Die Zwillbos bringen die kosmische Ordnung ins Gleichgewicht

„Ma“ ist der erste, nach dem Pepe morgens fragt, wenn er und sein Bruder nicht im selben Zimmer geschlafen haben. „Ma“ gehört neben ihn in den Kindersitz, in den Kinderwagen und in den Hochstuhl. „Ma“ hat sich zwar im Bauch ganz schön breit gemacht, aber das trägt Pepe seinem „jüngeren“ Bruder nicht nach. Sie sind erst etwas älter als 15 Monate, und doch wissen Mads und Pepe, dass sie zusammengehören. 

Früh teilen lernen

Natürlich ist es total praktisch, wenn man einen Zwillingsbruder hat, dem man Spielsachen und Bücher wegnehmen kann. Wie sollte man sonst wissen, wie interessant der Gegenstand eigentlich ist, den der andere gerade in der Hand hält, wenn es nicht in Echtzeit dokumentiert würde?! Aber ganz oft können die Zwillbos schon richtig gut teilen. Oder zumindest Dinge abgeben. Sie reichen sich gegenseitig Dinkelstangen an oder kleben dem Bruder das Stück Marmeladenbrot ins Gesicht, das sie selbst nicht mehr essen möchten. Sehr liebevoll, versteht sich. 

Manchmal weiß ich nicht genau, ob gerade eine Prügelei im Gang ist, oder ob sie sich gegenseitig ihre Zuneigung bekunden – unter Brüdern scheint es auch normal zu sein, das mit mittelsanften Schlägen mit einem Spielzeugbagger auf dem Kopf des anderen zu erledigen. Die Zwillbos zanken sich selbstverständlich um alles mögliche. Im Zweifelsfall darum, wer weiter in der Mitte auf Mamas Schoß sitzen darf. Und dann gilt Auge um Auge, Milchzahn um Milchzahn. Aber mit der gleichen Inbrunst lieben sie einander. Sie umarmen sich, bis sie gemeinsam umfallen, nehmen einander an die Hand, lachen Tränen bei Spielen, die nur sie verstehen. Sie bringen sich gegenseitig ihre Schnuller und ihre Kuscheltiere. Man muss sich einmal vergegenwärtigen, dass die beiden vom allerersten Herzschlag an zusammen waren! Wer bekommt da keine Gänsehaut?

Zwillingsliebe. Sonnenseite.
 
Pepe ist eine kleine Quasselstrippe [das muss er von seinem Vater haben]. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sein Zwilling sich manchmal stundenlang ausschweigen würde, würde sein eine Minute älterer Bruder ihn kommunikativ nicht so…anregen. Mads ist von Anfang motorisch irgendwie etwas weiter. Er hat schon beim Greifen irgendwie konzentrierter und gezielter gearbeitet. Das hat sich bis heute fortgesetzt. Pepe erlebt das Tag für Tag mit. Und es macht was mit ihm. Er ackert wie verrückt. Um sich drehen zu können, um robben zu können, um sitzen zu können und auch, um laufen zu können. Er tut das mit viel Energie, oft mit wenig Präzision, aber unterm Strich doch mit großem Erfolg [und großem Beulen-Aufkommen sowie Arnika-Konsum]. 
Das Leben an sich ist anstrengend

Sicher, Zwillinge sind anstrengend. Aber ich vermute fast, das sind Kinder im Allgemeinen. Auch Familie im Allgemeinen ist oftmals anstrengend. Oder jegliche Art von tiefgehenderer Beziehung. Oder das Leben an sich. Doch eines ist ziemlich gewiss: Wenn nur einer der beiden da wäre, wäre der Kosmos sicherlich nicht im Gleichgewicht. Und ich müsste hundert Mal mehr „Kuckuck – daaaaa!!!“ spielen. Denn so übernehmen sie das meist selbst.

6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathi sagt:

    Oh Gott, ist das süß. Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Die Große umarmt den Kleinen oft so doll, dass es eher ein Würgkrampf ist und er weint, aber wenn sie ihn dann manchmal fragt „Ach Mäuschen, was ist denn los, ich bin doch für dich da?“, dann bin ich schon arg gerührt.

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  2. Jutta sagt:

    Danke für diese Liebeserklärung an Zwillinge. Das tut gut zu lesen, wo ich doch immer wieder mit meinem Schicksal hadere. (Bei mir gab’s statt eines zweiten Kindes halt Zwillingsjungs, gerade fünf Monate alt geworden). So hoffe ich, dass ich neben all den doppelten Strapazen bald auch solche Lichtblicke erleben darf, die eben nur Zwillingseltern vorbehalten sind.

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    1. doppelkinder sagt:

      Hallo Jutta, aus meinen Gesprächen mit anderen Zwillingsmüttern weiß ich, dass Zwillinge für die Allermeisten erstmal eine angstmachende Überraschung sind. Ich habe in der babyzeit auch oft die Bürde gespürt und war wütend, mich nicht nur auf ein Kind konzentrieren zu können – oder besser gesagt, auf ein Baby. Nun empfinde ich es zumindest von dem Punkt aus als wesentlich leichter, als dass die Kinder nun schon so viel mit uns kommunizieren und interagieren und sie in der Lage sind, uns und einander auch viel zu geben. Das ist in der babyzeit natürlich anders. Ich bin mir fast sicher, dass auch du – neben den Strapazen – das erleben wirst. Alles Liebe und ganz viel Kraft! Es ist einfach furchtbar anstrengend, gerade wenn sie so klein und unselbstständig sind, jeder, der dir etwas anderes erzählen will, redet Quatsch! Viele Grüße!

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      1. melverenice sagt:

        Ich hab letztens so gedacht (und schlag mich ruhig, wenn ich doof klinge, weil ich ja keine ahnung hab) dass es mit Zwillingen eigentlich auch viel leichter sein kann, weil die beiden, zwischen denen man seine Aufmerksamkeit aufteilen muss, wenigstens auf einem Level sind. Ich fand den Gedanken so schwierig, jetzt da Madita laueft und alle Dinge machen will, noch ein Neugeborenes dazu zu werfen und erklaeren zu muessen warum Mama jetzt nicht kann. Oder ein Schulkind, das Hilfe bei den Hausaufgaben braucht, aber man muss soch um das Baby kuemmern? Weisste was ich meine? Umsomehr Hut ab vor allen Zwillingsmuettern und denen die noch ein oder zwei oder mehr andere Kinder haben 😉 #ohjeichhabnenweingetrunken

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      2. doppelkinder sagt:

        Ich habe keine Ahnung, ich hab ja keinen Vergleich. Vermutlich ist das von Kind zu Kind und von Eltern zu Eltern unterschiedlich. Ich kenne auch einige Zwillingseltern und die allein empfinden schon so vieles so unterschiedlich. Und dann gibt es garantiert Aspekte, die mit Zwillingen irgendwann einfacher sind als mit unterschiedlich alten Geschwistern. Aber bestimmt gibt es auch Situationen, die schwierig bleiben. Vermutlich hat alles so sein für und wider 😃 #prost

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  3. Jutta sagt:

    Jein. Ich habe ja beides, eine große, bald vierjährige Tochter, und die 5 Monate alten Zwillinge. Der Vorteil bei Zwillingen ist, dass sie von Anfang an teilen müssen und nicht irgendwann vom Einzelkind-Thron gestoßen werden. (Da darf ich mich aber nicht beklagen, denn ich habe eine recht verständnisvolle Tochter, die mitmacht, wenn es wirklich darauf ankommt. Dafür hat sie auch Privilegien, die die kleinen Brüder nicht haben. Und sie wird von ihnen angehimmelt, das merkt sie schon jetzt.) Der Nachteil beim frühen Teilenlernen ist für mich, dass die Zwillinge zu klein sind, um zu verstehen, warum ihre Bedürfnisse gerade nicht befriedigt werden können. Es ist für mich immer noch schwer, in gewissen Situationen einen der beiden enttäuschen zu müssen. Aber Teil einer Familie zu sein heisst nun mal Kompromisse einzugehen, und das gilt für alle.

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