Spielplatz mit Zwillingen – eine Feindschaft für’s Leben

Klicke auf den Player, und höre dir den Text als Podcast an:

 

Liebe andere Spielplatz-Mutti…

…wenn du das hier jetzt liest, nimm es bitte nicht persönlich. Vielleicht meine ich dich auch überhaupt nicht. Vermutlich bist du eine von den Anderen. Eine von denen, die ich am Ende, wenn wir dann zufällig mit einander sprechen, doch ganz nett finde.

Mit Zwillingen und Laufrad draußen
Willkommen in der Manege!

Möglicherweise leide ich aus Versehen und unbemerkt an einer kleinen Sozialphobie. Jedoch sind menschenleere Spielplätze für mich ein Paradies. Naja, sagen wir mal ein Discounter-Paradies. Wenn gerade nichts besseres wie ein Waldstück oder ein Park verfügbar ist oder die Jungs gar nichts anderes als Freizeitbeschäftigung dulden, dann nehme ich eben auch mit Arealen Vorlieb, die standardgemäß mit einer Menge Sand, Rutsche, Kletter- und diversen Absturzmöglichkeiten ausgestattet sind.

Persönliche Schreckgespenster 

Aber eigentlich mag ich Spielplätze nicht sonderlich. Ich genieße es mehr, wenn wir uns entspannt irgendwo treiben lassen können. Von Grashalm zu Käfer zu Schnecke zu Stöcken zu Baumstamm zu Kastanie zu Pfütze und so weiter. Macht mir gar nichts, wenn wir dabei nur 50 Meter vom Fleck kommen, aber die 50 Meter haben wir dann gründlichst unter die Lupe genommen. Wir kennen dann jedes Insekt mit Vornamen und jeder halbwegs zivilisierte Strauch hat uns das Du angeboten. Auf Spielplätzen hingegen suchen mich zumeist diverse persönliche Schreckgespenster heim.

  1. Die naturgemäße und unüberwindbare Persönlichkeitsspaltung der Zwillingsmutter – und das Geglotze der Anderen:
    Ich verfüge über zwei ausgesprochen bewegungsfreudige Subjekte des Modells „Kind“. Diese Bewegungsfreude dehnt sich gleichermaßen auf die Horizontale wie die Vertikale aus. Das heißt: Sie sind schnell unterwegs und klettern überall hoch. Überall sehr hoch. Nur leider nicht immer an der gleichen Stelle. Vermutlich werden erfahrene Röntgenärzte bereits jetzt an den Verschleißerscheinungen meiner Halswirbelsäule ablesen können, dass ich Zwillingsmutter bin. Oder sie unterstellen mir, fanatische Tenniszuschauerin zu sein. Wenn die Jungs nämlich gut drauf sind – und das ist ziemlich oft der Fall – dann fliegt mein Blick und damit auch mein Kopf auf dem Spielplatz permanent hin und her. Binnen Sekundenbruchteilen gilt es immer wieder, beide Kinder optisch zu erfassen und dann abzuwägen, wer sich gerade in größerer Lebens- oder Gesundheitsgefahr befindet, und dann gegebenenfalls einzuschreiten. Da hat die Nebenniere alle Händevoll mit der Adrenalinausschüttung zu tun. Je nachdem, welche Kletter- und Absturzmöglichkeiten der jeweilige Spielplatz bietet, sind wir damit eine grandiose Unterhaltungsnummer für all‘ die anderen Eltern, die mehr oder weniger entspannt auf Bänken oder im Sand sitzen. Ich sitze selten. Sehr selten.
  2. Die Frage nach der Eiigkeit:
    „Sind das Zwillinge?!“/“Das sind aber keine Zwillinge!“
    „Ja…“/“Doch, schon…“„Eineiig oder zweieiig?“/“Die sind aber nicht eineiig!“
    „Zweieiig…“
    „Dann kann man sie wenigstens gut unterscheiden, nech?! Also meine Oma hat eine Tante, deren Gärtner hat einen Neffen und DESSEN Cousine hat AUCH Zwillinge! Aber eineiige…“
    „Aha…“
  3. Die Frage nach dem Geschlecht:
    „Jungen oder Mädchen“?
    „Zwei Jungs…“
    „Ach schade, Junge und Mädchen wären aber besser gewesen!“
    „Tschüss…“
  4. Die Sache mit dem Abwasch:
    „Oh, Zwillinge! …das ist bestimmt anstrengend! Aber man ist in einem Abwasch fertig!“
    Ich nicke und lächele. Und gehe weg.
  5. Die Konfrontation mit der eigenen, vermeintlichen Unvollkommenheit – oder: Wer hat die besseren Snacks und mehr Taschentücher dabei?
    Auf vollen Spielplätzen fühle ich mich zuweilen nicht zuletzt deshalb oft derangiert, weil ich mein Equipment meist nicht so hochgerüstet habe, wie andere Mütter. In der Regel führe ich selten liebevoll geschnitzte Apfelstückchen, Hirse-Knabberschmetterlinge aus Demeter-Erzeugung oder Dinkelstangen bei mir. Einiges davon essen meine Kinder nur, wenn es aus fremden Snackboxen stammt – ein mysteriöses Gesetz der Elternschaft – zu anderem bin ich oft einfach zu faul. Oder zu vergesslich. Ich gelte allein schon deshalb nicht als gute deutsche Mutter, weil ich oftmals trotz laufender Nasen keine Taschentücher am Mann habe. Mir entfällt manchmal einfach, sowas einzupacken. Notfalls kaufe ich beim Bäcker eine Runde Rosinenbrötchen und greife dabei schnell und unauffällig tief in den Serviettenspender. Geht auch. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Zwillinge auf der Rutsche
Schön, wenn sie mal nahezu gefahrlos an einem Ort vereint sind.

Wie gesagt, ich stehe einfach nicht so auf Spielplätze. Mit vielen Leuten da hat man nichts gemeinsam. Aber auch rein gar nichts. Außer der Tatsache, dass man auch Kinder hat. Zufälligerweise. So wichtig und lebensverändernd dieser Aspekt für jeden einzelnen von uns auch ist – das macht uns noch längst nicht alle zu Freunden. Im Gegenteil. An wenigen Dingen scheiden sich die Geister mehr als beim Umgang mit Kindern und beim Fußball. Von mir sind schätzungsweise gewisse Eltern schnell genervt, weil ich die Jungs im Großen und Ganzen einfach machen lasse [natürlich nicht, wenn sie Gewalt anwenden] und sie nicht permanent mit irgendwelchen Pseudo- „Das macht man nicht“-Grenzen belästige. Mir hingegen stellen sich die Nackenhaare auf, wenn Kinder ständig von gegängelt, abgemahnt und angezählt werden. Mann. Lasst die doch einfach mal spielen! Aber das nur nebenbei.

Man muss einander nicht unbedingt mögen

Wenn uns also irgendwann einmal doch nach zwangloser Plauderei ist, kann uns die zufällige Gemeinsamkeit der Elternschaft einander näher bringen. In allen anderen Momenten muss man das nicht zwangsläufig zum Anlass nehmen, sich zu mögen. Aber. Dann kann man sich in Ruhe lassen. Dann muss man sich nicht anfeinden, über einander herziehen und andere herabsetzen, nur weil sie nicht die gleichen Entscheidungen treffen wie man selbst. Denn am Ende wollen wir dann doch meistens alle nur das Gleiche: irgendwie klarkommen.

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jenny sagt:

    Herrlich. 😂 Ich versuche mit meinen, nun sechs Monate alten, Zwillingen mittlerweile jegliche Ansammlung von, vor allem älteren, Menschen zu meiden. „Awwww Zwillingeeee!!! – Süüüüß!!! – Ist anstrengend, oder?! – Aber das ist wenigstens ein Abwasch.“ – Ich kann es nicht mehr hören.

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      …und manchmal fasst man sich innerlich nur an den Kopf!!! …sechs Monate..hach! Alles, alles Liebe und viiiieeeel Schlaf wünsche ich dir!!!

      Gefällt mir

  2. *haha* Ich erinnere mich nur zu gut an diese Zeit 😂 Andere Mamas chillen auf dem Spielplatz und als Zwillingsmama sprang ich in Dreieck weil dauernd einer abzustürzen oder zu fallen drohte 😊 Ich hab auch einen Beitrag zum Thema – Da verlinke ich Dich gerne 😊 Liebe Grüsse Alexandra

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Oh, den lese ich gerne!!!! Danke!

      Gefällt 1 Person

      1. Hallo Juli! Das würde mich sehr freuen 🙂 Hier nun der Link zu meinem Beitrag: https://doublyblessedblog.com/2016/04/23/tipp-45-mit-kleinen-zwillingen-auf-dem-spielplatz/ Ich hab Deinen schönen Beitrag als warme Empfehlung ergänzt 🙂 Liebe Grüsse Alexandra

        Gefällt mir

  3. Stephanie sagt:

    Achja, dieses hektische Hin- und Herhetzen auf weitläufigen Spielplätzen ist echt ein besonderes Vergnügen. Man ist dann abends einfach froh, wenn beide Kinder es ohne größere Verletzungen überstanden haben. Aber meine Lieblingsdisziplin ist zwei Babyschaukeln simultan anschubsen – das hat schon viel mit Aerobic gemein.
    An dieser Stelle allerdings ein kleiner Lichtblick für dich: Meine Jungs sind fast 2,5 und haben heute das erste Mal längere Zeit zusammen in einer Sandgrube gespielt. Ganz ohne, dass ich irgendetwas tun musste. Und mittlerweile kann man einem ja auch mal sagen, dass er kurz warten muss, bevor man ihn bei der 3m hohen Wackelbrücke unterstützen kann, weil man erst den Bruder vor einem Absturz bewahren muss. Manchmal halten sie sich dann sogar daran…

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Das stimmt, hier werden die Momente, in denen sie gemeinsam außer Lebensgefahr spielen, auch mehr und länger 😂. Ich weiß noch, wie ich wie eine Blöde die Federwiegen synchron gewippt habe, damit sie mal 20 Minuten lang gleichzeitig schlafen 😂…

      Gefällt mir

  4. Sanna sagt:

    Herrlich! Die Liste der Kommentare anderer Mütter Leute könnte man echt endlos fortführen 😂. Als Drillingsmutter hört man sich da auch einiges an…

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      Oh, ich möchte gar nicht wissen, wieviel heftiger es mit Drillingen ist!?!!!? Da hat man doch niemals seine Ruhe!

      Gefällt mir

  5. Kathi sagt:

    Also wir treffen uns gerne mit Freunden auf dem Spielplatz. Die Kinder spielen und wir trinken in der Nachmittagssonne ein Bierchen. Das nächste Mal kommste rum 😀

    Gefällt 1 Person

    1. doppelkinder sagt:

      😂 gerne! Gezielte Verabredungen mag ich auch…allerdings muss ich trotzdem viel renne…

      Gefällt mir

  6. geizbock sagt:

    Hallo, Du sprichst mir so aus der Seele. Meine Mädels sind jetzt 6 und eingeschult. Sie sind laut, bewegungslustig und creativ. Auf dem Spielplatz sitze ich oft am Rand und denke mir, ne ich will keine Gespräche mit anderen Muttis über die beste Schule / Unterstützung/Förderung, ne meine Kinder haben keine x Termine pro Woche, ich lasse sie einfach spielen und basteln. Und was die Fragen angeht, ich wurde in den ersten Monaten richtig sauer das xte Mal gesagt zu bekommen, „wirklich eineiig, sie unterscheiden sich doch“ oder auch die Frage, wenn man 2 Säuglinge im Arm hat: Zwillinge? Ich hab irgendwann gesagt „ne, Drillinge aber für das Dritte war kein Platz im Wagen“ oder so. In jedem Fall, ich fühle mit Dir.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s