Biss zur Mittagsstunde

Mein erstgeborener Zwillbo verfügt mittlerweile über recht adäquates Kauwerkzeug. Seinen unteren Gaumen zieren zwei kleine Mausezähnchen, wohingegen sich aus dem oberen Kiefer vier gigantisch erscheinende Hauer ihren Weg durchs Zahnfleisch bahnen. Man muss jedoch nicht meinen, dass das Kind sein Werkzeug großartig zum Kauen einsetzt. Es bearbeitet mit Vorliebe jegliche Form von fester Nahrung so lange mit Spucke, bis er sie bequem herunter schlucken kann. Insbesondere den Zwillbo-Papa graust es jedesmal, wenn er dazu angehalten ist, einen matschigen Reiswaffelkrümel vom Kind/Boden/aus der kindlichen Halsfalte zu klauben. Mütter sind da ja irgendwie erfahrungsgemäß schmerzbefreit. [Ich erwischte mich auch bereits bei dem Versuch, einen Zwillbo mittels Spucke am Finger eines Breiflecks zu entledigen – ich habe mich arg vor mir selbst erschrocken.]

Nun nuckelt dieses Kind, das den Mund quasi voller Zähne hat, ziemlich manierlich und oft mit wenig Schweinerei sein Essen weg. Dennoch sind seine Zähne jetzt zum Einsatz gekommen. Bislang fanden es die Zwillbos aus mir unerfindlichen Gründen ganz prima, mir mal halbwegs liebevoll an der Schulter zu nagen. Oder am Knie. Was ihnen gerade so vor die Schnute kam. Dies ging aber stets relativ sanft von statten. Heute Mittag allerdings hat der Erstgeborene mir einfach mal ganz beherzt in den Arm gezwickt. Wie ein kleiner Dackel. 

Ich habe laut „Aua“ gerufen und ein bisschen geschimpft. Offenbar kam die Botschaft an. Das Kind hat sich sogleich an meiner Schulter versteckt und war den Rest des Tages äußerst vorsichtig – zumindest mit seinen Zähnen. Obschon ich ihn bei Kontaktaufnahme stets ermahnt habe, schließlich hat’s mich ordentlich gezwickt, und wie und wann soll man den Zöglingen sonst vergegenwärtigen, dass Bisse im allgemeinen keine Liebesbekundung sind – es sei denn man ist ein Hund oder ein Fuchs oder etwas vergleichbares? 

Der jüngere Bruder weiß sein dentales Talent hingegen bereits ganz gut zu nutzen, doch ebenfalls nicht immer konstruktiv. Obwohl er bislang lediglich mit zwei unteren Schneidezähnen und der winzigen Spitze eines Eckzahns gesegnet ist, kaut er hurtig und gerne alles an Brot und Snacks, was er in die Finger bekommet. Und nicht nur das. Dass kein Karton und keine Zeitschrift in Mads‘ Nähe liegen kann, ohne dass er daraus Pappmaché macht, wussten wir schon. Kürzlich jedoch musste der Zwillbo-Papa einen leuchtend roten Fetzen aus dem Mundraum seines Sohnes entfernen. Es war ein Stück Krabbelmatte. 

Auch heute hat er sich wieder an dem Gummibelag zu schaffen gemacht – und mich bei Ermahnung so frech angegrinst, dass ich Pädagogik-Dilettantin lachen musste. Zum Glück ist dann meine Freundin mit einem entschiedenen „Nein“ eingesprungen, und der kleine Vandale hat tatsächlich von der Matte abgelassen. 

Ich beginne zu ahnen, welche Zeiten da auf uns zukommen…

4 Kommentare Gib deinen ab

    1. doppelkinder sagt:

      Danke 😊😊😊😊

      Gefällt mir

  1. Kathi sagt:

    Beißer (für die Zombiefreunde unter uns)

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    1. doppelkinder sagt:

      Jetzt musste ich mich erstmal schlau machen 😂😂

      Gefällt 1 Person

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