Mattendisko mit den Zwillbos

Seit einiger Zeit gehen der Zwillbo-Papa und ich mit den Jungs zum DELFI. Das ist keine griechische Imbissbude, sondern so etwas wie PEKiP (dessen Erfinder sich angesichts dieses gedankenlosen Vergleichs vermutlich im Grabe umdrehen wird – sofern er schon im selbigen liegt) oder das, was ich mir darunter vorstelle. 

Zunächst eine kleine Begriffskunde. DELFI steht für Denken, Entwickeln, Lieben, Fühlen, Individuell (gut, letzteres müssten man im Grunde genommen klein schreiben, aber nun…). Klingt ziemlich abstrakt, oder? In der Praxis verhält es sich wie folgt: Etwa zehn Mütter – und ein Vater (nämlich der der Zwillbos) knien im Kreis vor ihren entkleideten Zöglingen und singen und klatschen. So die Kurzfassung. 

  
Warum wir das tun? Weil gute Eltern sowas machen. Das ist natürlich ein Scherz. Es soll unter anderem die Motorik und das Körpergefühl der Kinder fördern – und ich möchte mir schließlich später nicht nachsagen lassen, dass eines meiner Kinder ein Bein nachzieht oder sich nicht bei geschlossenen Augen mit dem Zeigefinger an die Nasenspitze tippen kann (wozu auch immer dieses Können erforderlich ist), weil ich es nicht unbekleidet – also das Kind – besungen habe. Das stimmt natürlich auch nicht. Obwohl ich im hormongeflutetem Zustand in den ersten Wochen nach der Geburt schon ziemlich sicher war, dass aus den Kindern nichts wird, wenn wir nicht mindestens einen Kursus dieser Art besuchen. 

In erster Linie betreiben wir diesen Ringelpiez, weil wir sehen, dass es den Zwillbos riesigen Spaß macht. Sie sind kleine Partylöwen und mögen Gesang, Fingerspiele und Hoppe, hoppe Reiter. Als absolute Baby-Rookies mussten wir uns aber erst mal ein paar Lieder und Spielchen drauf schaffen, dafür sind solche Gruppen ideal. Jetzt kann ich außer „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ (kommt hier sehr gut an), „Anne Kaffeekanne“ und „Der Gorilla mit der Sonnenbrille“ (fragt nicht) noch ein paar andere schmissige Lieder, um die Zwillbos bei Laune zu halten. Manchmal singe ich schon so viel, dass ich das Gefühl habe, ich sei von einem Disney-Film verschluckt worden. 

  
Zudem dachten wir uns, es kann nicht schaden, auf andere bekinderte Menschen zu treffen. Dann kann man sich regelmäßig gegenseitig versichern, dass alles nur eine Phase ist, und mich persönlich erbaut es offen gestanden enorm zu hören, dass auch andere Eltern kurze Nächte haben (gibt es eigentlich ein Sprichwort wie „Die dümmsten Eltern haben die längsten Nächte“? ;-)). 

So strampeln und kugeln sich die Zwillbos nun gemeinsam mit anderen Zwergen ihres Kalibers einmal wöchentlich nackig über Matten und Linoleumboden. Wobei ich anmerken muss, dass der Zwillbo-Papa bei den letzten Terminen dem Kind immer die Windel an gelassen hat. Nicht etwa, weil es ihm eine Lehre war, dass ich eigentlich stets angepinkelt werde. Nein, Mads hat ihm bei der Babymassage, die dem Singen und Klatschen vorangeht, einmal in die Hand…ach, ist ja auch egal, jedenfalls ist ihm ein nacktes Baby zu heikel. 

Ich finde generell, dass der Mann sich in dieser Runde ausgesprochen tapfer schlägt. Nicht weil es für ihn befremdlicher als für mich ist, wenn gut ausgebildete Geisteswissenschaftlerinnen, Ärztinnen oder Lehrerinnen plötzlich enthusiastisch „Mühle, Mühle, lauf, lauf, lauf“ trällern. Aber allein das Aufgebot an Stillbrüsten kann in einer solchen Gruppe ziemlich einschüchternd wirken. Zumindest kann ich mir das gut vorstellen. Aber er schlägt sich sehr tapfer und singt auch eigentlich fast immer alles mit. Wenn auch in Freestyle-Versionen. 

Die Babys jedenfalls finden es super – und das kann für Eltern ein ziemlich starker Motor sein. 

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. C. sagt:

    *kicher* Ich mache mit den Jungs Pekip und sie müssen glücklicherweise aus den gleichen Gründen nicht komplett nackt sein 😉
    Doppelt angepinkelt ist leider nicht doppelt lustig 😣
    Und die Lieder…joaaaa 😶
    Ich hoffe,dass sie später eher meinen Musikgeschmack haben und es was gebracht hat,dass ich schwanger auf Konzerten war 😀

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  2. Kati sagt:

    Ich wollte Dir einfach nur mal sagen, dass ich Deinen Blog sehr gerne lese. Mein Pärchen ist jetzt vier Monate alt und manche Deiner Texte sind für mich ein schöner Blick in die Zukunft – z. B. als Du im Alter von fünf Monaten geschrieben hast, wie die beiden sich entdecken.

    Liebe Grüße, Kati

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    1. doppelkinder sagt:

      Oh, gratuliere zu deinen Zwillingen! Vielen Dank für deine Worte, das freut mich sehr. Es wird immer toller, die beiden quasseln schon richtig mit einander und lachen sich kaputt, das ist sooo lustig! Alles Gute für euch!

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  3. Wie immer sehr unterhaltsam 🙂
    Die dümmsten selten haben die längsten Nächte – *haha* Der Brüller!!!

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    1. doppelkinder sagt:

      😉😉😉 danke dir!

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  4. zwillingerig sagt:

    Ich sag nur: …macht bei Bille Killekille 😂 Jaaa, hier tanzt der Gorilla auch 🙈☺️

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