Kaffeeklatsch ohne dritten Arm

Die Zwillbos und ich haben unseren ersten richtigen Kaffeeklatsch absolviert. Ohne Papa. Für mich ist das echt eine große Sache, denn zwei Babys mehr oder weniger alleine handlen, noch dazu vor Publikum – da muss man sich schon irgendwie zu helfen wissen. 

In kleinerer Runde fallen solche Nachmittage mittlerweile relativ entspannt aus. Ich habe gute Freundinnen, die mir den dritten Arm ersetzen, der leider im Lieferumfang der Zwillinge nicht enthalten war. Und die beiden Jungs können sich dann wenigstens eine Zeitlang auf der Spieledecke selbst bespaßen. Babys, die einfach so irgendwo einschlafen, sind in unserem Haushalt leider nicht verfügbar. Ich warte noch auf das Update, das dieses Feature mit sich bringt. 

Kaffeeklatsch mit betreuungsintensiven Zwillingen.

Heute war etwas mehr los, und außer meinen beiden Babys war ein weiteres da sowie zwei Kleinkinder. Da wird es mit der Spieledecke schon schwieriger, da man immer gut Acht geben muss, dass kein Baby aus versehen kaputt geliebt wird oder ein Finger im Auge oder in der Fontanelle landet. Das stresst mich und die Zwillbos auch irgendwie. 
Da wir uns halt auch mal wieder in irgendeinem Schub befinden – irgendein Schub ist ja immer – und stündlich Abertausende neue Datenautobahnen in den Köpfen der Zwerge gebaut werden, ist mit ihnen nicht immer gut Kirschen essen. Kirschen wollte ich auch nicht, aber Waffeln und Kuchen. Also habe ich sie mir todesmutig gepackt. Dazu eine Tragehilfe und etwas Spielzeug. 

Den Perfektionismus habe ich freundlich aber bestimmt gebeten, zuhause zu bleiben. Dann habe ich halt keine stillen tiefenentspannten Vorzeigebabys, dachte ich mir, dann ist das eben so. Mir fällt es nämlich oft schwer, nicht in allen Bereichen meines Lebens total souverän zu sein. Und als Mama bin ich ja eigentlich noch total grün hinter den Ohren – und habe trotzdem direkt zwei Fortgeschrittenenmodelle bekommen. 

Ich hab direkt zu Beginn der Kaffeerunde klar gestellt: „Nur damit ihr es wisst: Sie sind gestillt, gewickelt und gesund. Wenn sie brüllen, sind sie vermutlich einfach irre oder gelangweilt.“ Denn auch gute Freundschaften schützen vor klugen Ratschlägen in der Mutterschaft nicht immer.Ich liebe ja in solchen Situationen ganz besonders die Frage „Haben sie vielleicht Hunger? Müssen sie mal gestillt werden?“ „Och, nö, hab ich gestern erst, ich mach das nicht so gerne.“ Als der müde Pepe dann irgendwann zum Kreischkonzert anhob, erkundigte man sich trotzdem, ob er vielleicht mal ein Bäuerchen machen müsste. Da fragt man sich doch, wie die Kinder ohne fremde Hilfe mehr als vier Monate in unserer Obhut überleben konnten. 

Doppelt bekindert.

Die beiden haben zwischendurch mal gezeigt, was ihre jungen Stimmen so hergeben und zum Schlafen irgendwo im Nebenzimmer war es natürlich viel zu aufregend. Da hilft nur eins. Oder zwei. Die Trage und etwas Kraft. Das müdere Kind landet vor meinem Bauch, so hab ich die Hände frei für den Zwillbo, der die Augen noch nicht zu bekommt, aber auch keine Lust auf fremde Arme oder die Decke hat. Tja, da staunt das Publikum dann oft nicht schlecht, aber irgendwie geht es. Und nimmt man den anderen Querulanten halb in den Fliegergriff, gibt es sogar noch Kapazitäten für Kaffee oder Kekse. Was will man mehr? Zugegeben, das ist kein Zustand, den ich über Stunden aufrecht erhalten kann, aber es funktioniert und die Zwillingsmama ist ein bisschen gesellschaftsfähig. 

Vielleicht wirken wir dann und wann mit unserem Lautstärkepegel – Pepe perfektioniert derzeit seine Kopfstimme – auf kinderlose Menschen ein bisschen abschreckend, aber so sind die Zwillbos halt zuweilen: außer Rand und Band. Von wem haben sie das eigentlich?!

13 Comments

  1. Toll wie du das meisterst mit deinen Beiden! Mein Exemplar hier ist ja ein paar Wochen älter (und halt nur Einling, was die ganze Sache enorm erleichtert, ansonsten aber auch eher aus der Kategorie „für Fortgeschrittene“, weshalb ich all deine Posts hier und auf Instagram total nachvollziehen kann), aber ich kann mich noch gut erinnern was das für ein tolles Gefühl war, sich wieder alleine zum Kaffeetrinken zu „trauen“ (also trotz Perfektionismus und so) – Freiheit pur :)
    Kleine Anekdote zum Thema hilfreiche Ratschläge #nicht: Mein kleiner Schatz fand Weihnachten bei den Schwiegereltern total aufregend und konnte nicht so leicht einschlafen trotz absoluter Erschöpfung. Da hilft bei uns nur stillen. Und Geduld. Viel Geduld. Setzt sich meine Schwiegermutter daneben und sagt: „Du, vielleicht kommt da ja keine Milch raus, und er weint deshalb?“ Herrlich. Und das mit dem Bäuerchen musste ich mir dann auch noch anhören :)
    LG und an dieser Stelle auch ein frohes neues Jahr für euch, Jana

  2. Ach ihr seid voll Gesellschaftstauglich!!! Es war sehr schön u als du weg warst hat Vicky Trompepe gut ersetzt …! Ich freu mich schon aufs nächste Mal :-* PS: ich hab im wilden Beruhigungsschuckeln übrigens 2x Dein Patenkind umgenietet- soviel zu, Thema Kindertauglichkeitstest- failed 😳🙈😘

  3. Ich hab ja als Erstkind so ein total angepasstes Vorzeigeunterwegskind gehabt. Da konnte man dann zwar Kaffee trinken gehen ohne Schwitzanfälle, aber keine Freundin hat einem geglaubt, wie anstrengend das Kind ist, wenn man allein mit ihm ist. Auch nicht lustig

  4. Du schreibst immer so irre witzig, genial!
    „Pepe perfektioniert derzeit seine Kopfstimme“
    „dass kein Baby aus versehen kaputt geliebt wird oder ein Finger im Auge oder in der Fontanelle landet.“
    Mal wieder schallend gelacht, chapeau liebe Juli!
    Es grüßen die MutterKutter Mädels

  5. Hi ein frohes neues Jahr. Ich lese sehr gerne deine Texte – du schreibst sehr unterhaltsam und bringst einen immer wieder zum Lachen. Ich bewundere dich wie du das mit den zwei Mäusen managst. Sehr erfrischend dein Blog. Ich habe dich für den LiebsterAward auf meinem Blog nominiert. Würde mich freuen von dir zu hören: https://herzmomenteseite.wordpress.com/2016/01/06/liebster-award-nominierung/

    Liebe Grüße Carina (noch ohne Kinder aber ich hoffe das ändert sich bald :))

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