Der leere Kuchenteller und ich – eine mütterliche Philosophier-Minute

Ich sitze in einem Café. Ich sitze. Ich knie nicht auf dem Fußboden. Vor mir steht ein leerer Kuchenteller. Na los, ihr Sherlocks, kombiniert doch mal! Richtig! Es ist Super Tuesday und ich bin ohne die Zwillbos unterwegs. 

Im vergangenen Frühling habe ich hier auch oft gesessen. Und im Sommer. Und der Bauch wurde immer dicker. Und ich hatte Zeit, so viel Zeit. Wann immer ich nicht arbeiten musste oder mir später im Mutterschutz der Sinn und die Außentemperaturen danach standen, konnte ich mich so herumtreiben wie heute. Nach mehr als sieben Monaten Zwillbomamaschaft kann ich definitiv ausrufen: Was war mein Leben früher einfach?! Wohlwissend, dass ich das ganz und gar nicht immer so empfunden habe. Doch ist unser Erinnerungs[un]vermögen  ein wahrer Segen und verklärt alles mit der Früher-war-alles-besser-Brille. 

Ein Leben ohne Käsekuchen ist möglich, aber sinnlos.

Um den Bogen zurück zu mir und meinem leeren Kuchenteller zu spannen: Ich sitze hier und bin wahrlich erschöpft – allerdings mit Käsekuchen im Magen. Der virenreiche erste Babywinter hat uns gebeutelt, unsere Nächte sind erst seit kurzem entspannter [aber nicht, dass hier der falsche Eindruck entsteht, es würde durchgeschlafen!], und täglich frage ich mich, wie der Zwillbo-Papa es derzeit allen Ernstes obendrein noch schafft, seine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich bin nun also derzeit nicht die Taufrischeste, und ich gestehe hier und jetzt, dass ich die Aufgabe, zwei Säuglinge 24/7 zu bespaßen GNA-DEN-LOS unterschätzt habe. Zum Glück, denn sonst hätte ich in der Schwangerschaft noch viel mehr Angst vorm Mutterdasein gehabt. Aber…

…dennoch sitze ich hier nicht nur mit meiner Müdigkeit und meinem leeren Kuchenteller. Ich sitze hier mit der vollen Gewissheit, dass mein Leben mit Mads und Pepe tausend Mal vollkommener ist als zuvor. Und auch wenn dieses große Gefühl der Dankbarkeit und des Glücks zuweilen unter Augenringen, randvollen Windeln und Babygebrüll etwas verschütt geht, so ist es doch da, gut aufbewahrt in meinem Herzen. Ich bin glücklich, dass ich gleich zuhause nicht nur von dem Mann, sondern auch vom breiten Grinsen meines Erstgeborenen und den begeisterten „Bappbappbapp“-Rufen seines Bruders [ich denke, eigentlich möchte er „Mama“ sagen. Oder „Mama, du bist wunderschön und wahnsinnig intelligent“] begrüßt werde. Denn aller Anstrengung zum Trotz: Alles ist, wie es sein soll.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jana sagt:

    Sehr schön geschrieben ❤
    Wie sagte einmal eine Bekannte (damals Mama von drei Zwergen) zu mir (damals noch keine Mama mit viiieeel Freizeit, einem Vollzeitjob, Hobbies und keiner Vorstellung vom Mamasein):
    Kinder sind das Schönste was es gibt, aber auch das Anstrengendste.
    Richtig nachvollziehen kann ich das erst, seitdem mein Sohn da ist. Und kann bestätigen: er hat gefehlt zu meinem Glück!!
    LG, Jana

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    1. doppelkinder sagt:

      Das freut mich, Jana! Viele Grüße!

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  2. Kathi sagt:

    Awwww ❤
    Das ist wirklich wundervoll geschrieben und ich kann es genauso unterschreiben 🙂

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    1. doppelkinder sagt:

      Danke 😊😊😊

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  3. Katharina sagt:

    Ach wie recht du hast. Das Leben mit Zwillingen ist aufregend, turbulent, voller liebe und wundervoll. Man ist glücklich, zufrieden, vollkommen und manchmal müde, am Ende mit den Nerven und den Tränen so nahe. Und doch ist es genau das, was wir uns gewünscht haben und das beste was uns passieren konnte :-*

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    1. doppelkinder sagt:

      Manchmal denke ich, „grandios, dass mir sowas zugetraut wird“… 😂

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