Marathon ohne Ziellinie – Stay at home | Wie lange noch?

Seit fünf Wochen bin ich mit den drei Kindern zu Hause. Und in unserem Garten. Mittags kommt der Mann dazu. Fünf Wochen eigentlich nur wir fünf, wenn wir von seinen Kontakten zu Arbeitskollegen absehen. Durch die Bürotür hindurch. Auf Distanz.

Fünf Wochen auf Abstand. Bewegung draußen im Viertel meidend, da das unterschwellige Gefühl, vielleicht etwas „falsch“ zu machen, jemanden zu verunsichern, jemandem zu sehr auf die Pelle zu rücken, immer mit dabei ist. Fünf Wochen, in denen wir viel Energie investieren, um den Kindern Leichtigkeit und Normalität zu vermitteln. Sie sollen nicht ständig hören, was wir gerade alles nicht dürfen. Nicht ständig „Pass auf!“ und „Halte Abstand!“ und „Das geht gerade nicht“.

Wir alle machen das prima

Sie machen das prima. Wir machen das prima. Wir alle! Abertausende Familien in Deutschland, abertausende Geschichten. Jede einzigartig, viele mit gemeinsamen Schnittmengen.

Fünf Wochen.

Sie erschienen uns unfassbar lang, als wir am 13. März von ihnen erfuhren. Wir waren schockiert, wir holten uns zurück ins Hier und Jetzt, planten, organisierten, handelten und agierten uns aus dem ersten inneren Lähmungszustand heraus. Gut gemacht.

Fünf Wochen.

Wir haben uns durchgehangelt

Hangelten wir uns durch, optimierten Tagespläne, Speisepläne, Arbeitspläne. Sammelten und teilten Basteltipps, buken um unser Seelenheil, machten online Sport, steckten und zogen Euphorie aus gestreamten Konzerten und Vorlesezeiten.

Fünf Wochen.

In deren Verlauf vielleicht so etwas wie eine neue Normalität entstand. Eine Normalität, die uns sehr viel Kraft kostet – abertausende Familien auf abertausende verschiedene Weisen.

Auf ein Datum konzentriert

Fünf Wochen, in denen sich viele von uns auf ein Datum konzentriert haben. Auf einen Zeitraum. Nach Ostern.

Mit der Zeit schlich sich wohl in die allermeisten Herzen das Gefühl die Ahnung, dass es damit nicht getan sein könnte. In vielen Fällen einvernehmlich. Der Verstand sagt: Ja! Maßnahmen aufrecht herhalten, weiter aufeinander achtgeben. Das Herz schreit: NEIN! Bitte nicht.

Aus abertausenden Gründen. Weil Kinder keine Spielgefährten haben, vielleicht. Weil Elternteile alleine sind. Weil unfassbare Belastungen da sind. Weil… Abertausend Gründe.

…da war eine leise Hoffnung.

Ein Wunsch blieb in den meisten Fällen, eine leise Hoffnung. Nicht auf eine alte Normalität, die wir längst verabschiedet haben. Nicht auf eine sofortige Änderung der Betreuungssituation. Aber vielleicht immer hin auf einen Zeitpunkt. Ein neues Datum. Etwas Konkreteres.

Abertausende hängen emotional in der Luft

Abertausende Familien hängen weiterhin emotional in der Luft. Mit verständiger Ratio. Aber auch mit enormer Belastung, mit Sorgen und Ängsten. Mit Kindern, die vermissen.

Abertausende Familien verstehen, dass es wichtig ist, sich so zu verhalten.

Trotzdem dürfen sie anders fühlen. Dürfen wir anders fühlen.

Wir laufen weiter

Es ist wie ein Marathon, nur ohne Ziellinie. Wir laufen weiter. Als ich den Podcast zum heutigen Artikel aufgenommen habe, bin ich auch gelaufen. Mit dem Baby durch den Wald.

HÖR DIR HIER DEN PODCAST AN:

 

Es gibt keine Episode in Tonstudio-Qualität, aber es gibt eine Episode. Ich teile darin ein paar Tipps, die mir gerade helfen, den Kopf oben zu behalten.

Wir laufen weiter. Zusammen.

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