Schleppen für Fortgeschrittene: Vom Dachgeschoss bis auf die Straße

Als die Zwillbos in Sachen Motorik noch nicht wesentlich mehr Pfeile im Köcher hatten als etwas hakelig nach einem O-Ball oder einer Rassel zu greifen, war es relativ simpel, die Herrschaften aus unserer Wohnung im zweiten Stock in den Kinderwagen und damit vor die Haustür zu bugsieren: Sie lagen muckelig warm eingepackt in ihren Wannen. Zwar haben sie [es war Winter, überwiegend] alles zusammengebrüllt, wenn ich sie in ihre niedlichen kleinen Schneeanzüge gewurstelt habe, doch meist war schon Ruhe, wenn sie auf ihre Lammfelle gebettet waren, spätestens aber, wenn es die Treppe runter ging und sie hübsch geschaukelt wurden.*

Wenn ich alleine mit den Kindern war, hab ich erst Wanne Nr. 1 bis zu den Nachbarn in der Mitte vor die Tür geschleppt. Dann bin ich hoch gesprintet, um Wanne Nr. 2 zu holen, und schließlich die Prozedur zu wiederholen bis wir vollzählig unten waren. Dort hab ich den Wagen aus der Ecke gepuhlt, die letzten Stufen bis vor die Haustür herunter geruckelt, dann hab ich die Jungs aus dem Flur geholt und los ging es. Die Jacke musste ich mir während dieser Zeit frühestens draußen anziehen, schließlich wurde mir bei dieser leiblichen Ertüchtigung warm genug. 

Zahllose Blutergüsse

Wenn ich mit den Kindern allein zum Auto musste, hab ich es genauso gemacht, allerdings dann von der Haustür an beide Babyschalen gleichzeitig geschleppt. Da der Mann lange Elternzeit hatte, war das zum Glück nicht permanent der Fall – aber es war machbar. Allerdings zierten während dieser zahllose Blutergüsse in allen Farben des Regenbogens meine Beine, denn jeder, der schon einmal Babys in diesen Sitzen transportieren musste, weiß: Sie sind alles andere als handlich. Die Sitze. Aber Babys finde ich auch nicht immer handlich.

Um Ostern herum haben wir dann den Kinderwagen umgerüstet. Wir hatten die Befürchtung, die Zwillbos würden vielleicht aufhören zu wachsen, wenn wir sie weiterhin in ihre Wannen pressen, also wurde es Zeit für die Sportsitze. Zudem sahen wir den Moment gekommen, den beiden mehr von der Welt zu zeigen als ihr Kinderwagenverdeck. Wir haben den Umbau vor uns her geschoben, weil mit Schwinden der Kinderwagenwannen auch unsere Möglichkeit, zwei Babys herunter zu tragen UND irgendwo abstellen zu können, hinfort war. Denn zu diesem Zeitpunkt waren die Zwillbos ohne weitere Features nicht abstellbar, sie konnten ja noch nicht sitzen oder ähnliches. Und hätten sie es gekonnt, so hätte vermutlich nicht der eine brav auf dem mittleren Treppenabsatz gewartet, bis Mutti den Bruder aus der Wohnung geholt hat, sondern hätte sich bereits schon mal in Eigenregie die Stufen hinunter gestürzt. 

Ein neues System muss her 

Wir brauchten also, wie schon so oft, ein neues System. Irgendwie hat sich zunächst die Babyschalenschlepperei bei uns durchgesetzt: beide Kinder oben hineinsetzen, anschnallen und nach und nach runter tragen [oder zu zweit oder, im Fall des Mannes, beide gleichzeitig]. Natürlich ist das umständlich, aber vermutlich sind zwei Babys immer umständlich in der Handhabe. Unten im Treppenhaus haben wir dann für die Zeit des Spaziergangs die Babyschalen geparkt. Aus feuerpolizeilicher Sicht ist das sicherlich eine Katastrophe, aber das unsere Kinderwagenparade dort eh [Brandschutzbeauftragte mögen sich per Email an mich wenden]. 

Mir wurden die Jungs im Laufe der Zeit dann wirklich zu schwer in den Kiepen. Und weil sich mit einem Kind in der Trage vor dem Bauch ab einer gewissen Größe mangels Armfreiheit seitens der Mutter auch kein Zweites mehr tragen, geschweige denn ins Auto oder den Kinderwagen setzen lässt, habe ich angefangen zu üben, mir einen Zwillbo auf den Rücken zu schnallen. Das fanden alle Beteiligten anfangs ziemliche abenteuerlich, allerdings hatten wir schnell den Bogen raus. Die Zwillbos sind äußerst trageerprobt und finden es zudem brüllend komisch, auf dem Rücken ihrer Mutter zu sitzen und selbiger am Zopf zu ziehen.

Offenbar finden dennoch viele Menschen, dass es brandgefährlich aussieht, wenn ich mir ein Kind auf den Rücken „werfe“. Denn im Prinzip kommt jedes Mal ein gerne weiblicher, älterer Passant herbeigeeilt, wenn ich eines der Kinder in der Öffentlichkeit in die Rückentrage setze. Manche Menschen wechseln dafür sogar die Straßenseite und rufen schon von weitem: „Soll ich Ihnen helfen?! Nicht, dass das Kind da runter fällt!!!!“ Das ist sehr nett. Aber zumindest für mich gilt, dass ich solche Aktionen nicht vollführen würde, wenn das Kind Gefahr liefe „da runter“ zu fallen. Schon gar nicht auf offener Straße. Aber das nur so nebenbei bemerkt. 

Altbau – schön, aber umständlich

Ist also der erste Sohn fachgerecht in der Manduca oder Bondolino verstaut, bleiben noch ein Arm für das zweite Kind und ein weiterer für die Wickeltasche. Wir leben in einem Altbau. Das Erdgeschoss befindet sich gewissermaßen im Hochparterre, so dass man von dort aus – wo der Kinderwagen parkt – noch einmal einige Stufen bewältigen muss. Meistens setze ich noch im Hausflur den ersten Zwillbo in den Wagen und ruckele selbigen nebst Passagier treppauf treppab ins Freie. Dort wird dann der zweite Zwillbo aus der Trage in seinen Sitz verfrachtet. 

Bin ich alleine im den Jungs zum und mit dem Auto unterwegs, setze ich in der Regel das Kind, das ich auf dem Arm getragen habe, in den Fußraum und schnalle dann den Rückentragling ab und im Kindersitz fest. Da wir nämlich leider weder über einen Omnibus noch über eine Großraumlimousine verfügen, liefe das Huckepack-Kind ansonsten Gefahr, beim Anschnallen des Bruders mit der Rübe vorm Autotürrahmen zu landen. 

Wenn wir vom Spaziergang nach Hause kommen und nicht den totalen Zeitdruck haben, dürfen die Zwillbos alleine die Treppe hinauf krabbeln. Zugegeben: Man muss dafür schon ein wenig Zeit und Geduld mitbringen, denn unterwegs gibt es viel zu entdecken, formidable Turnmöglichkeiten und allerhand Gelegenheiten, den Bruder zu ärgern. 

Im Moment funktionieren die genannten Transfermittel für uns ganz gut. Doch ich bin sicher, wenn die Zwillbos den aufrechten Gang für sich entdecken, muss ein neues System her. 

…Und wenn man mal etwas oben in der Wohnung vergisst? Um es mit den Worten meines Schwiegerpapas zu sagen: „Man vergisst am besten nicht zu oft etwas.“

*Ausnahmen bestätigen die Regel und ich möchte auch nicht ausschließen, dass mir mein Gehirn einen Streich spielt und die Vergangenheit beschönigt, damit ich unbedingt noch einmal Zwillinge bekommen möchte.

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. ANNA sagt:

    Hey!
    Ich habe auch den bugaboo donkey und trage die Jungs auch in den sportsitzen genauso runter wie vorher in den Wannen. Sie werden oben in der Wohnung in die Sitze geschnallt und dann einzeln runter getragen. Warum machst du das nicht auch so? Das mit Trage auf dem Rücken mache ich auch öfters wenn wir aus dem Auto heraus nur kurz zum Bäcker wollen oder nach nebenan laufen und sich das mit dem bugaboo nicht lohnt.
    Liebe Grüße aus Beelitz
    Anna

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    1. doppelkinder sagt:

      Hey Anna, kippen die bei euch nicht so komisch um? Irgendwie war mir das nicht geheuer. Wie schwer sind deine Jungs? Liebe Grüße!

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      1. Soly sagt:

        Hallo, ich schreibe mal wie es bei uns ist, da wir auch den Donkey haben.
        Genau die Befürchtung hatte ich nämlich auch, dass die Sportsitze kippen könnten. Also beim Runtertragen auf jeden Fall mit beiden Händen festhalten, eine Hand hält den Bügel fest und die andere hinten wo dieser „Schlater“ ist um die Sitzposition zu ändern. Und beim Abstellen immer darauf achten, dass der Sitz durch diese beweglichen „Aufsetzteile“ nicht wackelt.
        Variante 1: ein Kind oben in den Sitz packen (vorzugsweise, dass welches besser gelaunt ist) und auf eine die Zwischenebenen bringen. Tasche umhängen, 2. Kind auf den Arm, abschließen und in den bereits vorbereiteten Wagen unten im Flur setzen. Danach zweites Kind abholen und hoffen, dass es immer noch gut gelaunt ist. 🙂
        Variante 2: beide Kinder in die Sitze schnallen, vor die Wohnungstür bringen, abschließen und beide abwechselnd auf die Zwischenetagen bringen, bis beide unten sind und dann einfach auf den Wagen aussetzen.
        Variante 3: für mich leider nicht praktikabel, nur für den Papa, er schafft es beide Kinder gleichzeitig in den Sportsitzen runterzutragen. 🙂 YEAH Superpapa! 😉

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      2. doppelkinder sagt:

        Aber wo lässt du Kind 2, während du das erste runter trägst? 😃 wir müssen echt erfinderisch sein 🙈

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      3. Anna sagt:

        Nee die kippen nicht. Ich helfe allerdings Bein Einstieg. die Jungs wiegen jetzt 11 Kilo nochwas. Man muss halt die Füße so nach hinten kippen… Wenn du mir eine Mail schreibst kann ich dir mal ein Foto davon schicken.

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      4. doppelkinder sagt:

        Das klingt gut, vielleicht probieren wir das auch mal. Du könntest das Foto an doppelkinder@gmx.de schicken 😊 liebe geüswe

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  2. Jutta sagt:

    Hallo!
    Ich habe auch den bugaboo donkey, aber noch ganz kleine Zwillingsjungs (2 Monate). Bin also sehr froh über alle Tipps & Tricks zum Transport etc., die ich hier finde. Ich fände was zum gleichzeitig Tragen (mit welchen Hilfsmitteln?) auch sehr interessant.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Jutta

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    1. doppelkinder sagt:

      Hey Jutta, so kleine Racker, herrlich 😍 alles Gute für euch! Mit dem gleichzeitig Tragen bin ich leider nicht so bewandert. Wir hatten „damals“ zwar extra eine Trageberaterin hier, aber ehrlich gesagt, hat mir das in der Hinsicht nicht soooo viel gebracht. Es gibt allerdings Bindetechniken mit Tragetüchern, die das gleichzeitige Tragen von Babys ermöglichen, das habe ich mal bei YouTube gesehen. Ich hatte hier zu Hause oder auch, wenn ich bei Freunden war und beide geknatscht haben, oft einen im Tuch – später in der Bondolino – und einen daneben auf dem Arm bzw. im Schoß liegen. Ich versuche noch mal, mich schlau zu machen. Ganz liebe Grüße und alles Gute für euch!

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  3. Hallo Juli!
    Oh, ich erinnere mich nur zu gut an die Schlepperei… Und die blauen Flecken… Wir hatten ebenfalls keinen Lift und 48 Stufen zwischen Hauseingang und Wohnung… Zumindest wird man dadurch schon rasch nach der Geburt wieder topfit 😉
    Wir haben sie zuerst ebenfalls in den Bugaboo Donkey Wannen einzeln stückweise getragen. Ab 5.5. Monaten dann auch in den Sitzen. Als sie 9 Monate alt waren und sie wirklich schwer wurden, sind wir Gottseidank umgezogen *puh* Dann konnten sie schon krabbeln und so liest ich sie oft die 20 Stufen rückwärts runter oder vorwärts hochkrabbeln. Wie Du sagst, dauert das ewig, aber wenn es nicht eilig war, hab ich Ihnen den Spass gegönnt. Ansonsten beide auf die Hüften und rasch runter 😊
    Super spannend zu lesen wie Du das alles machst. Es führen ja immer viele Wege zum Ziel!
    Alles Liebe, Alexandra

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    1. doppelkinder sagt:

      Du bringst mich drauf, dass ich tatsächlich bislang noch nie die Stufen gezählt habe! Das muss ich dringend nachholen 😃 manchmal sehne ich mich auch nach einer Erdgeschosswohnung, denn wenn sie laufen können, haben sie unterwegs ja trotzdem alles mögliche andere zu tun – oder wollen dann eben gerade nicht hoch oder runter 😂

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      1. Stufen zähen ist ein absolutes MUSS – Wie weisst Du sonst, was für eine riesen Leistung Du gerade erbracht hast 😉 Oder wie viele Stufen Du noch vor Dir hast ;-D
        *haha* Ja, das wird toll. Für 2 Treppen hat man dann gut und gerne mal seine 10 Minuten 😀

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  4. Ann-Kathrin Werner sagt:

    Jaaaa der Transport, wie mache ich was, wie und wer mit wem…
    Wir sind in SSW 30 noch fix umgezogen, Erdgeschoss, was ein fucking Segen 😇😇😇. Meine Jungs laufen schon eine Zeit allerdings Treppen selbstständig natürlich nicht. Ich lasse sie auch immer hochkrabbeln ( und vielleicht noch ein Stockwerk höher ,Zwillis denken sich EG , laaaannnngweilig…). Runter trage ich sie meist oder einen auf dem Arm und einer an der Hand… Da sie auch meine Sprache noch nicht verstehen (❌🚫❗❗❗) ist die Verständigung schwierig, bezüglich, bitte kurz hinsetzen, bitte kurz warten, bla bla bla. Du machst es Prima und dir fällt dann bestimmt was neues ein ( vllt oben einen im Hochstuhl, Zwillbo 1 runterbringen in den KiWa, und Zwillbo 2 holen?! )
    Liebe Grüße von Anni , mit Jonathan und Leopold (lese dich natürlich auch bei Insta ☺)

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    1. doppelkinder sagt:

      Das war eine weise Entscheidung 😃 das mit den Hochstühlen habe ich auch schon überlegt, aber ehrlich gesagt, traue ich mich nicht so recht, denn die Zwillbos sind kleine Halunken und versuchen gerne mal, sich in den Tripptrapp zu stellen – zum Teil erfolgreich 🙈 aber man findet ja immer einen Weg – und das Kind in der Rückentrage merkt man eigentlich kaum, finde ich 😃 ganz liebe Grüße!!!

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  5. Mandy sagt:

    Ich muss schmunzeln, denn meine Zwillibos laufen nun schon sicher die 56 Stufen (…so oft gezählt beim Schleppen wie Du in den letzten 24 Monaten)…und es gab Zeiten, da dachte ich dieser Tag kommt niemals. Jetzt laufen sie brav mit Hand am Geländer rauf und runter, quatschen dabei unablässig und sind dabei unfassbar schnell….Sie sind zwar nicht immer super begeistert übers „Bergsteigen“ , aber dann gibts Motivation von Mama und einer läuft sowieso immer….Also nicht verzagen, weiter hoch krabbeln lassen, das trainiert die beiden und sich aufs spannende zweite Lebensjahr freuen….VG

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    1. doppelkinder sagt:

      Das klingt sehr verheißungsvoll! 😊 ich muss mir auch immer wieder vor Augen halten, dass es ja nicht so umständlich bleibt, wie es ist, sondern dass sie ja immer mehr lernen. Und irgendwie gewöhnt man sich als Zwillingsmama daran, dass solche Aktionen zum Alltag gehören, oder? Ganz liebe Grüße!! 😊

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