Die zweifelhafte Einstellung der Zwillbos zum Laternenfest

Ich bin ja manchmal ein bisschen naiv. Auch was meine Naivität betrifft, bin ich ein bisschen naiv. Nämlich insofern ich mich oft für viel zu hartgesotten halte, um naiv zu sein. Doch die Realität sieht oft anders aus. Zum Laternenfest wollten wir gehen. In einem Park hier in der Nähe. Einem sehr großen Park. Einem ehemaligen Bundesgartenschaupark. Ich hatte gewisse Vorstellungen davon [ähnlich romantisch wie von den ersten Schritten der Zwillbos]. 

Nun gut, jeder weniger naive Mensch könnte sich vorstellen, dass zu so einem zentralen öffentlich Schauplatz viele, viele laternenaffine Leute kommen. Ich nicht. Ich sah vor meinem inneren Auge ein recht überschaubares Grüppchen von Eltern, Großeltern und Kindern, ein paar Kinderwagen, einige Laternen, ein dickes weißes Pony und einen St. Martin oder eine Martina, die ihren Mantel teilt [ich hätte gleich wissen müssen, dass Zwillinge sowas langweilt, die müssen ja eh‘ schon pränatal ziemlich viel teilen. Und sind sie dann erst geboren, nimmt das kein Ende]. 

Wir gingen mit unseren Laternen.

Wir waren eigentlich ganz gut ausgerüstet. Vorbildlich hatten wir in der Krabbelgruppe mit den Kindern zwei Laternen gebastelt. Zumindest haben die Zwillbos ein paar halbwegs motivierte Farbstriche auf dem Pergamentpapier platziert, bevor sie dazu übergingen, die Wachsmalstiften zu essen. Aber der Mann hatte ziemlich gute Arbeit geleistet, und die Bufdi klebte alles hübsch zusammen. 

Kurz vor dem Abmarsch stellten wir fest, dass lediglich ein Stab elektrisch nicht intakt ist, so dass nur ein Exemplar aus dem Bestand meiner Schwester entliehen werden musste. Guter Schnitt für uns. Sogar eine kleine Lichterkette hatte der Zwillbo-Vater liebevoll um den Kinderwagenlenker drapiert. In meiner Verantwortung lag das Vorhandensein von Batterien, und da uns am Park auffiel, dass nur eine einzige fehlte, verfügten wir immerhin über zwei Leuchtmittel. Ziemlich guter Schnitt! 

Hunderte von Menschen 

Mads hatte eigentlich schon auf dem Hinweg keine Lust mehr, im Wagen zu sitzen, und machte daraus keinen großen Hehl. Akustische Unterstützung bekam er aus dem Zwillingskinderwagen unserer Freunde, auch hier hatte eine Tochter wenig Lust auf St. Martin. Im Park selbst war es…voll. Hunderte von Menschen schoben sich dort Zentimeter für Zentimeter über die Wege. Kleine Menschen, große Menschen, Menschen mit Laternen, Menschen mit und in Kinderwagen, Menschen mit Fackeln und beneidenswerte Menschen mit Glühwein. 

Der leichte Abendwind trug Klänge einer Blaskapelle herüber, die geschätzt drei Kilometer von uns entfernt war. Ich persönlich fand das nicht so schlimm, doch es gab Aufschluss darüber, wo sich der Anfang des Zuges befand. Und das Pferd. Und Martina. Die Nachkommen wurden indes immer unleidlicher in ihren Wagen. Irgendwie hatte ich erwartet, der Anblick von Laternen würde eine schiere Hysterie der Begeisterung auslösen. Doch offenbar gruselte er die Kinder eher. 

Laternenersatzverkehr.

Wir haben uns dann querfeldein zum nächsten Ausgang durchgeschlagen, dort noch eine Packung Wunderkerzen abgefackelt, die ich nachmittags beim Entrümpeln der Küchenschublade gefunden hatte, und haben die quengelnde/halbschlafende Meute heim kutschiert. 

Geschichte haben wir mit unserem Laternen-Debüt nicht unbedingt geschrieben. Aber immerhin waren alle für anderthalb Stunden an der frischen Luft. 

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