Spaß am Dienstag

Es gibt eine neue Institution im Hause Doppelkinder. Am Dienstagnachmittag hab ich frei. Am Dienstagnachmittag übernimmt der Zwillbo-Papa die wilde Bande. Am Dienstagnachmittag habe ich freie, unstrukturierte Zeit [so nennt meine Ärztin das]. 

Es ist so…still…

Leute, lachende Kinder sind was feines. Genauso wie überschwängliche Spuckeküsse von Babys und verschmierte Breischnuten. Aber wie grandios und wichtig sind regelmäßige Verabredungen mit mir selbst? Deren Bedeutung liegt im nicht messbaren Bereich. Die Gefühle, die mich dabei begleiten, sind gemischt [aber überwiegend gut]. Ich fühl mich zunächst immer ein bisschen nackt ohne mindestens ein Baby an mir, ohne Trage oder ohne Zwillingskinderwagen. Hey – aber ich kann die Haare offen tragen ohne Gefahr zu laufen, dass mir vier kleine Fäuste eine flotte Kurzhaarfrisur verpassen. Und es ist so…still…selbst wenn ich mich im dicksten Getümmel in der Fußgängerzone herumtreibe. Denn in mir ist es stiller. Weil ich weiß, ich muss nicht wachsam auf die Geräusche von der Spieledecke lauschen. Ich muss nicht trösten, keine Kämpfe um Rasseln und Stofftiere schlichten, ich muss nicht das körpereigene Kasperletheater anwerfen und singen und klatschen und gute Stimmung verbreiten. 

Ich mach was ohne Babys – aber mit Kaffee.

Manchmal ist das ein wenig seltsam. Denn bis vor einem halben Jahr war das ja immer so. Da waren ich und mein Leben. Ziemlich unkompliziert. Und jetzt, jetzt sind ich und mein Leben immer noch da, aber gleichzeitig bin ich eine Andere. Jetzt gehören zwei Menschen mehr zu mir. Zwei, die mich brauchen, ganz unbedingt. Das ist anders als mit dem Mann [der mich natürlich auch braucht, wie soll er sonst die Butter im Kühlschrank finden und überhaupt ohne meine liebreizende Persönlichkeit die Tage überstehen], der kann für sich selbst sorgen. 

Notfalls langweile ich mich ein bisschen

Ich finde, damit man gut für seine Kinder sorgen kann, muss man regelmäßig den Kopf lüften, durchatmen, Kraft schöpfen, für sich selbst sorgen. Und so verbringe ich die Dienstagnachmittage mit mir. Und mit dem Friseur. Oder der Kosmetikerin. Oder dem überteuerten Kaffee auswärts. Oder den fiesen Spiegeln in Umkleidekabinen. Oder, oder, oder. Ich glaube nicht, dass mir so schnell die Ideen ausgehen. Notfalls langweilige ich mich halt ein bisschen – obschon ich mich gerade nicht mehr an diesen Zustand erinnern.

 

Sicheres Indiz für Kinderbefreitheit: offenes Haar.
 
Nachdem ich mich die ersten Male innerlich noch etwas holprig gefühlt habe, finde ich es unterdessen richtig, richtig gut. Ich freu mich auf diese Stunden und genieße sie. Und dann komme ich nach Hause, freu mich über meine kleinen und großen Männer und bin fast nicht beleidigt, dass sie so gut ohne mich zurecht kommen.

7 Comments

  1. Das wird ja so etwas wie der Super-Dienstag! Das klingt ganz toll und wichtig! Und plötzlich: Stille! Herrlich!
    Liebe Grüße, Doro

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