Schrille Nacht – Weihnachten mit den Zwillbos

Wir wollten alles richtig machen. Wie man als frisches Elternpaar so ist. Den Kindern an Heiligabend bloß nicht zu viel zumuten. Die Zwillbos oft in den Tragen schleppen, Reizüberflutung vermeiden, Strukturen, Rituale und Zeiten einhalten. So sind wir extra einen Tag eher zu den Großeltern gefahren. Das Gepäckaufkommen glich zwar dem wöchentlichen Auftragsvolumen einer mittelständischen Spedition, aber immerhin wollten wir mindestens vier Tage unterwegs sein. Und zur Zwillbo-Bändigung braucht man schon ein gewisses Equipment. 

Der Mittwoch gestaltete sich im Prinzip noch weitgehend störungsfrei. Mal abgesehen davon, dass warme Abendmahlzeiten zwischen 18 und 20 Uhr für uns derzeit unrealistisch sind – nur für den Fall, dass uns einer von euch mal zum Essen einladen möchte, das ist die Tageszeit, zu der wir definitiv unsere Kinder ins Bett bringen müssen. Denn dann ist ihre Akkulaufzeit verstrichen, und die beiden dann noch hinzuhalten ist gänzlich unmöglich wie unerträglich. Schade um den schönen Lachs, der halb im Stehen verschlungen wurde. 

Krippenspiel inklusive 

Der Tag des Heiligen Abends blieb ohne nennenswerte Zwischenfälle, so dass wir an unserer Entscheidung festhielten, den Kindergottesdienst der örtlichen Kirchengemeinde zu besuchen – Krippenspiel inklusive. Weil wir aber nicht gänzlich sondern nur teils sehr naiv sind, steckten wir die Zwillbos für diesen Teil des weihnachtlich Erlebnisrepertoires in die Tragen, denn anderweitig würden Chor und Orgel unter Garantie ziemlich lautstarke Unterstützung erfahren. So fühlte sich lediglich Pepe bei „Kommet, ihr Hirten“ kurz angesprochen. Ob das Aufschluss auf einen späteren Berufswunsch gibt, wird sich zeigen. Mads verschlief sämtliche Vezückungsbekundungen älterer Damen, den Ausgang der Weihnachtsgeschichte, alle Liedbeiträge sowie das finale Glockengeläut. 

  
Auf dem Fußmarsch zurück in mein Elternhaus beglückwünschten wir uns fast selbst zu so viel Professionalität. Dort angekommen blieb uns kaum mehr Zeit die Jacken auszuziehen, bis dass meine drei, vier und sechs Jahre alten Nichten das Meer von Geschenken unter dem Weihnachtsbaum in ein Massaker aus Geschenkpapier, Spielwaren und Schleifenband verwandelten. Die Zwillbos bestaunten die Eskalation aus gewisser Distanz mit großen Augen vom elterlichen Arm aus, nicht ohne dann und wann selbst etwas Hand an dargereichtem Papier anzulegen – es gab quasi Trockenübungen für das kommende Jahr. Obwohl von trocken beim gegenwärtigen Speichelaufkommen nicht die Rede sein kann. 

Als es Zeit für das große Essen wurde, versuchten wir noch kurz, den Doppelpack in seine Tripptrapp-Sitze zu verfrachten. Doch schnell mussten wir einsehen, für uns heißt es nicht erster Gang sondern Abgang. Also alles wie immer, Babys umziehen, wickeln, pucken, stillen und ins Bett legen. Um 18.45 Uhr haben wir uns verschwörerisch angesehen und uns gegenseitig dazu gratuliert, dass es so gut lief. Zehn Minuten später bin ich dann runter gegangen um zu essen – aufgrund des vergessenen Babyfons wollten wir das lieber in Schichten tun.

Weihnachtliche Wasserschlacht 

Weitere zehn Minuten später belehrten uns meine drei und vier Jahre alten Nichten, dass man sich nie all zu früh in Sicherheit wiegen soll. Sie zettelten kurzerhand fernab von der festlichen Tafel und in direkter Nachbarschaft zum Gästezimmer im Bad eine weihnachtliche Wasserschlacht an. Und es liegt wohl in der Natur der Sache, dass das nicht gerade leise von statten geht. Noch ehe ein erwachsener Mensch intervenieren konnte, wurden die Zwillbos aus dem Traumland zurück in die Realität katapultiert – zunächst one way. 

Es benötigte zwei Tragetücher, einen Spaziergang, weiteres Stillen, elterlichen Schweiß und einige Babytränen, um die Jungs zurück auf Schlafmodus zu stellen. Pepe, der mit seinen großen wachen Augen eh stets die Welt absorbiert, hat die Kurve schließlich nur auf meinem Arm gekriegt – dass die Schlafposition für mich an Bequemlichkeit zu wünschen übrig ließ, muss hier wohl nicht extra erwähnt werden. Seine Babys so überspannt erleben zu müssen ist einfach nicht schön.

Tja, es war wie ein weihnachtlich-familiärer Wirbelsturm, der hinterrücks über uns hinweg getobt ist. Auch wenn es an den darauffolgenden Tagen wesentlich ruhiger ablief, sind wir immer noch ein kleines bisschen damit beschäftigt, die Trümmer wegzuräumen. Ich hoffe, ihr hattet schöne Feiertage!

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Bin ja hin- und hergerissen, ob ich dich ehrlich bemitleiden soll (weil is hier ja genauso) oder ob ich mich freue, weil du das Ganze so wunderbar komisch beschreibst ( was es garantiert nicht ist!)

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Ach weißt du, im Nachhinein kann ich ja über fast alles lachen. 😊

      Gefällt 2 Personen

  2. sternchenat sagt:

    mein Gott unsere Kinder sind wirklich eine ständige Lehrstunde darüber wie wir endlich lernen könne unsere Wünsche und Vorstellungen der Realität anzupassen . An unserem ersten Weihnachten mit Nachwuchs sind wir um 6 am Abend eingeschlafen wurden dann um elf unsanft geweckt und waren dann die ganze Nacht munter , weil definitiv nicht still und heilig na ich weiss nicht

    Gefällt 1 Person

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