Und dann ertappt man sich selbst beim Glücklichsein

am

„Kerlokiste, ist das gerade oft schön!“, denke ich bei mir. Fühle ich bei mir. Und dann tippt mir von hinten der fiese kleine elterliche Aberglaube auf die Schulter: „Pst, lass das! Bist du bescheuert!? Wenn das die Kinder jetzt mitkriegen! Dann war’s das wieder mit schön!“ Mir ist das jetzt egal, ich schüttele den alten Mistkäfer ab und bin fröhlich, glücklich und dankbar.


Ich bin weder eindeutig Optimistin oder Pessimistin noch Realistin. Ich variiere da nach Bedarf. Aber im Moment macht Zwillbo-Elternsein oft ganz schön viel Freude. Da sind der Mann und ich uns einig. Vielleicht, weil wir durch die ersten harten Monate so demütig geworden sind. Vielleicht aber auch, weil einiges entgegen der Unkenrufe vieler Miteltern eben doch leichter wird und nicht nur anders. 

Unbefangene Selbstverständlichkeit

Es macht Spaß diese beiden kerngesunden Jungs dabei zu beobachten wie sie ihren Platz in der Welt einnehmen. Manchmal ziemlich laut und bestimmt, doch sehr oft sehr vergnügt. Sie haben dabei so eine grenzenlose und unbefangene Selbstverständlichkeit und Echtheit, die ich vorher nicht gekannt habe, die mich oft in Erstaunen versetzt [und die mir manchmal graue Haare wachsen lässt]. 

Die Zwillbos sind richtig, richtig lustig – nicht nur irgendwie hellblau-babysüß. Sie machen lustigen Blödsinn, lachen sich beim Essen über gepuffte Amaranthkügelchen in ihren Schnuten scheckig, wälzen sich mit Begeisterung auf der neuen Picknickdecke, weil das so schön knistert, und schenken jeden Tag der Lampe im Wohnzimmer ihr schönstes Lächeln – einfach, weil ihnen danach ist, weil sie diese Lampe offenbar inbrünstig lieben und sich keine Gedanken darum machen, ob man als Mensch so eine begeisterte Beziehung zu einem Leuchtmittel zu pflegen hat. 


Die Zwillbos sind noch so unbestechlich – gut, Mads isst ziemlich gerne, da gibt es Ausnahmen, aber was ihre Liebe angeht, die ist echt und direkt und immer wahr. Wie sie sich ankuscheln, triefnasse Spuckeküsse verteilen…und einem direkt im Anschluss den Finger ins Auge rammen – das kommt garantiert von Herzen und nur, wenn ihnen tatsächlich danach ist. 

Wir wissen, dass wir zueinander gehören

Sie sind jetzt acht Monate alt, und irgendwie wissen wir vier mittlerweile, dass wir zueinander gehören. Pepe plappert „Mammammamm“ und „Bappappapp“, wo bei nicht ganz klar ist, ob er uns, seinen Schnuller oder Essen meint. Oder nichts von alldem. Aber es ist eine süße Verheißung darauf, was es irgendwann sein wird, wenn er und sein Bruder wissen und aussprechen, dass wir ihre Mama und ihr Papa sind. Klar, unser erwachsener Verstand wusste auch am Tag der Geburt der Kinder, dass wir das nun sind. Aber im Bewusstsein angekommen ist das irgendwie erst sehr viel später. 

Anfangs wurstelt man sich ja irgendwie nur so durch. Hofft, dass möglichst alle mit der größtmöglichen körperlichen und seelischen Unversehrtheit davonkommen und niemand Außenstehendes wirklich bemerkt, welcher Dilettantismus da am Werk ist. Liebe Schwangere, lieber werdender Vater: Natürlich sind neun Monate eine lange Zeit, die einem sicherlich Raum zur Vorbereitung geben. Aber entweder hat bei uns die Natur versagt oder es ist völliger Blödsinn, dass man danach bereit ist, ein Gefühl dafür hat oder elterliche Intuition die Antwort auf alle unerhörten Gebete ist! Aber klammert euch ruhig an den Gedanken, ich habe es auch getan. 

Und jetzt gerade, jetzt ist es echt schön. Ich schlafe manchmal sechs Stunden am Stück. Es gibt Tage, an denen brüllt die Brut kaum bis gar nicht und lacht dafür umso mehr. Ich muss niemanden stundenlang durch die Gegend schleppen, damit er ein paar Minuten Ruhe gibt. Ich muss keine Bäuche massieren oder sonstige Pupsbeihilfe mehr leisten. Klar, es gibt auch schwere Momente. Manchmal reihen die sich zu schweren Tagen aneinander. 

Aber jetzt gerade bin ich Optimistin. 

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Pingi3107 sagt:

    Ach wie schön!!!
    Ich bin gerade fix und alle,die Jungs stecken immer noch in diesem mistigen Schub,aber in Gänze ist es so,wie Du schreibst. Ich weiß noch,wie ich bei der Entlassung der Jungs aus dem Krankenhaus dachte :“waaaas?Die geben uns die Zwei jetzt mit?Einfach so?!“
    Denn irgendwie kann man sich nicht darauf vorbereiten,dass Babys da sind.Trotz der Schwangerschaft und der täglichen Gedanken an die Babys etc.,war es gefühlt dann doch ganz plötzlich. Und mir kommen immer noch ganz häufig die Tränen vor Rührung,einfach weil die Zwei da sind

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Heute bin ich auch wieder fix und fertig, denn wenn die Jungs dann friedlich schlummern, liegt Mama wach 😡😡😡 aber ähnliche Gedanken hatte ich bei unserer Entlassung auch! 🙈

      Gefällt mir

  2. Hach ja wirklich – du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf – hach wie herrlich. Und Dein Optimismus steckt an: Danke 😘

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Vielen lieben Dank 😍 gern geschehen!

      Gefällt mir

  3. Tanja sagt:

    Ja so ist das Leben als Doppelpack Eltern. Meist chaotisch, oft lustig und immer voller Liebe.
    Ich hatte heute auch ein super Zwillis Eltern Moment. Die Raketen spielen immer Verstecken, mit allem was sich bietet und immer zusammen und immer laut lachend.
    Was waren die Einlingsmamas beim Pekip verzückt.
    Tja Zwillis Mama sein ist eben nicht immer anstrengend, sondern sau cool.

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Das klingt toll!!! Ja, man darf bei all der Anstrengung nicht vergessen, dass man in Wahrheit ein Superhelden-Cape trägt!!!

      Gefällt mir

  4. Reinhold Scharnowski sagt:

    hey – toll, wie du dein Glück beschreiben kannst 🙂 Frauen haben so einen starken Link zu ihren Gefühlen 🙂 Liebe Grüsse aus Bolivien!!

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Wow, aus Bolivien!!! Das ist ja toll! Alles Gute für euch!

      Gefällt mir

  5. Diana Heine sagt:

    Toll, danke für den Optimismus. Darauf freue ich mich auch… unsere Mädels sind 6,5 Monate – dann ist es ja nicht mehr so lang hin 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Mit Vergnügen! Wow, auch schon so groß!!! Also, wir haben natürlich auch immer wieder stramme Zeiten – wir haben gerade mal wieder einen Schub hinter uns gelassen. Aber ich finde, es wird doch irgendwie…einfacher…besser…machbarer. Viele liebe Grüße!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s