu entschlossen haben. Bis es soweit ist, muss ich meine Überlegungen und Fragen an Sie richten. Doch bitte befassen Sie sich frühestens in vier Wochen damit. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und ein behütetes Wochenbett. 

Mit besten Grüßen, 

Juli Scharno

27 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mama Motte sagt:

    Hallo Du Liebe,
    ich verstehe Dich, aber: sei froh, dass Du kein doppeltes Elterngeld mehr beziehst! Ich bin auch Zwillingsmama, meine sind genau 1 Monat älter als Deine. Und ich habe noch eine 4-jährige! Ja, im ersten Moment erscheint es unfair, dass man bei doppelter finanzieller (und körperlicher, emotionaler) Belastung nicht doppelt bedacht wird. Jedoch erscheint das bei näherem Hinsehen logisch: das Elterngeld stellt einen Verdienstausfall dar, eine Entgeltersatzleistung vom Staat. Nur weil wir das große Glück haben gleich zwei Babys bekommen zu haben, heißt das nicht, dass unser Verdienstausfall deshalb doppelt so hoch ist! Nur die finanzielle Belastung steigt. Und dafür gibt es den Mehrlingszuschlag.

    Meine Freundin- ebenfalls Zwillingsmama- bekam noch das doppelte Elterngeld! Das böse Erwachen folgte im Jahr der Steuererklärung: die Nachzahlung – schon bei einem Kind enorm – war bei doppelten
    Elterngeldbezug

    horrend und kaum zu stemmen.
    Trotzdem wäre es natürlich immer schön mehr Geld zu haben 😊😊
    Liebe Grüße

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    1. doppelkinder sagt:

      Danke für deine Worte und Sichtweise, doch ich habe dazu einen anderen Standpunkt und ich denke, auf die steuerlichen Aspekte hätte man sich vorab einstellen können. Vermutlich landet man bei einer Nachzahlung nicht im kompletten Minus. Liebe Grüße 😊😊

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      1. Mama Motte sagt:

        Ich finde es auch gut, dass es hierzu verschiedene Meinungen gibt. Ich fände ein doppeltes Elterngeld bei Zwillingen auch gut, allerdings eher unter einem anderen Aspekt: dann könnte nämlich der Papa auch zu Hause bleiben. Also quasi jeder Elternteil bekommt einen Verdienstausfall.

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  2. C sagt:

    Sehr gut geschrieben!und nicht zu vergessen:Wenn Du freiwillig gesetzlich krankenversichert bist,zahlst du auch noch die Krankenkasse.Natürlich ist es irgendwo auch Jammern auf hohem Niveau,denn man könnte ja auch gar nichts bekommen,aber es ist eben unfair,dass Mehrlingseltern anders behandelt werden als die Eltern,deren Kinder hintereinander kommen.
    Alleine die Kleidung …Meine kamen leider schon bei 32+6 zur Welt,da musste ganz schnell 40/44 her usw.
    Leider hat es dann mit dem Stillen nicht so schön funktioniert wie bei Dir und nach 8 Wochen ging gar nichts mehr.Meine Zwei holen jetzt alles nach und futtern wie die Weltmeister.Alle zwei Tage eine neue Dose Pulvermilch…

    Bei uns geht das glücklicherweise alles,aber man sollte eben auch sehen,dass es für manche Familien schwierig zu stemmen ist.Windeln,Milch und Co kann man nunmal schlecht gebraucht kaufen

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    1. doppelkinder sagt:

      Du hast recht, allein die Nahrung kostet ein Heidengeld!

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  3. dashuhn85 sagt:

    Wir sind auch noch in den genuss vom doppelten elterngeld gekommen, zum glück. Und da wir wussten, dass man möglichst ein bisschen davon für die steuernachzahlung zurück legen sollte, haben wir das auch getan.
    diese 300€ mehrlingszuschlag sind ein witz. Natürlich soll das elterngeld den verdienstausfall ausgleichen, aber wenn ich zwei Kinder nacheinander bekommen und zwischendurch wieder arbeite, dann bekomme ich auch zweimal elterngeld. Es wird immer so viel tamtam darum gemacht, dass es mehr kinder geben muss, das die familie so wert voll ist, aber wenn es um (finanzielle) unterstützung geht, dann bekommt man gerne mal das gefühl von „naja du hast dir das mit den kindern ja selbst so ausgesucht also musst du da jetzt eben durch“.
    Ich denke sowas wird sich auch nicht ändern, denn leute die diese entscheidungen schweben vermutlich oft in anderen gehaltsphären als otto normal es tut.
    In diesem sinne, ein daumen hoch für diesen offenen brief!

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    1. Mama Motte sagt:

      Ja, man bekommt 2x Elterngeld bei Kindern hintereinander, man hat aber auch 2x Verdienstausfall. Bei Zwillingen hast Du den ja (in der Regel) nur einmal. In der Zeit in der die zum zweiten Mal Einling gewordene Mama wieder Elterngeld bezieht verdienst Du dann schon wieder normal…!

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      1. dashuhn85 sagt:

        Ja richtig. Aber dennoch sehe ich das anders 😀. Aber das macht ja auch nix.
        Mein mann konnte so auch drei monate zu hause bleiben und hat entsprechend elterngeld und zuschlag bekommen. Für uns war das ein segen.

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      2. doppelkinder sagt:

        Ich kann deine Argumentation durchaus nachvollziehen. Gleichwohl empfinde ich die Regelung als unfair und nicht entsprechend finanziell gewürdigt und ausgeglichen. Denn es ist anders als mit nur einem Baby.

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  4. Anika sagt:

    Das doppelte Elterngeld fände ich bei Zwillingen genau dann toll, wenn somit auch der Papa zu Hause bleiben könnte. Denn 2 Babys auf einmal ist ein Riesen Job und wenn man keine unterstützende Familie in der Nähe hat und Papa arbeiten muss, dann bedeutet das oftmals viele Kompromisse anstatt jedem Kind genau die Aufmerksamkeit zu schenken, die es braucht.

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    1. C. sagt:

      Naja,das Problem hast du immer,sobald mehr als ein Kind da ist 😉
      (Ich bin Zwillingsmama und habe keinerlei Hilfe/Unterstützung,mein Mann muss leider sehr viel arbeiten.Einer Freundin geht es auch so,allerdings sind die Kinder nacheinander geboren.Die „Probleme“ sind halt anders,aber Kompromisse muss man dann auch eingehen )

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      1. Anika sagt:

        Genau deswegen wäre es doch schön, wenn der Zwillingspapa so wie früher ebenfalls zu hause bleiben könnte, oder?

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  5. zwillingerig sagt:

    Wir hatten das Glück, dass unsere Kinder genau in dem Zeitraum geboren sind, in dem es für Mama und Papa Elterngeld gab. Mein Mann war auch ein Jahr zuhause und das war ein Segen! Allerdings nur von der Unterstützung und vom Familienzusammenhalt. Denn das heißt natürlich auch, dass man gar kein volles Gehalt mehr hat, was die finanzielle Situation nicht besser macht (gelinde gesagt)! Darauf muss man sich einlassen, wenn man die Zeit zu viert haben möchte. Und wir haben es nie bereut. Ich will damit nur sagen: Es hat alles seine Schattenseiten ☺️

    Die Regelung mit doppeltem Elterngeld galt übrigens nur, wenn beide Elternteile zuhause blieben. Mama allein hat kein doppeltes Geld bekommen! Und das Ganze galt auch nur etwas mehr als ein Jahr. Zwillingseltern hatten geklagt und Recht bekommen. Deshalb musste doppeltes Geld gezahlt werden. Das wurde dann schnellstmöglich wieder korrigiert. 😏 Wir hatten einfach Glück, dass unsere Mäuse in der Zeit geboren sind. 😘

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    1. doppelkinder sagt:

      Wir waren ein halbes Jahr zu zweit – selbst finanziert. Ich weiß nicht, wie wir es anders geschafft hätten mit zwei Säuglingen 🙈🙈🙈. Und natürlich wäre das mit doppeltem Elterngeld eine ganz andere Angelegenheit gewesen.

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      1. zwillingerig sagt:

        Das glaub ich! Selbstfinanziert hätten wir es gar nicht hinbekommen. Wir haben schon so in dem Jahr fast alle Ersparnisse aufgebraucht 🙈☺️😘

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      2. doppelkinder sagt:

        Puh, da kann ich ein Lied von singen, habe gerade noch mal Fußsäcke für den Bugaboo nachbestellt 😭😭😭

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      3. zwillingerig sagt:

        😱 Wir müssen morgen Schuhe kaufen. Es nimmt kein Ende 😂

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      4. doppelkinder sagt:

        …ich muss irgendwo hin ziehen, wo die Kinder das ganze Jahr lang Flipflops tragen können! 😂

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      5. C. sagt:

        Ich möchte mal Mut machen:Man schafft das!Wir hatten keinen einfachen Start,da die Zwillinge einen Monat im KH bleiben mussten.Mein Mann musste arbeiten,ich war also bis abends alleine bei den Jungs.Als sie nach Hause durften,hatte mein Mann einen Monat Elternzeit (ein zweiter kommt noch und mehr geht jobbedingt nicht).Seit dem binich alleine und habe keine Hilfe.Keine Großeltern,keine Haushaltshilfe,nichts.die Jungs bekommen noch Physio (hier mal als Tipp:man kann das als Hausbesuch verschrieben bekommen) und sind sonst aber fit.klar ist es total anstrengend,aber man schafft das. Vorher hatte ich wirklich Angst,weil man in so vielen Büchern und Blogs so viel Panikmache liest und das finde ich soooo Schade

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      6. doppelkinder sagt:

        Ja, natürlich schafft man das. Aber wenn man eine gewisse Zeit zu zweit sein kann, ist es für alle Beteiligten angenehmer. Panikmache ist immer Mist, davon gibt es leider viel zu viel – auch, was Zwillingsschwangerschaften angeht.

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      7. C sagt:

        Natürlich ist das zu zweit angenehmer,aber darum ging es ja nicht.Es ist immer toller,wenn mein Mann mit dabei ist,keine Frage.ich lese halt nur so oft „alleine hätte ich es nicht geschafft“, daher habe ich geschrieben

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      8. doppelkinder sagt:

        Ich denke rückblickend auch manchmal, dass ich die erste Zeit allein nicht geschafft hätte. Aber es ist ja eigentlich immer so, dass es geht, wenn es gehen muss. Man hat manchmal ungeahnte Kräfte 😉.

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  6. Viermalmeins sagt:

    Wir haben bei unseren Zwillingen 2014 auch beide Elterngeld bekommen, zum Glück, denn sonst hätte mein Mann nicht mit zu Hause bleiben können. So waren wir ein halbes Jahr zu zweit – ein Baby für jeden 😉
    Warum ich das hier zu Frau Schwesig schreibe, ist aber: Noch viel mehr hätte ich mir gewünscht, diese doppelte Elternzeit länger als 1 Jahr teilen zu können! So hatten wir zwar doppelten Anspruch, aber nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate der Kinder. Dafür, dass man sehr viel mehr Baby-Stress hat mit zweien und nicht wenige Zwillinge sich im Vergleich zu Einlingen verzögert entwickeln, wäre es schön gewesen, dieses zweifache Wachsen tatsächliche 28 Monate in Ruhe bewundern zu können, das hätte ich fair gefunden!

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    1. doppelkinder sagt:

      Ja, das stimmt. Unsere Kinder sind in ihrer Entwicklung zwar völlig altersgemäß. Aber wenn man zusätzlich zu den Herausforderungen des Alltags auch noch physio und co zu bewältigen hat, stelle ich es mir noch härter vor. Liebe Grüße

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  7. Katrin sagt:

    Also, mein Mann musste nach 3 Wochen wieder arbeiten gehen, einfach weil er in seiner Firma/Position nicht anders konnte/durfte/whatever. Anders ging es nicht und ich war sofort nach 3 Wochen mit den Zwillingen alleine, von 8Uhr bis 19Uhr abends. Und wir hatten nur 1xElterngeld. Es geht alles, wenn man muss, oder wenn man eben keine Alternativen hat…Ich habe die Zeit natürlich als extrem anstrengend in Erinnerung, es gab auch viele Tränen, aber ich kam letztendlich klar…
    LG Katrin

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    1. doppelkinder sagt:

      Schade, dass ihr nicht die Möglichkeit hattet, länger gemeinsam zuhause zu sein. Es geht mir aber nicht darum, dass es nicht funktioniert. Wir kommen auch zurecht mit einmal Elterngeld. Hinzu kommt, dass mein Mann studiert und kein Einkommen hat. Natürlich geht alles, wenn man muss. Aber traurig, dass es so wenig Alternativen gibt und es oft so viel Kraft und Tränen kostest.

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