Deutsch – Zwillbos, Zwillbos – Deutsch

Die Zwillbos sprechen. Oder zumindest teilen sie sich mit. Im Prinzip stehen die kleinen Schnuten tagsüber [und zuweilen auch nachts] kaum still. Und wen wundert das? Ich kommuniziere von Natur aus gerne und immerhin so annehmbar, dass ich damit irgendwie meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Der Mann stellt sich selbst gerne als „großen Fremden“ da: schweigsam, introvertiert, verwegen und leicht mysteriös. Er ist groß. Und kann verwegen aussehen. Punkt. 

„Mama“ und „Papa“ bringen die Jungs schon relativ lange über die Lippen, auch wenn wir uns anfangs oft nicht ganz sicher waren, ob wir wirklich gemeint waren, oder ob die Beiden einfach nur vor sich hin artikulieren. „Mama“ ist jetzt immer total eindeutig und in 95 Prozent der Fälle mit einem direkten Auftrag verbunden: Arm, Nuiii/Neier [Schnuller], Hammam – was nicht bedeutet, dass die Zwillbos ein orientalisches Dampfbad besuchen möchten, sondern dass sie hungrig sind. Wenn Papa nicht zugegen ist, bin ich mir nicht immer sicher, ob tatsächlich er gemeint ist, denn der Bagger nennt sich hier aktuell noch „Babba“, was zuweilen starke akustische Ähnlichkeit mit dem Ruf nach dem Zwillbo-Vater aufweist. Optische Ähnlichkeiten zwischen ihm und der Baumaschine gibt es allerdings keine. 

Zwei Zwillbos „dahou“ auf dem „Stuiii“.

Ähnlich oft wie „Mama“ erklingt hier die Kombi „Aua Bau“. Mit Bauchweh hat das nichts zu tun, ich habe in der Vergangenheit öfter impulsiv „Bautz“ gesagt, wenn einer der Zwillbos Opfer der Schwerkraft wurde. Mittlerweile macht hier alles mögliche „einen Bautz“: Gläser – die dann zuweilen auch „pupp“ [kaputt] sind, Autos, die irgendwie nach einem Unfall aussehen, haben „Bau“ gemacht, genauso wie der Baum, den es kürzlich beim Sturm hier in der Nähe umgelegt hat. Das sprachen die Zwillbos allerdings vom Bau [mit stummem M], der Bau gemacht hatte: „Bau Bau!“ Wie ihr seht, Kontext-Wissen ist immer wichtig. 

Großes Thema: Getränke

Einer meiner liebsten Zwillbo-Begriffe lautet „Utt“ und fasst die Kategorie Getränke zusammen. Utt kann eine Flasche sein, aber auch ein Glas oder allgemein der Wunsch nach Flüssigkeitsaufnahme. Wenn die Jungs allerdings Mineralwasser aus einem Glas trinken möchten, beziehen sie vor dem Trink- oder Ausschankgefäß Stellung und machen kaum hörbar „Aaaaaahhh“, was wohl die Verlautlichung des Erfrischungseffekts bedeutet, der einem nach Genuss eines solchen Getränks zuteil wird. Wir vermuten, dass „Utt“ ins Zwillbo-Vokabular aufgenommen wurde, als die Kinder angefangen haben, aus ihren Strohhalmflaschen zu trinken. Den begierigen Wasserkonsum kommentierte ich ein paar Mal mit lauten Schluckgeräuschen – und „Utt“ ward geschöpft. 

Wer also gewisses Insider-Wissen besitzt, weiß genau, was geschehen ist, wenn die Zwillbos „Utt Bau pupp wuuuuuuuhuuuuuhuuuu aua“ berichten. Pepe ist nämlich neulich bei einer Freundin eine Glasflasche [Utt] aus der Hand gerutscht [Bau] und auf den Fliesen zerbrochen [pupp]. Da musste ich mit dem Staubsauger [wuuuuuuuhuuuuuhuuuu] die Scherben beseitigen, damit sich niemand wehtut [aua]. Klar soweit? 

Babysprache unerwünscht 

Außer Baum und Bautz sagen die Jungs zu ihren Bäuchen tatsächlich auch „Bau“ – allerdings nur, wenn sie danach gefragt werden, von selbst thematisieren sie ihre Körpermitte eher selten. Obschon wir bemüht sind „Bautz“ oder andere Vokabeln der Babysprache wie „heia“ oder „ei machen“ [für mich persönlich der sprachliche Super-GAU…“Tu die Mäh ma ei, Schantalle!“] zu vermeiden, verwenden die Zwillbos derartige Begriffe – sie scheinen wohl zur Werkseinstellung von Kindern dazu zu gehören. 

Pepe mit „Papka“. Und Papa.

Ich vermute, den größten Teil des Zwillbo-Wortschatzes, machen Begriffe aus der Kategorie „Speisen und Getränke“ aus: Gogurrr!!!! [bedeutet Joghurt und MUSS laut gerufen werden]; Mohreee heißt Möhre/Möhrenbrei/Möhrensaft – es sei denn, die Möhren sind in Scheiben geschnitten und Teil eines Salats oder warmen Gerichts, dann heißen sie „Gurka“ und werden nicht gegessen. Gurke hingegen mögen sie tatsächlich sehr gerne und in großen Mengen [der Teil des Gehirns, der für rationales Denken zuständig ist, ist mit 19 Monaten noch nicht sonderlich ausgereift]. Papka [Paprika], Käß, Keks, Kucha [Kuchen], Sotto [Risotto], Nuuunuuu [Nudeln], Uuu-uuuuu [Wurst], Appi [Apfel] und Bieja [Birne] laufen hier ebenfalls gut. 

Bei Bananen ist wieder der Zusammenhang wichtig, denn die werden „Ma“ genannt, was auch die Bezeichnung für Marmelade und Mads ist. Den gleichen Beliebtheitsgrad wie Joghurt erreicht hier Ei. Insbesondere Pepe fand es geraume Zeit sehr verwirrend, wenn ich sagte, wir gingen jetzt einkaufen, da das Kind offenbar immer verstand, dass wir jetzt Ei kaufen würden. Es aber nicht immer taten. Alles weitere Essbare, das der Nachwuchs begehrt, aber nicht zu benennen weiß, ist logischerweise „Njam njam“. 

Tiere und Mengenangaben

Tiere werden hier weitgehend mit den Lauten benannt, die sie von sich geben, mit Ausnahme des Bären [„Bah“], der Biene [„Bieje“ – was übrigens auch Hummel und Fliege heisst] und des Hummers [„Amma“]. Mir gefällt besonders, dass die Jungs sowohl zu Ziegen als auch zu kleinen Mädchen „Mämä“ sagen. 

Auch von Mengenangaben haben die Kinder bereits einen Begriff. Alles, was ihnen wenig oder klein erscheint, ist „mimimimi“ [miniminimini]. Packen sie sich einen Löffel oder ein Schüppe besonders voll, verlautbaren die Ruhrpott-Kinder neuerdings „Boooaaah!!!!“ – insbesondere beim Bildungsbürgertum auf Spielplätzen kommt das sehr gut an. 

Weiteres Zwillbo-Vokabular:

Packapaket – Paket
Bobka – Bobbycar
Kucka – Gucken
Besbes – Besen
Eino – Einhorn
Kau kau – Ciao, Ciao
Bauber – sauber
Hngah – Anhänger
Neija/Nuiii – Schnuller
Stuiiii – Stuhl
Dahooou – da hoch
Nauf – da rauf
Nunter – runter
Bojen – Boden
Ellka – Lkw
Mrrrrrrmrrrrrm – Motorrad
Huiiii – Rutsche/Schaukel
Pieja/Spielplatz
Muiiii – Müll
Appa – Opa
Pott – Töpfchen
mal – nochmal
meah – mehr
Ba – Badewanne/Badezimmer/baden
Hoppa hoppa – Schaukelpferd/Wippen/aufgebocktes Motorrad

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich finde es ja soooo schön, dass man endlich einen Eindruck davon erhält, was in den kleinen Köpfen so vor sich geht 😂
    Die Sache mit dem Ei kaufen hat mir soeben gerade einen lauten Lacher entlockt 🤣

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Es ist toll immer mehr zu verstehen, was sie möchten!

      Gefällt 1 Person

  2. Tamara sagt:

    Ist ja echt witzig mal zu hören, was andere Kids sprachlich so fabrizieren 😀 Bei uns ist Joghurt immer „Jogu“, der Käse ein „Säse“ und der Schnuller hingegen ein „Bopf“.. das ist eine Schöpfung aus dem Wort „Knopf“ und bezieht sich offensichtlich auf diesen runden Griff vom Schnuller. Manches kann man wirklich auch nur als Mama für den Rest der Welt übersetzen. Meine Favoriten vom Sohnemann: „pastata“=Staubsauger, „ganomis“=gemütlich und „oubini“, was jegliches Verb bezeichnet, das mit „runter-“ beginnt, wie zB „runterspülen“.

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Hahahaha, auch großartig! Wie witzig, wie unterschiedlich Kinder da sind!

      Gefällt mir

  3. Lena Thum sagt:

    Sehr geil finde ich den Begriff eino für Einhorn. Ein enorm wichtiges Vokabular für zwei Jungs. Haha! Sonnige Grüße einer unbekannten Mitstreiterin (Mama von zwei 2,5 jährigen) PS: unser Lieblingsausdruck ist aktuell : Nicht kotzen…., ins Bett oder Auto….( aktuell nach überstandenem Magen Darm Infek). Das Wort“ erbrechen“ ist ihnen zu formell. Kommt auch immer sehr gut bei anderen an.

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Yeah, 2,5 schon! Bei meiner Freundin sehe ich immer, was für ein enormer Unterschied das ist. Jüngst würden wir auch von Magen-Darm heimgesucht, die Zwillbos sagen jetzt immer „Puh (spucken) nein, nein!!!!“. Alles Liebe!

      Gefällt mir

  4. Thorsten Bothe sagt:

    Immer wieder schön!! Was ich mich nur frage ist: Wie oft in der Woche esst Ihr den HUMMER, wenn diese Edel-Speise schon zum Standard-Vokabular gehört??? Oder hat der Zwillbo-Lieferant hier versehentlich etwas vom Auftragszettel irgendeiner Milliardärs-Göre eingearbeitet?? 😂😂😂

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Na, das Kind von heute hat doch regelmäßig Meeresfrüchte auf der Speisekarte!!! 😂
      Wir haben ein Bilderbuch: „Der Hummer hat Kummer“, das hat sie tief beeindruckt 😂

      Gefällt mir

  5. Karen sagt:

    Ach ja…bei uns (die Große ist so alt wie deine beiden) heißt momentan die Tomate „Gurka“, aber auch normale Gurke. Die wohl verrückteste Wortschöpfung ist „Waladeeds“ – Storch. Weiß der Geier, wie sie darauf kommt…

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Ooooh, das ist eine tolle Wortschöpfung! ❤❤❤

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s