Vom Realisierungsstau einer werdenden Zwillingsmutter

Wir bekommen Zwillinge. Also ein bisschen haben wir sie ja schon. In meinem Bauch. An manchen Tagen ist mir beinahe bewusst, das wir bald zu viert sind. Aber an sehr vielen anderen Tagen ist diese Information immer noch eine Nummer zu groß für meinen Verstand. Geht das nur mir so? Oder haben andere werdende Mütter auch einen Realisierungsstau?

Noch gehört die Schaukel mir!

Hier parkt ein Kinderwagen für zwei. Zwei Babyschalen warten auf die erste Autofahrt mit den Jungs. Jede Menge Winzlingsklamotten ruhen mehr oder weniger wohl sortiert in einer Kommode, die einst in meiner WG stand und nun zum Wickeltisch upgegraded wurde (wir ziehen sogar Möbel mit rein in die Familien-Nummer). 

Tobeattacken in utero

Die deutlichste Sprache sprechen aber wohl die Zwillbos selbst. Die beiden sind sowas von präsent und aufgeweckt, dass ich manchmal mahnende Worte in Richtung Bauch sprechen muss, der mittlerweile exorbitante Ausmaße angenommen hat. Ich glaub, die beiden pogen gerne. Oder sind der Auffassung, sie seien Mitglieder einer Rockband, die jetzt standesgemäß das Hotelzimmer auseinandernehmen müssen. Dabei soll das noch ein paar Wochen halten, bevor sich jemand zum großen Showdown bildlich gesprochen in den Glastisch schmeißt. 

Trotz alledem ist es noch ganz schön unwirklich. All die Tage, Wochen und Monate, die so eine Schwangerschaft dauert – auf einmal neigen sie sich dem Ende und der Bauch immer mehr dem Erdboden zu. Das kann doch nicht sein, denke ich mir zwischendurch. Ist das jetzt der Zeitpunkt, an dem ich Mutter werde? Der Zeitpunkt, an den ich in den vergangenen Jahren sooft gedacht habe, der dann aber immer noch den Namen „später“ trug? 

Aus dem erdnussflipartigen Duo in meinem Bauch, dass sich zunächst als Einzelkind ausgeben hat, sind zwei echte Jungs herangewachsen. Mit Armen, Beinen, Fingern und allem drum und dran. Das passiert ständig in vielen, vielen Bäuchen um mich herum. Es ist das natürlichste der Welt. Und trotzdem ist es für jede Mutter und jeden Vater der absolute Wahnsinn. Zurecht. 

Das Kinderzimmer ist so gut wie fertig.

Mann, was hatte ich eine große Klappe in den vergangenen Jahren. Vor allem vor mir selbst. Der Gedanke, Mutter zu werden, hat mir nie großartig Angst gemacht. Ich hatte immer den Eindruck, dass ich das schon bewerkstelligen würde. Hinterlistig wie solcherlei Sorgen, dass es anders sein könnte, nun einmal sind, kamen sie erst in der Schwangerschaft auf. Marschierten einfach so ohne anzuklopfen in Kopf und Herz hinein, legten dort frech die Füße auf den Tisch und begannen, ihre „Was-wenn-Fragen“ zu stellen. 

Was, wenn du nicht genug Liebe hast? Was, wenn du zu ungeduldig bist? Was, wenn du keinen Bock auf die beiden hast? Was, wenn… was, wenn… Was, wenn?!?! Dass denen mal die Puste ausgeht, darauf wartet man vergebens. Immer fällt ihnen irgendwas neues an, womit sie einen sticheln. Manchmal hilft da einfach nur Weghören, schnöde Ignoranz, wird schon denken. Oder: Sie haben ja auch noch einen Vater. 

Muss RTL2 euch retten?!

Tja, ihr lieben Zwillbos. Bald seid ihr so richtig bei uns. Ich hoffe, ihr habt euch das gut überlegt – allerdings hatte ich schon so manches Mal den Eindruck, dass ihr kleinen ungeborenen Wesen so viel klüger seid als ich… Vielleicht ahnt ihr ja sogar schon, wovon ich noch keinerlei Schimmer habe: Werd ich vielleicht ’ne Helikopter-Mom? Ich hab doch Flugangst! Oder ne Glucke? Ich mag Hühner nicht… Oder werden euch irgendwann RTL2 und Katja Saalfrank aus der Misere retten müssen, weil ich Milchschokolade und Erdbeerkäse für adäquate Kinderernährung halte und im Akkord Kippen stopfe anstatt mit euch zu basteln?! Ok, dafür müsste ich erstmal anfangen zu rauchen, aber wer weiß!?

Wie auch immer der große unbekannte Plan aussehen mag – wir warten hier auf euch. Eine aufgeregte Mama, ein aufgeregter Papa, manchmal jede Menge Chaos (ich nehme an, das ist euer Spezialgebiet), eine lustige Vielzahl an Verwandten und vermutlich auch ganz schön viel Liebe. Und was ich an mütterlicher Perfektion nicht liefern kann, könnte ich dann und wann mit Spaß ausgleichen – dann haben wir wenigstens einen hohen Unterhaltungswert.

15 Kommentare Gib deinen ab

  1. *haha* Oh ja, die Gedanken kenn ich nur zu gut 😉
    So im Nachhinein kann ich berichten, das sie bei mir auch nach der Geburt noch einige Zeit angehalten haben. Aber nach einigen Monaten hast Du den Bogen raus und dann kann kommen was mag – Dich schockt dann nichts mehr 😉 Bei mir wars zumindest irgendwann so – Ich glaube nach 5 bis 6 Monaten. Übung macht halt doch den Meister.
    Manchmal denk ich heute noch „Krass, wir dürfen einfach zwei auf einmal haben“. Das vergeht wohl nie ;-D

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    1. doppelkinder sagt:

      Das klingt gut! 😊

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  2. melverenice sagt:

    Ich frag mich auch konstant: „was, wenn ich sie nicht mag?“, „was, wenn ich keinen Bock hab Mutter zu sein?“, „was, wenn mir das alles zu viel wird?“
    Ich glaube das ist normal… Hoffe ich zumindest 🙂 Mir hat es letztens sehr geholfen, als meine Schwägerin (die sich immer unbedingt, wie eine Irre ein Kind gewünscht hat) sagte, dass auch sie plötzlich diese Gedanken hatte.
    Und ich finde es auch äusserst seltsam, dass hier alles voller Kinderkrempel steht, ich mir aber überhaupt nicht vorstellen kann, dass da wirklich bald ein Kind drin steckt. Eins das nie wieder weggeht!!! AAAAAHHH

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    1. doppelkinder sagt:

      Gut, dass es uns allen offenbar so geht! Und es tut echt gut, das von anderen werdenden Müttern zu hören. 😊

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      1. melverenice sagt:

        Ich bin zwar eigentlich kein Freund von Foren aber ich hab per Zufall ein wirklich gutes Elternforum gefunden. Such mal nach Rabeneltern Forum. Da tauschen sich tatsaechlich Leute aus die NICHT klingen als waeren sie zwoelf und die nur ein Kind bekommen, weil es sooo niedlich ist und zur Hello Kitty Sammlung passt.
        Ich finds grad ganz angenehm mit anderen Frauen dort Erfahrungen und Eindruecke auszutauschen.

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      2. doppelkinder sagt:

        Ich find die meist auch schlimm – die totale Panikmache, vor allem in der Schwangerschaft. Was man da immer für Horrorgeschichten liest!!! Aber das ist okay, sagst du?

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      3. melverenice sagt:

        Ja das ist mehr als okay. Ich bin da in der Septembergruppe und echt gluecklich. Normale Frauen, die sich ueber normale Dinge beklagen und freuen. Ausserdem ist auch der Rest des Forums sehr informativ. Und ich find den Ton ganz toll: respektvoll und wenig Rechtschreibfehler 😉

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      4. doppelkinder sagt:

        Dann werde ich mal einen Blick wagen 🙂

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      5. doppelkinder sagt:

        „Wenig Rechtschreibfehler“ 😂👍🏻

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  3. Kuntabunt sagt:

    Ich liebe deine Posts ❤️ Und ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen! Gut, ich stehe auch erst kurz vor’m zweiten Trimester, aber manchmal überkommen sie mich auch!

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    1. doppelkinder sagt:

      Ooh, Danke, du Liebe, das freut mich sehr. Neben der Vorfreude begleiten mich Ängste und sehr großer Respekt vor unserer doppelten Aufgabe die gesamte Schwangerschaft – ich glaube, das ist normal. Bei dir sind es ja auch die ersten Kinder, oder? Ich wünsche dir auf jeden Fall eine entspannte Schwangerschaft! 😊

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  4. estrael sagt:

    Du schreibst mir quasi aus der Seele. Manchmal kann ich abends erst einschlafen, wenn ich so tue als hätte ich da keinen Menschen im Bauch 😀

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    1. doppelkinder sagt:

      Das ist ja auch das abgefahrendeste, das man erleben kann! Völlig unfassbar! Ich erschreck mich auch manchmal morgens beim Aufwachen vor dem Bauch 😀. Es macht mir viel Mut, dass es uns allen so geht 😊.

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  5. Kerstin sagt:

    Bis man selber wirklich Kinder hat, ist jede Vorstellung die man sich davon macht eh falsch. 😉 Also lässt man es besser. Zumindest theoretisch. Denn das was kommt, wird anders sein.
    Anders, anstrengender und viel, viel schöner.

    Aber ich habe ja die Tage selbst geschrieben, dass ich (obwohl ich weiß, was ein Kind/Baby bedeutet) immer noch nicht ganz realisiert hatte, dass es wirklich kommt. Also dass da wirklich bald noch einer bei uns sein wird. So in echt. Und nicht nur in der Theorie.

    Wunderschöne Vorfreude! Und genau die Wünsche ich dir!
    Gruß Kerstin

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    1. doppelkinder sagt:

      Dankeschön, die wünsche ich dir auch! Vorgestern habe ich meine Hebamme gefragt, ob ich mir Sorgen machen müsste, weil ich so gar keinen Plan für die erste Zeit hätte, außer kennenlernen und uns zurecht finden. Da sagte sie, das sei sehr gut 😀. Wenn es dann so weit ist, werde ich vermutlich feststellen, dass ich wohl doch gewisse Erwartungen hatte, aber ich versuche, da irgendwie offen zu bleiben. ✊🏻😊

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