Sechs Monate mit Zwillingen: Alles bleibt anders

Als Zwillbo-Familie befinden wir uns gerade irgendwie in einer Schwellenzeit. Das bedeutet in erster Linie nicht, dass wir besonders viel auf Achse sind – obwohl es mir oft so vorkommt. Vielmehr verändert sich gerade so viel Grundlegendes. Die beiden Chefräuber werden bald sechs Monate alt. Ein halbes Jahr haben wir schon gemeinsam überlebt – und das noch nicht einmal so übel!

Als vor kurzem der neue Cousin geboren wurde, konnte ich mir kaum mehr vorstellen, dass wir vor 26 Wochen zwei Exemplare des Modells „Zwergenbaby“ bei uns zu Hause hatten. Zwei Winzlinge, die mehr an einem vorbei ins Leere schauen als die Faxen wahrzunehmen, die man für sie macht. Zwei Babys, die locker mal eine Nacht gemeinsam auf dem mütterlichen Bauch verbringen konnten – jetzt werden Platz und elterliche Atemkapazität bei einem schon knapp.

Diese einstigen Zwergenbabys können mittlerweile sehr gezielt greifen und nehmen sich, was sie wollen [und dürfen/oder wobei sie nicht erwischt werden]. Sie liegen nicht mehr einfach nur herum, sondern sie zappeln und drehen sich und befinden sich in den Startlöchern bald loszurobben. Zähne wachsen. Sie verputzen mittags Gemüsebrei und gleichzeitiges Stillen ist schon seit Wochen Geschichte. Da war stets das Interesse am Bruder größer als der Hunger oder man hat sich gnadenlos gegenseitig in die Augen oder Münder gepikst. Generell stille ich mittlerweile kaum noch. Pepe hat für sich beschlossen, dass die Beziehung zur Flasche unkomplizierter ist [zumindest brüllt er die nicht an]. Auch Mads trinkt so mittlerweile besser. Und nach einer Trauerphase bin ich eigentlich auch ganz froh, wieder Autonomie über meinen Körper zurück zu erlangen. Nach 38 Wochen Schwangerschaft und fünfeinhalb Monaten Vollstillen im Doppelpack fühl ich mich ganz schön…ausgelaugt.


Was ich eigentlich sagen will: Jeden Tag beginnt etwas Neues, können die Zwillbos etwas Neues [ja, auch Spuckebläschen pusten ist eine Kompetenz!], und fast jeden Tag geht etwas vorüber… Vor unseren Augen meißeln sich gerade zwei Persönlichkeiten aus dem Stein heraus, das ist unfassbar spannend und zugleich trauert man [vielleicht eher ich als der Zwillbo-Papa, der endlich mit den Jungs auf den Bolzplatz will] dem Gewesenen hinterher. Ich kenne keine Gratwanderung zwischen Loslassen und Haltgeben, die mit dem Mamasein vergleichbar wäre…

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Obwohl wir hier erst knapp vier Monate um haben, kann ich das alles schon jetzt sehr gut nachempfinden. Es geht alles so schnell, das Mini-Baby von vor wenigen Wochen wird immer selbstständiger. Natürlich ist das schön zu sehen und auch dass der Zeitpunkt näher rückt an dem der Papa mit dem Kleinen bolzen gehen kann (da scheint sich wohl jeder Papa drauf zu freuen). Aber irgendwie schwingt schon eine unglaubliche Wehmut mit. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass die enge Verbindung durch das Stillen noch in der jetzigen Form besteht. Damit irgendwann einmal aufzuhören wird sicher auch für mich nicht leicht.
    Toller Titel übrigens!

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Danke 😊 ja, irgendwie beginnt das Loslassen schon mit der Geburt! Aber es ist auch toll zu sehen, dass man ihre sichere Plattform ist und wie selbstsicher sie die Welt erkunden!!!

      Gefällt mir

  2. Mal wieder so ein toller Text! Und wie recht Du hast: es geht soooooo schnell! Die Spucke-Bläschen-Kompetenz erscheint mir jetzt in ganz anderem Licht 😂😘

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Juli! Schön formuliert 😊 Ich hab selbst grad gestern ein paar Einträge ins Babytagebuch der Zwillinge ins Reine geschrieben und war dabei ganz wehmütig. Krass scheint mir wie viel man bereits nach 19 Monaten wieder vergessen hat – So kleine süße Unwichtigkeiten, die damals sooo wichtig waren *hach*
    Weiterhin alles Gute mit den Zwillbos, liebe Grüße Alexandra

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s