Zwillingsmama – stolze Löwin und Hadererin des Schicksals

Als Zwillingsmama kannst du beides sein. Eine unbändig stolze Löwin und eine Hadererin des Schicksals. Du kannst ohne Gleichen lieben und dennoch über die Last, die du trägst verzweifeln.

Manchmal sitze ich hier, meine beiden Kinder auf meinem Schoß. Wir schauen gemeinsam ein Buch an, und während sie über die Hasen, Hunde und Eulen diskutieren, rieche ich heimlich an ihrem Kleinkindhaar, schmiege mich ganz unauffällig an ihre glatten, schwitzigen Wangen. Und schon im nächsten Moment kann ich im Chaos versinken. Im Chaos zwischen zwei kleinen Jungs, die sich prügeln, die Obst auf dem Fußboden zerstampfen, Saft ausgießen und die Wände anmalen. Ich kann noch so olympische Hechtsprünge hinlegen, ich schaffe es nicht gleichzeitig, dem einen Debakel Herr zu werden, während drei Meter weiter die nächste Eskalationsstufe freundlich zu mir herüber winkt.

Aufgewühlte Ozeane

Dann sitze ich mit meinem eigenen Meer an Gefühlen zwischen zwei aufgewühlten, zweieinhalbjährigen Ozeanen und zerfließe, wo ich doch eigentlich Fels sein sollte. Licht und Schatten des Elterndaseins.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass in unserer Gesellschaft, im TV und den sozialen Medien nur Raum für das Helle ist. Egal, ob echt oder künstlich. Geleckte weiße Wohnzimmer bei Instagram, in denen nur ein einsames Holzspielzeug in schwarz-weiß darauf hindeutet, dass ein Kind zur Familie gehört. Aber das befindet sich vermutlich gerade in einer Umkleidekabine, um für‘s nächste Ootd*-Shooting [Abkürzung des Hashtags “Outfit of the Day”, den Instagrammer gerne verwenden, auch für ihre Kinder] ausgestattet zu werden.

Alle Gefühle sind gut

Vielleicht leugnen Menschen den Schatten lieber, weil unsere Zeit damit so randvoll ist. Aber die dunkle Seite ist da. Immer. Auch in uns. Niemand fühlt immer nur Liebe. Aber Wut und Abwehr zu verspüren bedeutet noch lange nicht, dass die Liebe fort ist. Sie ist doch die, in die alle anderen Gefühle mit hineinzählen. Das Regalsystem der Emotionen, das alles trägt, auch die unangenehmen Empfindung, die scheinbar nicht instagramtauglich sind. Scheinbar. Denn wir alle sehen uns auch nach Wahrheit und Echtheit. Danach, dass endlich mal jemand ausspricht, was wir denken und fühlen.

Zwillingsmama, Wald
Manchmal ist die Stimmung mehr als morsch.

Mamasein fühlt sich nicht immer schön an, aber vielleicht verkauft sich Babybrei besser, wenn die Werbung es so aussehen lässt. Ich bin jedem Menschen dankbar, der offen und aufrichtig über seine ambivalenten Elterngefühle spricht. Zwillingsmama Pippa von Kuntabunt.dehat dazu die Beitragsreihe “Liebes Tagebuch” gestartet, für die ich ihr sehr dankbar bin. Hier wird Tacheles gesprochen über Muttergefühle. Auch über die dunklen.

Karten auf den Tisch

Weil ich, wie ihr wisst, ein großer Fan davon bin, die Karten auf den Tisch zu legen und von allen Facetten des (Zwillings-)Mama-Daseins zu berichten, freue ich mich sehr, Teil dieser Reihe sein zu dürfen. Ihr findet meinen und die übrigen Beiträge hier…

Mit welchen Tabus sollten Eltern eurer Meinung nach noch aufräumen?

2 Comments

  1. Hallo Juli!
    Danke für den Artikel :-)
    Kinder zu haben bedeutet viel Lärm, Chaos und Gefühle aller Beteiligten die im Raum stehen!!
    Und ich finde als Mutter darf man auch mal sagen dass einen das nervt oder gerade zu viel ist . Dass man mal eine Auszeit braucht oder auch mal einen Kaffee in Ruhe trinken möchte so ganz ohne Verantwortung und Lautstärke im Hintergrund … Ich finde es total wichtig, dass man als Mutter sich auch mal zurückziehen kann mit seinen eigenen Gefühlen und die eigene Seele baumeln lässt, um dann wieder mit neuer Kraft in den Tag mit der Familie zu schreiten. Kinder zu haben ist nicht immer heile heile Sonnenschein, das bedeutet auch Stress Schweißausbrüche, Sorgen und Ängste. Es gibt auch Tage da pfeife ich mir ohne mit der Wimper zu zucken eine ganze Tafel Schokolade rein abends. Auch das gehört mal dazu aber wer gibt das gerne mal zu?Dargestellt wird natürlich lieber, dass man im Schneidersitz auf der Yogamatte oder draußen beim Sport ist und nur Gutes für sich und den Körper tut. Ja ist auch gut. Ich mach auch Yoga, 1x die Woche. Na immerhin :-) trotzdem bleibt dann wieder irgendetwas anderes liegen weil man muss ja gefühlte 150 Dinge schaffen im Haushalt und wenn man dann auch noch berufstätig ist oder auch noch andere Interessen hat oder gar Freunde hat und Gott oh Gott oh Gott wie kriegt man das denn alles hin ?? Ich bin sowas von unperfekt und auch oft einfach planlos aber ich lebe und ich liebe. Und wir lachen viel :-) Das nennt man doch Leben oder??

    1. Ach Anne, irgendwie total verrückt, diese Welt, in der wir so viele Anforderungen an uns selbst stellen, oder? Ich hab auch schon Schokolade AUF der Yogamatte gegessen, geht auch :-D Ich bin froh, dass ich immer mehr Mütter finde – insbesondere im Internet – die ganz offen über alle Facetten ihres Lebens und ihrer Gefühle sprechen. Ich glaube, damit tun wir uns selbst und unseren Familien einen riesigen Gefallen. Ich finde die kleinen Auszeiten, die du beschreibst, auch wahnsinnig wichtig, ohne die würde es nicht funktionieren! Ganz liebe Grüße!

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