Ein Junge und ein anderes Kind

Der Tag, an dem wir erfahren haben, dass eines unserer Kinder ein Junge wird, war auch der Tag, an dem mein Mann begonnen hat, die halbe Küche abzureißen. Denn am Tag vor diesem Tag begann in unserer Badewanne das Spülwasser aus der Küche hochzusteigen, identifiziert habe ich es am Rührei, das ich gerade täglich frühstücke. Der Abwasserstau ist wohl Resultat eines Handwerkereinsatzes, der notwendig wurde, als beim Nachbarn unter uns unser Badewasser aus dem Waschbecken kam. Über Folgeaufträge muss sich das Unternehmen wohl keine Sorgen machen. 

Ich bin in der 14. Woche, wir haben einen Gyn-Termin zum Nackenfaltemessen. Einerseits freue ich mich immer, die zwei Zwerge zu sehen, doch ich bin auch immer tierisch nervös, dass etwas sein könnte. An diesem Morgen war ich besonders aufgeregt und konnte kaum ein klaren Gedanken fassen. Um 5.25 Uhr legte ich ein erstes Käsebrotfrühstück ein, gegen 8 Uhr folgte das Rührei.

Bauch in der frühen Zwillingsschwangerschaft. Gilt noch als zierlich.

Normalerweise müssen wir nie lange warten, bis wir dran sind. Diesmal ist das anders, 20 lange Minuten starren wir im Wartezimmer vor uns hin, dann geht’s los. Ich schmeiß mich auf die liege und der Arzt sein Ultraschallgerät an – schwups, Kind I erscheint auf dem Bildschirm. Entspannt liegt es mit angezogenen Beinen in seiner Höhle. „Unglaublich, das sieht ja wirklich aus wie ein Kind“, sage ich. Ich bin immer wieder erstaunt, was sich in wenigen Tagen und Wochen in meinem Bauch tut.

Der erste Zwerg ist sehr kooperativ. Der Arzt misst und screent und zählt Finger, Zehen, Herzkammern – und stellt bei einem kleinem Salto des knapp acht Zentimeter großen Wesens fest: ein Junge! Zu meiner Erleichterung über die unauffällige Nackenfalte, das vorhandene Nasenbein und welche Parameter auch sonst immer gesellt sich leise Freude. Und neue Anspannung, denn unser zweites Kind haben wir noch nicht begucken können. Das gestaltet sich auch gar nicht so leicht, wir sehen immer wieder ziemlich viel Rücken, mit ein bisschen Geduld schließlich auch Nacken, Nasenbein und Co, aber welches Geschlecht er hat, verrät uns der Wicht heute nicht. Na toll, jetzt muss Mama drei Wochen schmoren. Schwangerschaft ist nichts für mich, ich habs nicht so mit Geduld.

Die frohen Botschaften des Tages lauten: „Ihre Kinder sind gut entwickelt, organisch und anatomisch unauffällig und sie bekommen einen Sohn und ein anderes Kind.“ Nachmittags kommt es dann langsam in meinem Verstand an. Ich lächle vor mich hin. Ein Junge. Irgendwie fühlt sich meine Schwangerschaft so ein Stückchen persönlicher an.

Ich habe übrigens gerade ein gefrorenes Stück Käsekuchen auf die Heizung gestellt. Damit ich es schneller essen kann. Mitten im Chaos.

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